🐦 Türkis-Sperlingspapagei
lateinische Bezeichnung: Forpus spengeli

Gattungsgruppe: Sperlingspapageien (Forpus)

Zwei Türkis-Sperlingspapageien als Zeichnung sitzend auf einem Ast.

Ein seltener Farbjuwel aus Kolumbien

Der Türkis-Sperlingspapagei besticht durch sein zart türkisblaues Gefieder und sein ruhiges, charmantes Wesen. Dieser Steckbrief liefert kompakte, fachlich fundierte Informationen zu Aussehen, Verhalten, Haltung und Herkunft dieser seltenen Forpus-Art.

📝 1. Checkliste: Inhaltsübersicht

  • Systematik: Forpus spengeli – aus der Familie der Eigentlichen Papageien (Psittacidae)
  • Kennzeichen: Kleine, grüne Papageienart mit türkisfarbenem Bürzel und bläulichen Flügeldecken
  • Geschlechtsunterschiede: Männchen deutlich türkis-blau gefärbt, Weibchen überwiegend grün mit gelblicher Stirn
  • Mutationen: Keine bekannten Farbmutationen beschrieben
  • Verbreitung: Endemisch im Norden Kolumbiens – trockene Tieflandregionen
  • Verhalten: Ruhig, sozial, paarweise oder in kleinen Gruppen lebend
  • Haltung: Nur paarweise, viel Freiflug, mindestens 1 m breite Voliere empfohlen
  • Ernährung: In der Natur vorwiegend Samen, Früchte und Beeren – in Haltung Körnerfutter, Gemüse und Obst
  • Brut: Höhlenbrüter; Gelege 4–6 Eier, Brutdauer ca. 20 Tage

🌿 Systematik

Der Türkis-Sperlingspapagei (Forpus spengeli) gehört zur Familie der Eigentlichen Papageien (Psittacidae) und zur Gattung Forpus. Er wurde nach dem deutschen Naturforscher Carl Ludwig Spengel benannt. Teilweise wurde die Art früher als Unterart des Blauflügel-Sperlingspapageis (Forpus xanthopterygius) betrachtet, gilt heute jedoch als eigenständig.

Taxonomische Übersicht:

Rang Bezeichnung
Ordnung Psittaciformes (Papageien)
Familie Psittacidae (Eigentliche Papageien)
Gattung Forpus (Sperlingspapageien)
Art Forpus spengeli
Erstbeschreibung Hartlaub, 1885
Synonyme Forpus xanthopterygius spengeli, Forpus passerinus spengeli, Kolumbianischer Sperlingspapagei

🎨 Kennzeichen (Aussehen)

Der Türkis-Sperlingspapagei ist ein kompakter, etwa 12–13 cm großer Papagei mit einem Gewicht von rund 30 Gramm. Das Gefieder wirkt insgesamt frisch grün, wobei Rücken, Bürzel und Flügeldecken in einem zarten Türkisblau bis Violettblau schimmern. Die Farbverteilung und sanftere Töne unterscheiden ihn klar von anderen Forpus-Arten.

Typische Merkmale:

  • Grundfarbe: Das Gefieder ist überwiegend grün, wobei das Grün insgesamt etwas blasser wirkt als bei verwandten Arten wie dem Blauflügel-Sperlingspapagei.
  • Rücken und Bürzel: Besonders auffällig ist der türkis- bis himmelblaue Rücken und Bürzel beim Männchen, der der Art ihren deutschen Namen verleiht.
  • Flügel: Die Flügeldecken sind dunkelgrün, die primären Flügeldecken beim Männchen violettblau. Die Flügelkante ist leuchtend grün.
  • Unterflügeldecken: Beim Männchen violettblau, beim Weibchen grün.
  • Gesicht: Das Gesicht ist grün, beim Weibchen mit gelblicher Stirn.
  • Schnabel: Mattrosa mit grauer Basis am Oberkiefer.
  • Beine: Mattrosa bis graurosa.
  • Augen: Dunkelbraune Iris.

