Wellensittiche brauchen Licht
Nutzen, Wichtigkeit, Fakten

In diesem Artikel geht es um die Unterbringung unter dem generellen Aspekt des Lichts. Die meisten unserer heimischen Vögel sind Waldbewohner, der Wellensittich ist ein Steppenvogel, der sich außer während des Fluges durch karge wüstenähnliche Steppen im Schatten großer Bäume aufhält, aber jederzeit ein Sonnenbad nehmen kann, falls ihm danach ist. Selbst als Baumbewohner steht ihm in Australien das normale Tageslicht zur Verfügung, da er sich größtenteils in Gegenden aufhält, in denen es nur wenige Bäume gibt. Ganz im Gegensatz dazu werden unsere Wellensittiche hierzulande manchmal in Wohnungen mit zu kleinen Fenstern und Hinterhofblick oder Fenster nach Norden ausgerichtet oder mit Bäumen davor gehalten. Tageslicht kann man das in so einem Fall nicht mehr nennen.

Halten wir zuerst einmal folgende Tatsache fest:

Sonnenlicht, besonders der UV-Anteil, ist für unsere Vögel lebenswichtig. Selbst wenn die Vögel direkt am Fenster stehen, kommt niemals genügend UV-Strahlung durch. UV-B Licht wird sogar vollständig herausgefiltert, während UV-A noch schwach durch normales Fensterglas hindurchdringt - je nach Glasart versteht sich. Aber gerade die UVB-Strahlen sind für die Bildung des lebenswichtigen Vitamin D verantwortlich.

Das braucht der Wellensittich

Grundsätzlich: 12 Stunden Tageslicht, 12 Stunden Dunkelheit einschl. Dämmerung

Licht-Fakten - der medizinische Aspekt

  • Längere Tage und somit mehr Licht haben Einfluss auf die körperliche, geistige Gesundheit sowie den Fortpflanzungstrieb.
  • Licht ist beteiligt an der Vitamin D und Kalziumsynthese, wichtig für starke und gesunde Knochen
  • Licht hat Einfluss auf den Schlafzyklus und auf die Schlafqualität. Eine saisonale Regelmäßigkeit ist gut, damit sich der Körper auf Schlafzustand und Wachsein einstellen kann. Ein erholsamer Schlaf fördert ein gesundes Immunsysten.
  • Licht hat Einfluss auf den Stoffwechsel wie z.B. Fortpflanzung, Mauser, Schläfrigkeit und Aktivität und anderes Verhalten.

Bei reiner Innenvolierenhaltung ist deshalb eine ausreichende Versorgung mit UV-Licht nicht mehr gegeben. Das zum medizinischen Aspekt. Jetzt kommen wir zum Wohlfühl-Aspekt oder die Lebensqualität, was nicht weniger wichtig ist.

Licht-Fakten - der Wohlfühlaspekt
Vögel "sehen" anders als wir Menschen

Wir Menschen können kein UV-Licht wahrnehmen, anders aber Vögel, Reptilien und Fische, die auch UV-Licht wahrnehmen und dadurch ihre Umwelt einschließlich ihrer Artgenossen anders sehen. Bekannt ist ja, dass die Netzhaut des Auges mit Zellen ausgestattet sind, die als Stäbchen und Zapfen bezeichnet werden. Die "Stäbchen" sind für die verschiedenen Helligkeitsstufen zuständig, die "Zapfen" dagegen für die Farbwahrnehmung. Das menschliche Auge hat 3 verschiedene Zapfenarten - für kurzwelliges Licht (blau), für mittelwelliges Licht (grün) und für langwelliges Licht (rot). Auch wird das ultraviolette Licht beim Menschen bereits durch die Linse absorbiert.

Vögel haben aber einen zusätzlichen Zapfen. Wenn dieser angesprochen wird, entsteht die Farbe "ultraviolett". Diese Farbe ist in der Natur sehr wichtig, da sie dadurch reife von unreifen Früchten besser unterscheiden können, auch sehen sie ihre Umwelt deutlicher und ihre Artgenossen in einem ganz anderen Licht. Auch bei der Futtersuche kommt das UV-Sehen zum Tragen.

Merke:

Wenn Vögel in dunklen oder schlecht beleuchteten Räumen gehalten werden, enthält man ihnen sozusagen etwas vor oder verringert deren Lebensqualität. Viel Gedanken über diesen visuellen Aspekt braucht man sich allerdings nicht zu machen, wenn Vögel in lichtdurchfluteten Räumen gehalten werden.

