Braucht mein Vogel Kies, Sand oder Grit für die Verdauung?

Grit Jetzt sind wir bei dem Thema angelangt, welches die Gemeinde der Sittich-Halter spaltet. Es gibt einige Für und Wider und letztendlich muss man selber entscheiden, ob man seinen Wellensittichen Grit anbietet oder nicht. In diesem Artikel trage ich einige Fakten sowie Überlegungen zusammen, die eventuell die Augen öffnen und bei der Entscheidung helfen.

In Europa und vor allen Dingen im deutschsprachigen Raum wird es als selbstverständlich und notwendig angesehen, Grit anzubieten, dabei spielt die Art keine Rolle, Grit in Form eines Gritblocks, als Bodenbelag, wenn man als Streu den handelsüblichen Vogelsand benutzt, der meistens auch Grit beinhaltet oder als loser Grit in einem Extra-Napf. In den Foren heißt es immer: Grit muss sein! Aber stimmt das wirklich?

Einige Halter kommen mit dem Argument, dass sie Hühner, Wachteln oder Tauben beobachtet haben, wie sie in Ermangelung von Extra-Grit dann Wände anpicken, um an die darin enthaltenen Steinchen zu kommen oder die meisten Vögel Steinchen fressen. Aber da haben wir schon einen kleinen Unterschied: Hühner und Tauben entspelzen die Körner nicht, sondern diese werden in einem Rutsch heruntergeschluckt, das gleiche mit Insekten, die sogar mit Panzer verschluckt werden. Unsere Sittiche machen das aber nicht, sie spucken die Schale aus und was im Kropf dann ankommt, wird erst mal gelagert (der Kropf verdaut nicht) und dann nach und nach an den Vormagen ausgeliefert, der die Körner dann ordentlich mit Verdauungssäften versieht, danach gelangt die Nahrung in den Muskelmagen, der kräftig genug ist, die bereits eingespeichelten Körner zu zerkleinern, die Körner werden so lange bearbeitet, bis daraus eine breiartige Masse geworden ist.

Zweites Argument für Grit ist oft: "Wellensittiche" haben keine Zähne und müssten die harten Körner ja irgendwie klein bekommen. Stimmt, sie haben keine Zähne, aber der feste hornartige Schnabel hat kleine Riefen an der Innenseite des Oberschnabels und die Zunge ist viel stabiler und härter als unsere menschliche Zunge, dazu kommt noch der eben erwähnte sehr leistungsfähige Muskelmagen. Die Schale wird im Schnabel im Nu vom Korn gelöst, der Rest erledigt der Verdauungsapparat.

In Australien nehmen die Wellensittiche mit der Nahrung fast schon automatisch auch Sand und andere Partikel mit auf, aber nur wenig. Diese Partikel helfen ebenfalls bei der Verdauung, damit es schneller geht. Wellensittiche in Australien können sich nicht lange mit der Verdauung aufhalten, es muss schnell gehen, je länger die Nahrung im Magen verweilt, desto mehr Gewicht müssen sie bei ihren langen Flügen mit sich herumschleppen, außerdem brauchen sie schnelle Energiezufuhr. So ein paar Sandkörner beschleunigen das Ganze.

Im Normalfall - damit ist der bequeme Wohnungswelli gemeint - wird also bis jetzt noch kein Grit für den Verdauungsvorgang gebraucht. Wer seine Wellensittiche mal genau beobachtet, dem ist vielleicht aufgefallen, dass die Steinchen im Sand oder auch die im Extra-Napf losen Gritsteinchen, vom Wellensittich im Schnabel oft zermahlen werden, sie fressen meistens die Muschelsteinchen oder kleinere Kalkfragmente, die sich auch leichter im Schnabel zerkleinern lassen. Warum machen sie das? Weil sie es können, der Wellensittich-Schnabel ist ein effektives und vielseitiges Werkzeug. Wenn diese Teile schon im Schnabel zermahlen werden, kommen sie spätestens im Muskelmagen höchstens noch als groben Sand an. Was sagt uns das? Dass Steine eigentlich nicht nötig sind, sondern nur grobere Partikel, die im Stande sind, bei der Zerkleinerung und dem Zerreiben der Nahrung behilflich zu sein.