♂ / ♀ Geschlechtsunterschiede

Der Türkis-Sperlingspapagei zeigt einen deutlichen Geschlechtsdimorphismus, das heißt, Männchen und Weibchen lassen sich anhand äußerlicher Merkmale unterscheiden.

Männchen:

  • Auffälliger türkis- bis himmelblauer Bürzel und Rücken.
  • Violettblaue Flügeldecken und Unterflügeldecken.
  • Kopf und Gesicht sind einheitlich grün.

Weibchen:

  • Fehlen der blauen/türkisen Gefiederpartien: Rücken, Bürzel und Flügeldecken sind grün.
  • Stirn und Gesicht gelblich, was das Weibchen von Männchen und anderen Forpus-Arten unterscheidet.
  • Ansonsten ist das Gefieder einheitlich grün.

Jungvögel sind bislang wenig beschrieben, vermutlich ähneln sie in der Färbung den Weibchen, wie es auch bei verwandten Arten der Fall ist.

Zusätzliche Hinweise zur Geschlechtsbestimmung: In der Zuchtpraxis und bei Unsicherheiten empfiehlt sich eine genetische Geschlechtsbestimmung (DNA-Test) oder eine endoskopische Untersuchung durch einen vogelkundigen Tierarzt, da Farbabweichungen oder Mutationen die visuelle Unterscheidung erschweren können.

🌈 Mutationen

Beim Türkis-Sperlingspapagei sind Farbmutationen selten und werden nur vereinzelt gezüchtet. In der Zucht treten keine dokumentierten Farbvarianten auf, wie sie etwa bei Blaugenick- oder Gelbmasken-Sperlingspapageien vorkommen. Die Zucht konzentriert sich meist auf die Erhaltung der Wildform. Die natürliche Gefiederfärbung bleibt daher ein wichtiges Erkennungsmerkmal der Art.

🌎 Verbreitung (Herkunft und Lebensraum)

Die Art ist endemisch im Norden Kolumbiens und bewohnt dort halbtrockene Tieflandregionen, lichte Wälder, Buschland und landwirtschaftlich genutzte Flächen. Das Verbreitungsgebiet erstreckt sich vom Departamento Sucre (Karibikküste) bis zum unteren Magdalena-Tal und an die Hänge der Sierra Nevada de Santa Marta. Der Türkis-Sperlingspapagei gilt in seinem natürlichen Lebensraum als eher selten.

Geografische Verbreitung:

  • Land: Kolumbien
  • Regionen: Sucre, Bolívar, Magdalena, Cesar, Atlantico
  • Höhenverbreitung: Vom Meeresspiegel bis etwa 1.200 Meter

Lebensraum:

  • Bevorzugt halbtrockenes bis trockenes Tiefland mit Sekundärwuchs, Buschwerk und verstreuten Bäumen.
  • Kommt auch in Savannen, lichten Wäldern, Palmenhainen, Buschland und an Waldrändern vor.
  • Siedelt gelegentlich in der Nähe von landwirtschaftlichen Flächen und Gärten, ist aber auf ausreichend Baumbestand angewiesen.
  • Zeigt eine gewisse Anpassungsfähigkeit an anthropogen veränderte Lebensräume, solange genügend Nahrung und Nistmöglichkeiten vorhanden sind.

Verbreitungskarte: Das Areal umfasst etwa 29.200 km² und ist damit im Vergleich zu anderen Papageienarten relativ klein.

Bewegungsmuster:

  • Der Türkis-Sperlingspapagei ist Standvogel und unternimmt keine saisonalen Wanderungen.

🕊️ Verhalten

Türkis-Sperlingspapageien sind sozial, lebhaft, aber nicht laut. Sie kommunizieren mit feinen Zwitscherlauten, die deutlich leiser sind als bei vielen anderen Papageienarten. In freier Wildbahn leben sie paarweise oder in kleinen Gruppen. In Gefangenschaft sind sie neugierig, verspielt und benötigen tägliche Beschäftigung und Bewegung, um Verhaltensstörungen vorzubeugen.

