🦜 Laufsittiche in der Haltung –
Ziegensittiche & Springsittiche im Überblick

Ziegensittiche und Springsittiche gehören zu den lebhaftesten und neugierigsten Papageienarten, die man in der Heimtierhaltung antreffen kann. Beide zählen zu den neuseeländischen Laufsittichen (Cyanoramphus-Arten bzw. Cyanoramphus-Verwandte) und sind bekannt für ihre enorme Bewegungsfreude, ihren charmanten Charakter und ihre ausgeprägte Bodenaktivität. Wer diese Vögel hält, bekommt energiegeladene, intelligente und soziale Gefährten – aber auch Arten, die besondere Ansprüche an Platz, Beschäftigung und Sicherheit stellen.
Der folgende Blogartikel bietet einen strukturierten Überblick über die wichtigsten Aspekte der Haltung in Wohnung und Voliere.
Unterschiede zwischen Ziegensittich und Springsittich
Obwohl beide Arten zu den Laufsittichen zählen, gibt es einige klare Unterschiede. Ziegensittiche gelten als größere, kräftigere Papageien aus Neuseeland, oft sehr bewegungsfreudig und neugierig; Springsittiche sind typischerweise kleiner und eher als flinke, erkundungsfreudige Bewohner bekannt.
Ziegensittich (Cyanoramphus novaezelandiae)**
- Größe: ca. 26–28 cm
- Färbung: leuchtend grün mit roter Stirn
- Charakter: sehr verspielt, extrem aktiv, oft zutraulicher
- Bewegung: rennt viel am Boden, klettert und springt sehr agil
- Lautstärke: eher moderat, aber häufige Rufe
Springsittich (Cyanoramphus auriceps)**
- Größe: ca. 23–25 cm
- Färbung: grün mit gelber Krone und kleinem roten Stirnfleck
- Charakter: etwas ruhiger als Ziegensittiche, aber dennoch lebhaft
- Bewegung: flinker Flug, häufig in Sträuchern und niedrigen Ästen
- Lautstärke: klare, helle Rufe, meist nicht sehr laut
Gemeinsamkeiten
- Neugierde und Intelligenz: Beide Arten lernen schnell, erkunden neue Gegenstände gern und profitieren von abwechslungsreichem Spielzeug und Umweltreizen.
- Soziale Tiere: Beide Arten bilden oft Paare oder kleine Gruppen und bevorzugen soziale Interaktionen. Sie suchen häufig Gemeinschaft, auch beim Fressen und Spielen.
Verhalten und Eigenschaften
Ziegensittiche und Springsittiche zeigen ähnliche Grundzüge ihres Verhaltens, unterscheiden sich aber in einigen Details. Hier ist eine kompakte Übersicht zu typischem Verhalten, Haltungstipps und Unterschieden. Laufsittiche sind:
- extrem aktiv – sie laufen, springen, klettern und fliegen viel
- neugierig – sie untersuchen alles, was ihnen begegnet
- sozial – sie brauchen unbedingt Artgenossen
- spielerisch – sie lieben Schaukeln, Äste, frische Zweige und Bodenaktivitäten
- bodenorientiert – Beide verbringen viel Zeit am Boden, suchen dort nach Nahrung und nutzen ihre Füße zum Scharren, was typisch für Laufsittiche-Verhalten ist.
Typische Verhaltensweisen:
- Sandbaden (besonders Ziegensittiche)
- intensives Nagen an Holz
- schnelle, direkte Flugmanöver
- lebhafte Kommunikation mit Partner oder Gruppe
Haltung und Käfiggröße – so muss ein Zuhause für Laufsittiche aussehen 🏡
Laufsittiche benötigen viel Platz, deutlich mehr als viele andere Sitticharten. Wichtig sind abwechslungsreiches, ungefährliches Spielzeug und Umgebung, die Sicherheit bietet (keine kleinen Teilen, Spiegel). Mangelnde Beschäftigung kann zu Stereotypien oder Übergewicht führen.
Mindestanforderungen (Wohnungshaltung)
- Innenvoliere: mindestens 2 m Länge × 1 m Tiefe × 1,5–2 m Höhe
- Freiflug: täglich mehrere Stunden, idealerweise ganztägig
- Bodenfläche: wichtig, da Laufsittiche viel laufen
Außenvoliere
- Größe: mindestens 3 m Länge × 1 m Tiefe × 2 m Höhe
- Schutzhaus: frostfrei, zugluftgeschützt
- Naturboden: ideal für Beschäftigung und Bodenverhalten
Einrichtung
- viele Naturäste (Weide, Obstbaum, Hasel)
- frische Zweige zum Benagen
- Korkstücke, Schaukeln, Kletteräste
- große Bodenfläche mit Sand oder Einstreu
- sichere Rückzugsmöglichkeiten
Laufsittiche sind wahre „Bewegungsmaschinen“ – je größer der Lebensraum, desto gesünder und ausgeglichener sind sie.
