Nährstoffe: Vitamine

Vitamine sind für den Vogelkörper lebensnotwendige Verbindungen, die der Vogel selbst nicht synthetisieren kann (bis auf wenige Ausnahmen).

Man unterteilt Vitamine in 2 Gruppen: Den fettlöslichen Vitaminen (A, D, E und K) und den wasserlöslichen Vitaminen (B1, B2, B6, B12 und C, Nikotinsäure, Cholin, Folsäure, Pantothensäure und Biotin).

Fettlösliche Vitamine kann der Organismus des Vogels selbst speichern, während wasserlösliche Vitamine mit der Nahrung aufgenommen werden müssen. Vitamine sind nur in kleinen Mengen erforderlich, aber für den schnellen Stoffwechsel der Wellensittiche sehr notwendig. Jedes einzelne Vitamin hat im Körper eine bestimmte Funktion, daher hat das Fehlen eines Vitamins auf Dauer eine Avitaminose als Folge.

Vitamin-A Mangel ist bisher der häufigste Vitamin-Mangel. Vitamin-A Mangel führt u.a. zu einer Verhornung der Schleimhäute und der Haut. Bakterielle Infektionen sind die Folge, die häufig die inneren Organe schädigen. Auffälliges Zeichen sind oft verfärbte Federn oberhalb der Wachshaut.

Auf künstliche Vitamine solltest Du nur zugreifen, wenn die Vögel entweder überhaupt nichts an Grünfutter zu sich nehmen oder im Notfall als Unterstützung zu einer Therapie (vom Tierarzt verschrieben). Grundsätzlich sollte man mit Vitaminen bei Nierenleiden vorsichtig sein.

Nachfolgend werden die einzelnen Vitamine und deren Aufgabe in Stichpunkten formuliert:

Fettlösliche Vitamine

Vitamin A (Retinol, Axerophthol)

Vitamin A kommt nur in tierischen Futtermitteln vor (Leber, Lebertran, Eidotter). In allen grünen Pflanzenteilen und manchen Früchten findet man Beta - Karotinoide (Provitamin A). Das sind Vorstufen des Vitamin A. Durch die Aufnahme der Vorstufen wandelt der Körper des Vogels die Vorstufe des Vitamin A in gezieltes Vitamin A um. Gute Quellen sind hier Spinat, Brokkoli, Paprika, Karotten, Zucchini, Kürbis und einige Früchte wie Aprikosen. Eine gute Quelle ist auch Karottensaft ohne Zuckerzusatz (am besten mit einem Entsafter selbst hergestellt und mit Wasser verdünnt)

Aufgabe:
Vitamin A ist notwendig zum Aufbau der Funktionsfähigkeit der Haut und der Schleimhäute des gesamten Körpers, für den Sehvorgang und das Wachstum.

Sonstiges:
Vitamin A + seine Vorstufen sind empfindlich gegenüber UV-Licht und Sauerstoff. Überschüssiges Vitamin A wird in der Leber und im Fettgewebe gespeichert und verursacht aufgrund von Übergewicht Krankheiten. Normales Körnerfutter hat wenig Vitamin A. Natürliche Quellen sind gegenüber dem synthetisch hergestellten Vitaminen-A zu bevorzugen, da diese nicht so leicht überdosiert werden können, eine Überdosierung kann die Leber schädigen kann.

Vitamin D (Calciferol)

Vitamin D wird von Wellensittichen (und Vögeln allgemein) teils durch direktes Sonnenlicht (UV-Licht) aufgenommen. UV-Licht gibt aber nicht direkt Vitamin D ab, sondern führt es in die funktionelle Form über. Vitamin D findet man in der Natur in höchster Konzentration im Lebertran vor, die Vorstufen von Vitamin D halten sich in Pflanzen und Samen auf.

Aufgabe:
Vitamin D braucht der Vogel für die normale Knochenbildung, für die Härte des Schnabels und der Krallen. Vitamin D bewirkt die Einlagerung von Mineralien in die Knochen und fördert die Aufnahme von Phosphor und Kalzium aus dem Darm.

Sonstiges:
Eine einigermaßen ausreichende Versorgung von Vitamin D kann man eventuell mit einer so genannten Bird-Lamp ermöglichen - plus durch abwechslungsreiches Frischfutter. Ansonsten ist ein wenig Vitamin D in Eigelb vorhanden. Ein Zuviel an Vitamin D verursacht Nierenschäden.

