:: Wellensittich Start :: Forum :: Impressum :: Kontakt
 

Du bist hier: » sittiche.de » Basiswissen A-Z » Krankheiten » Gefiederstörungen

Wellensittich Krankheiten

Natürliche Mauser

Die Mauser ist natürlich keine Krankheit, sondern die Folge von alt gewordenen Federn, die der Vogelorganismus abstößt, um Platz für neue und frische Federn zu schaffen. Unser Wellensittich kann zu jeder Zeit mit der Mauser beginnen, völlig unabhängig von der Jahreszeit, allerdings spielen hierbei auch schon mal starke Temperaturschwankungen eine Rolle. Während der Mauser ist der Wellensittich ruhiger als sonst, auch sollte er gut fressen, da es ihm einiges an Kraft abverlangt. Das Futter sollte während dieser Zeit besonders eiweiß-, vitamin- und mineralstoffreich sein.

 

Schreckmauser

Die Ursachen einer Schreckmauser sind buchstäblich Angst und Schrecken. In der Natur können Vögel in Gefahrensituationen plötzlich alle Schwanzfedern und Teile des Kleingefieders abwerfen. Dabei bleibt die Flugfähigkeit erhalten und der Vogel kann so dem Angreifer entfliehen. Die so verlorenen Federn wachsen relativ schnell wieder nach, meistens noch vor der normalen Mauser.

Federrupfer

Der betroffene Vogel nestelt ständig an seinem Gefieder herum, und rupft einzelne Federn heraus, bis schließlich größere Flächen federlos sind. Auch hier sind die Ursachen nicht endgültig geklärt. Es könnte sich um verhaltensgestörte Vögel handeln, da sie sich selber Schaden zufügen. Besonders Einzelvögel sind hierfür anfällig, da sie die partnerschaftliche Gefiederpflege vermissen könnten. Möglich ist auch psychischer Stress, wenn der Vogel z.B. sehr stark auf den Besitzer geprägt ist und er sich nicht mehr soviel Zeit für den Vogel nimmt. In der Natur sind Wellensittiche rund um die Uhr mit ihrem Partner zusammen, dass kann ein Mensch seinem Vogel nicht bieten. Weitere Ursachen könnten sein: Schlafmangel, sexuelle Frustration, ständige Reizüberflutung (andere Haustiere, Kinder, Fernsehen). Und was ebenfalls auf Einzelvögel zutrifft: Langeweile. Man sollte so einem Vogel dann einen Partner gönnen. Falls das nicht möglich ist, sollte man ihm genügend Beschäftigungsmöglichkeiten bieten, wie Obstbaumzweige mit Rinde zum Benagen oder einige Klettermöglichkeiten. Auch kann es nicht schaden, ihm ab und zu etwas der Sonne auszusetzen, aber bitte daran denken, dass man dem Vogel selber die Wahl lässt, ob er Schatten oder Sonne will, also einen Teil des Käfigs sollte abgedeckt sein oder im Schatten stehen.

Französische Mauser - [Polyoma]

Sie ist auch als Renner- oder Hopserkrankheit bekannt. Hauptsächlich sind Wellensittiche davon betroffen. Es gibt verschiedene Arten bzw. Stadien bei dieser Krankheit. Sie zeigt sich schon bei einem Jungvogel. In allen Fällen werden die Federn vorzeitig abgestoßen, so dass der Wellensittich nie sein vollständiges Federkleid bekommt. Der Vogel befindet sich also in einer dauernden Mauser und die Flügelfedern werden nie lang genug, um ein Fliegen zu ermöglichen. In ganz schweren Fällen ist auch das ganz normale Federkleid davon betroffen, also nicht nur die Schwung-, Flügel- und Schwanzfedern, sondern auch Brust und Rücken.

Die Ursachen sind noch endgültig erkannt, aber man nimmt an, dass es sich hierbei um eine Stoffwechselstörung handelt, möglich ist auch eine Viruserkrankung. Wiederum vermuten andere, dass Überlastungen der Elterntiere bei der Brut und Eiweißmangel bei der Aufzucht der Jungvögel daran schuld sind. Bisher gibt es noch keine Behandlung für diese Krankheit. Mit diesen Tieren sollte nicht gezüchtet werden.

Wichtig ist hier eine eiweißreiche Ernährung, so nach dem derzeitigen Wissensstand, Vitamingaben sind ebenfalls notwendig, da der Organismus durch die ständige Mauser ja dauerhaft beansprucht wird. Auch sollte unbedingt ein Kalkstein angeboten werden. Ein wenig Sonnenlicht (keine Hitze und Schatten muss jederzeit zur Verfügung stehen) kann auch nicht schaden. Künstliches Licht, ich weiß jetzt nicht, ob dass den gleichen Effekt hat.

Ein Renner kann aber trotz allem ein schönes und munteres Vogelleben führen, er kann auch sonst gesund sein und es ist nicht nötig, diese Tiere einzuschläfern. Warum auch. Solche Vögel kennen es nicht anders und leben ganz gut mit ihrer Behinderung. Man kann den Käfig dementsprechend einrichten, da diese Vögel ihre Flugunfähigkeit durch vermehrtes Klettern ausgleichen. In schweren Fällen allerdings kann es vorkommen, dass die ständige Mauser so stark juckt, dass die Vögel sich die Federn selber herausreißen und blutig picken - hier besteht Infektionsgefahr! An der französischen Mauser erkrankte Wellensittiche haben vielleicht nicht gerade die höchste Lebenserwartung, aber das kurze Leben sollte man ihnen so schön wie möglich machen.