🏡 Haltung

Wie alle Sperlingspapageien sind auch Türkis-Sperlingspapageien keine Einzelgänger. Eine Paarhaltung ist Pflicht, Gruppenhaltung nur bei genügend Platz. Empfohlene Volierengröße: mindestens 100 × 50 × 80 cm für ein Paar, dazu täglicher Freiflug. Naturäste in verschiedenen Stärken, Schaukeln, Kletteräste und Nagematerial fördern das Wohlbefinden. Das Klima sollte zwischen 20–25 °C liegen, mit ausreichendem Tageslicht oder UV-Beleuchtung. Eine ruhige, stressarme Umgebung ist wichtig, da sie empfindlich auf Hektik reagieren können.

🌾 Ernährung

In der Natur ernähren sich Türkis-Sperlingspapageien hauptsächlich von Grassamen, kleinen Früchten, Beeren und gelegentlich Blütenknospen.

Natürliche Nahrung (in der Wildbahn):

  • Samen verschiedener Gräser und Wildpflanzen (z. B. Mikania, Ambrosia, Marcgravia)
  • Früchte (z. B. Cecropia)
  • Beeren, Knospen, Blüten
  • Gelegentlich auch Blätter und andere Pflanzenteile
  • Nahrungssuche sowohl in Bäumen als auch auf dem Boden.

Ernährung in Menschenobhut:

  • Hochwertiges Körnerfutter mit reduziertem Fettanteil als Basis, speziell für Sperlingspapageien oder kleine Papageien.
  • Frisches Gemüse (z. B. Karotte, Paprika, Brokkoli, Gurke, Salat in Maßen).
  • Obst nur in kleinen Mengen (z. B. Apfel, Birne, Himbeere, Heidelbeere).
  • Wildsamen und Gräser (z. B. Kolbenhirse, Rispenhirse, Amaranth, Perlhirse, Hanf).
  • Kräuter (z. B. Thymian, Basilikum, Kresse, Löwenzahn, Vogelmiere).
  • Kalziumquelle: Sepiaschale, Mineralstein, Grit.

🥚 Brut

Türkis-Sperlingspapageien sind Höhlenbrüter. In der Natur nutzen sie verlassene Spechthöhlen oder Spalten in Bäumen. In Menschenobhut ist die Zucht selten, sollte nur von erfahrenen Haltern mit Zuchtgenehmigung erfolgen.

Brutverhalten in der Natur:

  • Brutzeit: Mai bis August (vermutlich, genaue Daten fehlen)
  • Nistplatz: Höhlenbrüter, bevorzugt natürliche Baumhöhlen oder Felsspalten
  • Gelegegröße: 3–7 Eier pro Gelege (Schätzwerte, da genaue Daten fehlen)
  • Brutdauer: 19–22 Tage (analog zu verwandten Forpus-Arten)
  • Nestlingsdauer: 30–35 Tage bis zum Ausfliegen

Zucht in Gefangenschaft:

  • Die Zucht ist anspruchsvoll und erfordert Erfahrung, insbesondere bei seltenen Mutationen.
  • Eine Zuchtgenehmigung ist in Deutschland erforderlich, ebenso wie die Einhaltung der Artenschutzbestimmungen und die Führung eines Herkunftsnachweises.

💬 Kommentare

Der Türkis-Sperlingspapagei ist eine der selteneren Arten innerhalb der Gattung Forpus. Seine feinen Türkis- und Grüntöne machen ihn optisch besonders reizvoll, doch aufgrund seines kleinen Verbreitungsgebietes und der geringen Populationsdichte ist er in der Natur selten zu beobachten. In der Haltung gilt er als friedlich, aber auch etwas sensibler als robustere Arten wie der Blaugenick-Sperlingspapagei. Für Liebhaber, die sich auf seltene Forpus-Arten spezialisiert haben, ist er eine außergewöhnliche Bereicherung.