Ernährung in der Wohnungs- und Volierenhaltung 🍎
Die Ernährung sollte abwechslungsreich und naturnah sein.
Grundfutter
- hochwertige Großsittichmischung
- wenig Sonnenblumenkerne
- Grassamenanteil bevorzugt
Frischfutter
- Blattgemüse (z. B. Mangold, Spinat, Vogelmiere)
- Gemüse (Karotte, Paprika, Zucchini, Brokkoli)
- Kräuter (Basilikum, Petersilie, Löwenzahn)
- Obst in kleinen Mengen (Apfel, Beeren, Birne)
Zusätze
- Keimfutter
- Mineralien & Grit
- frische Zweige zum Nagen
- gelegentlich tierisches Eiweiß (z. B. Mehlwürmer) während der Brutzeit
Raumklima & Temperatur 🛠️
Laufsittiche sind robust, aber empfindlich gegenüber falschem Raumklima.
Optimale Bedingungen
- Temperatur: 15–22 °C
- Luftfeuchtigkeit: 50–65 %
- Keine Zugluft
- Gute Belüftung ohne Temperaturschwankungen
In Außenvolieren benötigen sie ein frostfreies Schutzhaus, da sie Kälte schlechter vertragen als viele australische Arten.
Vergesellschaftung – mit wem passen Laufsittiche zusammen?
Laufsittiche sind sozial, in der Brutzeit können Laufsittiche jedoch sehr revierverteidigend werden und andere Vögel ernsthaft angreifen. Unterschiedliche Arten sollten ausweichen und Rückzugsorte nutzen können; in engen Volieren steigt das Konfliktrisiko deutlich. Arten sollten ähnliche Futter- und Haltungsansprüche haben, sonst entsteht Stress oder Mangelversorgung.
Gut geeignet
- Artgenossen: Am sichersten und am ehesten artgerecht ist ein gegengeschlechtliches Paar oder eine kleine Gruppe reiner Laufsittiche.
- andere ruhige, nicht dominante Arten in großen Volieren
Weniger geeignet
Sehr unterschiedliche Größen (z.B. große Sittiche mit deutlich kleineren) erhöhen Verletzungsgefahr durch Schnabel und Krallen.
- Wellensittiche (zu hektisch, oft dominant)
- Nymphensittiche (können bedrängt werden)
- kleine Finken (Gefahr durch Bodenaktivität)
Praktische Tipps
- während der Brutzeit steigt das Territorialverhalten, Brutpaare von Laufsittichen sollten im Zweifel getrennt werden, da es in dieser Phase zu blutigen Revierkämpfen kommen kann.
- Zunächst getrennte Unterbringung nebeneinander, um Verhalten durch das Gitter zu beobachten; erst bei ruhigem Verhalten gemeinsamen Freiflug unter Aufsicht ermöglichen.
- Immer eine Möglichkeit zur Trennung (zweite Voliere, Trennwand) einplanen, falls es zu Jagereien oder Beißereien kommt.
- ausreichend Platz, um Konflikte zu vermeiden
Häufige Erkrankungen
Laufsittiche können bei falscher Haltung anfällig für bestimmte Probleme sein:
- Aspergillose (bei zu trockener Luft oder Staub)
- Wurmbefall (durch Bodenaktivität)
- Bakterielle Infektionen
- Verletzungen durch ungesicherte Wohnungseinrichtung
- Fettleber bei zu fettreicher Ernährung
- Kloakenentzündungen bei mangelnder Hygiene
Regelmäßige tierärztliche Kontrolle ist empfehlenswert.
Ernährung in der Haltung
(Dieser Abschnitt dient als kompakte Zusammenfassung des Ernährungsabschnitts oben.)
- Körnermischung mit hohem Grassamenanteil
- täglich frisches Grünfutter
- Keimfutter mehrmals pro Woche
- Mineralien, Grit, Sepiaschale
- tierisches Eiweiß nur gezielt
- frische Zweige als Beschäftigung und Nährstoffquelle
Brut in der Haltung
Laufsittiche brüten leicht, wenn die Bedingungen stimmen.
Wichtige Grundlagen
- nur brüten lassen, wenn Platz und Abnehmer vorhanden sind
- Paarhaltung zwingend
- Nistkasten: 25 × 25 × 35 cm, seitlicher Einstieg
- Nistmaterial: Holzspäne, Rindenstücke
Brutverlauf
- Gelege: 4–9 Eier
- Brutdauer: ca. 20–22 Tage
- Nestlingszeit: 5–6 Wochen
- Fütterung: proteinreicher während der Jungenaufzucht
Während der Brutzeit steigt das Aggressionspotenzial – ausreichend Platz ist entscheidend.
Hier findest du die ausführlichen Steckbriefe:
Für weiterführende Themen wie Pflege, Gesundheitsvorsorge und Krankheiten sind die Artikel unter den obigen Menüpunkten empfehlenswert.