Die Aussage, dass Grit lebensnotwendig ist und sie es unbedingt brauchen, ist also schlichtweg falsch. Richtig ist, dass Wellensittiche Grit und auch Sand fressen, wenn man es ihnen zur Verfügung stellt. Sie können ohne Grit leben, sie brauchen es eben nicht unbedingt, aber es scheint ihnen die Verdauung zu erleichtern, es geht mit Grit oder Sand ein bisschen schneller. Wellensittiche suchen sich in Ermangelung von Grit dann oft andere Gegenstände, die sie beknabbern, wenn es harmlose Sachen sind, wie der Mörtel von den Wänden ist das nicht weiter tragisch, nur wenn sie an ganz andere Sachen gehen, die schädlich für sie sind, wie Plastik, Kunststoff etc., dann könnte das schlimme gesundheitliche Folgen haben. Also bietet man den Wellensittichen aus diesem Grund Grit an, um sie daran zu hindern, irgendetwas anderes unverdauliches zu fressen. Sie brauchen es nicht, aber sie wollen es, genauso wie wir ohne Schokolade leben könnten, aber es uns ab und zu gönnen, weil Schokolade ein gutes Gefühl gibt. Oder denken wir an den Espresso nach dem Essen oder den Verdauungsschnaps. So verhält es sich beim Wellensittich mit dem Grit.

Kann Grit oder Sand gesundheitsschädlich sein?

Kurz: ja, das kann es. Nicht außer Acht lassen sollte man diesen negativen Aspekt. Im Normalfall wissen die Vögel instinktiv, wieviel Grit sie brauchen. Ein Wellensittich, der krank ist, ob eine leichte Verdauungsstörung oder eine schwerwiegende Erkrankung, wird versuchen, sein Unwohlsein zu kompensieren, da ein kranker Vogel oft wenig Appetit hat, wird er dann leider vermehrt Grit zu sich nehmen, weil die Verdauung ins Stocken geraten ist und er eventuell so eine Art Völlegefühl oder sogar Schmerzen hat. Für ihn ist klar, er muss jetzt Grit fressen, dann fühlt er sich besser. Nur leider besteht die Gefahr, dass sich kranke Vögel am Sand und Grit überfressen, und das geht meistens nicht gut aus und verschlimmert alles noch, eine Folge davon ist der sogenannte Sandmagen, es kann auch zum Verschluss des Kropfausgangs oder Magenausgangs kommen, der beim Wellensittich sowieso schon extrem eng ist, dann können neurologische Symptome, Gewichtsverlust und Tod die Folge sein. Kranken Wellensittichen sollte man besser keinen Grit anbieten. Auch Wellensittiche, die nach fast überstandener Krankheit auf dem Weg der Besserung sind, neigen zu einem Überkonsum an Grit, so dass sie nach kurzer Zeit wieder beim Tierarzt landen.

Für Jungiere ist Grit, Kies oder Sand ohnehin nicht geeignet.

Auch Wellensittiche, die bislang keinen Grit gewohnt waren, übertreiben oft. Hier kann es sinnvoll sein, einen sogenannten Gritstein anzubieten, da sie sich den Grit dann erst erarbeiten müssen.

Es ist in den meisten Fällen besser, den Grit nur zeitweise anzubieten und genau zu beobachten, wieviel davon wirklich aufgenommen wird.

Ein weiterer negativer Aspekt sind eventuell scharfkantige Steine, die den Kropf reizen oder verletzten könnten.

Sollte ich meinen Wellensittichen überhaupt Grit anbieten?

Nachdem man jetzt weiß, dass Grit nicht lebensnotwendig ist, ist das eine berechtigte Frage. Man kann es anbieten, einmal aus Beschäftigungsgründen, er sucht sich sonst vielleicht etwas anderes, dann für das Wohlbefinden, denn es scheint den Wellensittichen in die Gene gelegt zu sein, dass es ihnen mit Grit besser geht, auch wenn der Körper es nicht unbedingt braucht. Wir Menschen brauchen auch so vieles nicht, essen es aber trotzdem, weil es uns zufrieden stellt. Solange der Wellensittich gesund ist, wird ein wenig Grit dem Wellensittich nicht schaden, wenn er nur ab und zu mal davon nascht. Nur sollten die Alarmglocken schrillen, wenn man ihn immer öfter oder für längere Zeit am Gritnapf oder sandpickend am Boden vorfindet.

Guter Grit - schlechter Grit

Grit ist nicht gleich Grit. Es gibt verschiedene Arten dieser Verdauungssteinchen und nicht alles, was im Handel angeboten wird, ist okay. Man sollte zu allererst darauf achten, dass die festen Gritprodukte nicht mit Gips angereichert wurden. Die losen Gritprodukte bestehen meistens aus unterschiedlichen Steinchen, da gibt es Vogelgrit mit Korällchen, Grit mit Mineral angereichert, Vogelsand mit Grit und Anis etc.