Interessant zu wissen: Laut einer Studie sind 30% der Krebstodesfälle bei Stubenvögeln auf einen Vitamin-D-Mangel zurückzuführen. Vitamin-D unterstützt die Selbstzerstörung mutierter Zellen, ist für das korrekte Kopieren von Zellen zuständig, grenzt das Wachstum neuer Blutgefäße ein, welches ein wichtiger Schritt für das Erwecken von schlafenden Tumoren ist (der Übergang zu krebserregenden Tumoren).

Vitamin E (Tocopherol)

Vitamin E findet man in allen grünen Pflanzenteilen, Leinsamen und anderen Getreidekeimen.

Aufgabe:
Es verhindert eine Zerstörung ungesättigter Fettsäuren durch Sauerstoff. Es spielt eine wichtige Rolle bei der Muskeltätigkeit und wird oft als Fruchtbarkeitsvitamin bezeichnet.

Sonstiges:
Ein Vitamin E Mangel führt bei beiden Geschlechtern zu einem Nachlassen der Fortpflanzungsfähigkeit.

Vitamin K (Antihämorrhagisches Vitamin)

Vitamin K sind Darmbakterien, die vom Vogelkörper selbst produziert werden.

Aufgabe:
Vitamin K spielt eine große Rolle bei der Gerinnung des Blutes. Vitamin K wird in der Leber gespeichert.

Sonstiges:
Bei einer Antibiotika-Gabe oder durch eine Störung der Galle kann eine Unterversorgung als Folge haben und kann somit zu einer Störung der Blutgerinnung führen.

Die fettlöslichen Vitamine E-D-A-K können sich bei Lanzeitgabe und Überdosierung im Körper anreichern und Schäden anrichten.

Wasserlösliche Vitamine:

Vitamin C (Ascorbinsäure)

Vitamin C gibt es in Obst und Grünfutter.

Aufgabe:
Vitamin C schützt die Schleimhaut und unterstützt das körpereigene Immunsystem, hilft bei vielen Krankheiten, Leiden und ist wichtig für das Bindegewebe, die Wundheilung, Krebsvorbeugung, Eisenaufnahme und Aufnahme diverser anderer Spurenelemente und Aminosäuren etc. Also muss auch immer verfügbar sein. Wellensittiche können, wie viele andere Tiere auch, Vitamin C selbst herstellen. Daher ist die Gefahr eines Vitamin C Mangels hier eher gering. Es sei denn, der Wellensittich ist krank oder kränklich und der Organismus kann selber keine Ascorbinsäure synthetisieren, dann kommt es oft zu weiteren Mangelerscheinungen. Da Vitamin C ein Vitamin ist, dass bei einem Überschuss vom Körper auch wieder ausgeschieden wird, kann bei einer einmaligen oder kurzzeitigen Gabe eigentlich kein größerer Schaden passieren.

Sonstiges:
Vitamin C, das in Obst und Gemüse vorhanden ist, ist äußerst empfindlich gegenüber Luft. Bei der Lagerung der vorhin genannten Produkte nimmt der Vitamin C-Gehalt ab. Vitamin C ist nicht hitzestabil. Um Ascorbinsäure selbst herzustellen, benötigt der Organismus Glucose. Dauerhaft zu viel Vitamin C kann gesundheitsschädlich wirken.

Vitamin B1 (Thiamin)

Vitamin B1 findet man in der Keimanlage von Getreidekörnern, Nüssen, Hefen und Hülsenfrüchten. Außerdem wird es von Darmbakterien produziert.

Aufgabe:
Vitamin B1 sorgt für den Kohlenhydratstoffwechsel, die Funktionsfähigkeit des Magen-Darm-Trakts, hat einen Einfluss auf die Herzfunktion und das Nervensystem.

Sonstiges:
Ein Vitamin B1-Mangel führt zu Veränderungen des Nervengewebes. Diese Veränderung beeinträchtigt die Beweglichkeit, führt zu Krämpfen und Lähmungen. Sehr auffällig ist dabei ein nach hinten verdrehter Kopf.

Vitamin B2 (Lactoflavin)

Vitamin B2 wird von Darmbakterien produziert. Außerdem findet man Vitamin B2 in tierischen Eiweißen, Getreide, Weizenkeimen, Hefe und Grünfutter.