Anmerkung: In einigen Fällen hat es aber schon eine plötzliche Heilung gegeben, wenn diese Krankheit nicht allzu ausgeprägt war. Der Organismus hilft sich oft selber und man weiß nicht warum. Ein Beispiel war mein Chico, der als Jungvogel an der französischen Mauser litt, aber nach einem Jahr die Krankheit durchgestanden hatte und danach ein ganz normales Vogelleben hatte. Er wurde fast 9 Jahre alt.

Nestlingserkrankung

Hierbei handelt es sich um eine Gefiederstörung. Die Jungtiere zeigen ein verzögertes Wachstum der Konturfedern sowie Missbildungen des Daunengefieders. Außerdem sind hierbei auch Verschmutzungen des Kloakengefieders, Schwellung des Bauches und ein hochgradiger Wasserverlust des Körpergewebes möglich. Genau wie bei der Französischen Mauser bleiben die Vögel oftmals lebenslang flugunfähig.

Schuld ist hierfür ein Virus aus der Gruppe der Papova-Viren. Dieser Virus ist höchst ansteckend, selbst Menschen können ihn von einer Bruthöhle in die andere übertragen. Es wurden vereinzelt Fälle bekannt, in dem die betroffenen Wellensittiche irgendwann vollständig von der Krankheit geheilt waren. Sie bekamen dann nach der zweiten Mauser ein ganz normales Federkleid, wahrscheinlich litten sie aber nur an einer Mauserstörung, da diese Erkrankung ähnlich ist.

Der Virus selber kann nur durch eine Blutuntersuchung nachgewiesen werden.

Feder- und Schnabeldystrophie [PBFD]

PBFD heißt "Psittacine beak and feather disease" und ist unheilbar. Diese Krankheit war früher hauptsächlich bei Großpapageien und Kakadus bekannt, jetzt hält sie auch unter Wellensittichen und Kleinpapageien Einzug. Es ist eine virusbedingte Gefiederstörung, für den Circoviren verantwortlich sind. Diese Viren verursachen eine Wachstumsstörung der Federn, Krallen und des Schnabels und führt zur Zerstörung des Knochenmarks. Wenn die Knochenmarkszellen, die zur Neubildung des Blutes verantwortlich sind, absterben, stirbt auch der Vogel.

Diese Krankheit verläuft recht langsam. Zuerst kann man Federstörungen am gesamten Gefieder beobachten, der Vogel verliert seine ständig neu wachsenden Federn, sogar am Kopf. Auch wird das Schnabelhorn oftmals brüchig und weich, der Schnabel wächst unkontrolliert. Im Endstadium sind fast keine Federn mehr vorhanden und auch der Schnabel wird derart in Mitleidenschaft gezogen, dass er so brüchig ist, dass er oftmals abbricht und der Vogel nicht mehr fressen kann. Das Immunsystem ist zum Schluss so geschwächt, dass er an anfällig für sämtliche Infektionskrankheiten ist.

Die Krankheit ist sehr heimtückisch, da viele Vögel infiziert sein können, ohne die typischen Symptome zu zeigen, sie können aber durch Federstaub andere Tiere anstecken, bei denen die Krankheit ausbrechen kann, wenn sie ein geschwächtes Immunsystem haben. Auch wenn die Vögel beim Kauf völlig gesund aussehen, könnten sie das Virus in sich tragen. Und wenn ein Vogel es hat, hat es zwangsläufig auch der andere, da es hochansteckend ist.

Wenn man vor hat zu züchten, ist es gut, dass eine Blut- bzw. Federprobe zur Untersuchung eingeschickt wird. So weiß man, ob irgendein Tier aus dem Bestand daran erkrankt ist.

Viel tun kann man gegen diese Krankheit nicht, entweder sie bricht aus oder nicht. Man kann nur versuchen das Immunsystem der erkrankten Wellis zu stärken. Mit Verabreichung von Vitaminen und immunstärkenden Mitteln kann versucht werden, das Ausbrechen der Krankheit zu verhindern oder den Allgemeinzustand zu verbessern.

Von dieser Krankheit sind hauptsächliche Sittiche und Papageien betroffen. Man sagt sogar, dass fast 90 % der Agaporniden diesen Virus in sich tragen.

Polyoma und PBFD - Nachtrag

Polyoma und PBFD sind ansteckend, aber man muss erkrankte Vögel nicht einschläfern lassen. Sie können beide ein schönes Leben haben, bis das Virus ihnen den Tod beschert. Es besteht allerdings hohe Ansteckungsgefahr. Aber man kann sich kaum vor dem Virus schützen, weil wie erwähnt, er durch die Luft übertragen wird: Wenn du vorher in einer Zoohandlung warst und anschließend zu deinen Vögeln gehst, kannst du sie schon angesteckt haben.

An Polyoma erkranken nur Jungvögel, Altvögel sind nur Überträger und das Züchten ist mit infizierten Vögeln im Bestand nicht empfehlenswert, weil Küken erkranken können.

PBFD hingegen ist für Wellensittiche allen Alters ansteckend, ein Ausbrechen der Krankheit ist auch immer möglich, kann aber eventuell durch Stärkung des Immunsystems hinausgezögert werden.

 

Wenn du Fragen zum Thema Wellensittiche hast, besuch doch einfach unser Forum. Wir haben dort auch ein Forum für Fragen zu Krankheiten eingerichtet.

Wellensittich-Forum

 

Wusstest du ...

dass der Wellensittich zwar ein Familienvogel, aber kein Schmusetier ist? Er ist ein soziales Lebewesen, welches den Menschen miteinbezieht, aber er braucht unbedingt mindestens einen Artgenossen!