Man unterscheidet auch zwischen löslichen und unlöslichen Grit.

a) Der lösliche Grit besitzt Nährstoffe wie Kalzium und andere Mineralien und löst sich langsam im Verdauungstakt auf. (Kalkstein, Mineralstein, Muschelkalk und Produkte wie Sepia-Schale)

b) Der unlösliche Grit hat außer als kurzzeitige Verdauungshilfe nichts zu bieten. Die kleinen Kieselsteinchen verbleiben im Muskelmagen und unterstützen ihn beim Zerreiben der Körner. Und weil die Steinchen dann ebenfalls aneinander reiben, werden diese mit der Zeit auch kleiner und passieren dann den Magen-Darm-Kanal und werden ausgeschieden (Kies, Magenkiesel, Quarzsand). Sand wird dabei schneller ausgeschieden als Kieselsteinchen.

Grit für die Mineralversorgung

Eines der wichtigsten Mineralstoffe für den Wellensittich ist Kalzium. Einige Halter bieten Gritprodukte für die Mineralstoffversorgung an. Auch hier gibt es gute wie auch weniger gute Produkte. Man sollte beim Kauf schon sehr genau darauf achten, was darin enthalten ist. Wer die Mineralstoffversorgung seiner Wellensittiche gewährleisten, aber keinen losen Grit anbieten möchte, kann auch auf andere Produkte ausweichen. Das Anbieten einer Sepiaschale und eines Mineral- oder Jodblocks gibt dem Wellensittich schon alle lebenswichtigen Mineralstoffe, gleichzeitig wird der Schnabel gewetzt und es dient der kurzzeitigen Beschäftigung.

Sepiaschale - reich an Kalzium und andere Mineralen

Sepia SchaleBei der Sepiaschale wird oft angeraten, diese vorher zu wässern, da sie salzhaltig ist. Auch können die scharfen Außenkanten leider Schaden anrichten, diese sollten nämlich wirklich nicht gefressen oder verschluckt werden, weil diese gefährlich scharf sind und den Kropf verletzen.

Die Sepiaschale dann am besten etwas bearbeiten, um sicher zu gehen:

Die Sepiaschale mit einem scharfen Messer vierteln und dann vom harten Teil, der Außenhaut befreien. Die Außenhaut wird nicht gebraucht, diese kann entsorgt werden. Das weiche Material für ein paar Minuten in heißem Wasser legen. Nicht zu lange einweichen, damit sich kein Schimmelpilz bildet. Dann sehr gut trocknen lassen und in einem Extra-Napf anbieten oder zerkleinert unter das Körnerfutter geben.

Fazit:

Wellensittiche fressen Grit (damit sind die Steinchen gemeint), nicht weil er lebensnotwendig ist, sondern weil sie damit den Verdauungsvorgang verkürzen, damit die in der Nahrung enthaltenen Närhstoffe schneller dem Körper zur Verfügung gestellt werden. In der Natur ist das wichtig.


Natmin SteinLetztendlich muss jeder Halter selber entscheiden, ob er seinem Wellensittichen Grit anbietet oder nicht. Wichtig ist aber schon, dass eine gute Mineralstoffversorgung stattfindet. Hier bieten sich meistens Kalksteine ohne Körnung an. Wer mehr darauf baut, dass der Wellensittich keine Zähne hat und Grit für die Verdauung benötigt, hat die Wahl zwischen losen Grit und Gritblöcken. Hier würde ich eher zu einem guten Gritblock mit kleiner Körnung tendieren, weil sie sich das erarbeiten müssen und das Problem des übermäßigen Verzehrs verringert wird. Es gibt z.B. den guten Natmin-Stein, der bei Wellensittichen sehr beliebt ist.

Wer keinen Vogelsand als Käfig-Einstreu benutzt, der auch als Verdauungshilfe fungiert und lieber losen Grit in einem Extra-Napf anbietet, kann dazu übergehen, dieses nur zeitweise und in kleinen Mengen zur Verfügung zu stellen. Ein paar Körnchen pro Woche vermischt mit Vogelsand ist genug.

Sobald man merkt, dass ein Wellensittich übermäßig Grit verzehrt, stimmt etwas nicht und man sollte vorsichtshalber den Grit erst einmal entfernen. Den Gritkonsum sollte man generell im Auge behalten.

Die verschiedenen Gritprodukte

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