Aufgabe:
Vitamin B2 ist für den Stoffwechsel wichtig, für die Umwandlung von Nahrung in Energie, für die Verdauung, Blutbildung, dem Wachstum und für die Immunabwehr.

Sonstiges:
Ein Vitamin B2-Mangel führt zu Wachstums- und Gefiederstörungen und kann auch Lähmungen verursachen.

Vitamin B6 (Pyridoxin)

Vitamin B6 findet man in Hefe, Getreide, Gemüse und jeder Art von Grünfutter. Vitamin B6 wird auch von Darmbakterien produziert.

Aufgabe:
Vitamin B6 ist am Eiweißstoffwechsel, der Bildung von roten Blutkörperchen und Antikörpern und beteiligt.

Sonstiges:
Vitamin B6- Mangel führt zu Wachstumsstörungen, einer Leberverfettung und zu Hautentzündungen. Es wird diskutiert, ob ein Vitamin B6-Mangel ein Faktor für Federrupfer ist.

Vitamin B12 (Cobalamin)

Vitamin B12 findet man in allen tierischen Produkten und ist nicht in grünen Pflanzenteilen enthalten. Es wird auch durch den Darm synthetisiert.

Aufgabe:
Vitamin B12 ist für den Eiweiß- und Fettstoffwechsel, für die Blutbildung und dem Erbgut (Nukleinstoffwechsel) zuständig.

Sonstiges:
Ein Vitamin B12- Mangel verändert das Blutbild, führt zu Gefiederstörungen und Mauserproblemen.

Pantothensäure

Pantothensäure ist im Körnerfutter meistens enthalten. Pantothensäure ist unter anderen auch in Hefe, Kleie und in Hülsenfrüchten vorhanden.

Aufgabe:
Pantothensäure spielt eine große Rolle für die Entwicklung von Haut und Federn. Außerdem ist sie wichtig für den Kohlenhydrat- und Fettstoffwechsel.

Sonstiges:
Ein Pantothensäure- Mangel kann unter anderem Wachstumsstörungen verursachen.

Niacinamid (Nikotinsäureamid, Nikotinsäure)

Niacinamid ist in tierischen Produkten zu finden, außerdem in Hefe und Getreide. Allerdings ist dieses wasserlösliche Vitamin nicht in Roggen und/oder Mais enthalten.

Aufgabe:
Niacinamid ist am Eiweiß,- Kohlenhydrat- und Mineralstoffwechsel beteiligt.

Sonstiges:
Jeder Vogelorganismus enthält so genannte Aminosäuren. Eine Aminosäure heißt Tryptophan. Wenn dieser wichtige Bestandteil der Aminosäuren im Körper fehlt, so kommt es zu einer Unterversorgung. In Folge dessen bemerkt man Wachstums-, Gefieder- und Fruchtbarkeitsstörungen. Manchmal werden auch Hauterkrankungen bemerkbar.

Folsäure

Folsäure findet man in grünen Blättern und Gras. wird jedoch auch von Darmbakterien produziert.

Aufgabe:
Folsäure trägt unter anderem für die Blutbildung, dem Wachstum und der körpereigenen Immunabwehr bei.

Sonstiges:
Ein Folsäure- Mangel führt zu Missbildungen des Gefieders bis hin zur Farbveränderung des Gefieders.

Biotin (Vitamin H)

Biotin findet man in tierischen Produkten, sowie in Getreide, grünem Gemüse und wird auch von Darmbakterien produziert.

Aufgabe:
Biotin trägt zum Stoffwechsel der Kohlenhydraten und Fetten bei.

Sonstiges:
Ein Biotin- Mangel führt zu rauen Ablagerungen der Haut, sowie Risse am Schnabel und an den Krallen des Vogels.

Cholin

Cholin findet man in tierischem Eiweiß, Keimlingen und Hefe sowie in Spirulina.Es wurde früher als Vitamin B4 bezeichnet, aber es ist kein Vitamin, sondern eine vitaminähnliche Substanz.

Aufgabe:
Cholin ist für den Stoffwechsel, die Nerven- und Muskeltätigkeit zuständig.

Sonstiges:
Nur bei erhöhtem Bedarf ist eine zusätzliche Gabe von Cholin notwendig, da der Vogel selbst durch versch. Aminosäuren Cholin bilden kann. Ein Cholin- Mangel führt zu einer Leberverfettung und zu Wachstumsstörungen.

Gastartikel von "wellyfriend" (Daniel).

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