Fazit:

Vögel brauchen Sonnenlicht fürs Wohlbefinden UND für ihre Gesundheit. Sonnenlicht kommt durchs Fenster und können sie sehen, die UV-Strahlen allerdings sind für die Vitaminsynthese notwendig und werden durch Fensterscheiben größtenteils blockiert. Ohne UVA-Licht sind die Vögel farbenblind, ohne UVB-Licht können sie krank werden. Das Sonnenlicht wird zur Vitamin-D-Synthese gebraucht, allerdings ist es wichtiger, Vitamin-D aus der Nahrung zu beziehen. Laut einer Studie sind 30% der Krebstodesfälle bei Stubenvögeln auf einen Vitamin-D-Mangel zurückzuführen. Vitamin-D unterstützt die Selbstzerstörung mutierter Zellen, ist für das korrekte Kopieren von Zellen zuständig, grenzt das Wachstum neuer Blutgefäße ein, welches ein wichtiger Schritt für das Erwecken von schlafenden Tumoren ist.

Reicht die Strahlung, die durch die Fensterscheibe kommt

Das ist eine Frage, die man eigentlich mit Jein beantworten müsste. Es kommt direkt hinter der normalen Fensterscheibe noch ca. 75 Prozent UVA-Strahlung hindurch, aber nur 0-5% UVB-Strahlung. Selbst bei strahlendsten Sonnenschein bleibt es dabei. Aber gerade das UVB-Spektrum ist wichtig für die Versorgung mit dem lebenswichtigen Vitamin D. Die Vitamin-D-Synthese bleibt bei der absoluten Wohnungshaltung komplett auf der Strecke. Im Sommer reicht es dann schon, wenn man Käfig oder Voliere ab und zu auf die Terrasse oder den Balkon stellt, dabei aber immer auch die Möglichkeit anbieten, Schatten aufzusuchen und windgeschützt muss es sein. Selbst im Frühjahr und Herbst gibt es schon/noch einige wärmere Tage. Direktes Sonnenlicht mögen die meisten Wellensittiche nicht, sie bevorzugen den Schatten. Der UVA-Anteil im Sonnenlicht dient der arteigenen Mustererkennung. Ohne UVA erkennen Wellensittiche diese Muster nicht, was allerdings bei der Wohnungshaltung nicht lebenswichtig ist. Der UVA-Anteil direkt hinter der Fensterscheibe dürfte also reichen.

Ob es allerdings angebracht ist, den Wellensittichkäfig direkt hinter der Fensterscheibe zu platzieren, ist eine andere Sache. Der Raum sollte zwar lichtdurchflutet sein, ein dunkler Raum ohne Fenster eh nicht in Frage kommen, aber die Funktion eines Gewächshauses sollte der Raum nicht übernehmen. Ein gewisser Abstand zur Fensterscheibe und die Möglichkeit, einen schattigen kühlen Platz aufzusuchen, sollten immer vorhanden sein.

Jetzt hat aber nicht jeder ein eigenes Haus mit großzügigen Fensterflächen und super lichtdurchfluteten Wohnräumen, viele Halter haben nur eine kleine Mietwohnung, kleine Zimmer mit vielleicht kleinen Fenstern oder die weniger attraktive Nordseite. Was macht man dann? Wäre eine sogenannte Birdlamp oder Vogellampe eine echte Alternative und die Lösung?

Welches Licht eignet sich am besten für Vögel

Die Antwort ist ganz klar! Natürliches Sonnenlicht ist das Beste und sollte wann immer möglich auch ausgenutzt werden. Mit einer angemessenen Aufsicht und einem geeigneten Käfig, weder große Hitze, noch Kälte oder Nässe (also nur, wenn es die Wetterverhältnisse erlauben), einen zugfreien Standort und die Möglichkeit für Vögel, jederzeit einen schattigen Platz im Käfig aufzusuchen, bietet man seinen Wellensittichen eine gute und verlässliche Lichtquelle an.

Die Sonne muss noch nicht einmal direkt auf den Vogel scheinen, es reicht, wenn sie den Himmel gut sehen können, dabei können sie unter einem Baum stehen, wenn der Himmel weiterhin sichtbar ist. Auch der Standort unter einer Terrasse ist okay, solange der Himmel sichtbar ist. Die UVA-Strahlung erreicht sie trotzdem. UVA- und UVB-Strahlung wird auch durch Wolken und andere Stoffe in der Luft gebrochen und erreicht so auch leicht schattige Plätze. Allerdings ist hierbei die UVB Strahlung leicht bis stark verringert - je nach Tageszeit und Bewölkung bzw. Vollschatten, für eine Vitamin D3-Synthese ist eine kurzeitige direkte Bestrahlung notwendig.

Eine weitere Möglichkeit sind speziell für Vögel entwickelte Beleuchtungen, sogenannte Vollspektrumlampen, die das Licht in der ultravioletten Wellenlänge emittieren. Aber selbst die beste Lampe kann ihnen nicht das bieten, was Mutter Natur ihnen in Australien gibt.

Lese hierzu auch den Artikel über Vogellampen.

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