Mauser beim Wellensittich | Federwechsel & Mauserstörungen

Die Mauser ist keine Krankheit, sondern die Folge von alt gewordenen Federn, die der Vogelorganismus abstößt, um Platz für neue, frische und intakte Federn zu schaffen. Damit bleibt der Wellensittich flugfähig und attraktiv. Ab und zu entdeckt man vielleicht die sogenannten Stachelfedern (Stoppeln) am Kopf, Nacken und Hals. Das sind neue Federn, die noch in einer provisorischen Wachshülle stecken. Wenn die Feder "fertig" ist, platzt diese Hülse auf und die neue Feder kommt zum Vorschein. Auf diese Art wird im Laufe der Zeit das ganze Gefieder ersetzt, einschließlich des Großgefieders wie Flügel, Schwung- und Schwanzfedern, die Flugfähigkeit bleibt hierbei erhalten. Bei einer normalen Mauser entstehen auch keine größeren kahlen Stellen.

Die Mauser ist ein natürlicher Prozess deiner Wellensittiche. Aber ein übermäßiges Mausern und kahle Stellen können auf ein Gesundheitsproblem hindeuten.

Natürliche Mauser und Wellensittiche

Wenn der Wellensittich eine Mauser durchläuft, fallen die Federn unterschiedlich stark aus. Mal ist der Boden übersät mit Federn, mal verliert er nur wenige. Meistens mausern Wellensittiche auch gemeinsam zur gleichen Zeit. Man kann dann manchmal feststellen, dass sie etwas weniger lebhaft als sonst sind und mehr Ruhezeit benötigen oder sogar aggressiver sind. Das ist kein Wunder, denn die Mauser kann körperlich anstrengend sein. Bei einer normalen Mauser wachsen die Federn für gewöhnlich recht zügig nach.

Manchmal sieht der Wellensittich vor lauter Stachelfedern am Kopf wie ein Igel aus, diese jucken gelegentlich. Da sich Wellensittiche nicht selber am Kopf putzen können, kommt hier der Partner ins Spiel, der bei der Kopfgefiederpflege hilft. Sie halten dem Partner dann ihr Köpfchen hin und zeigen genau, wo sie gerade gekrault werden möchten. Das ist sehr wohltuend und entspannend für den Vogel.

Während der Mauser kann es sein, dass die Vögel etwas ängstlicher und schreckhafter sind als sonst. Man sollte das akzeptieren und sie nicht unnötig fangen, nach ihnen greifen oder mit der Hand in den Käfig fassen.

Wellensittich Mauser   Wellensittich Mauser Ende
Sam während der Mauser   Sam nach der Mauser

Wann und wie oft mausern Wellensittiche?

Die erste Mauser des Wellensittichs, auch Jugendmauser genannt, beginnt im dritten oder vierten Lebensmonat, also schon recht früh, kurz nachdem er das Nest verlassen hat. Er verliert dann auch die Wellenzeichnung an der Stirn, die bei Jungvögeln noch bis zur Wachshaut reicht.

Die jährliche Mauser, der große Federwechsel, bei dem fast das komplette Körper, Klein- und Großgefieder gewechselt wird, findet meistens nur einmal im Jahr statt und dauert ca. vier bis sechs Wochen. Die Reihenfolge ist oft festgelegt.

Unser Wellensittich kann zu jeder Zeit mit der Mauser beginnen, völlig unabhängig von der Jahreszeit, allerdings spielen hierbei auch schon mal starke Temperaturschwankungen oder eine Ernährungsumstellung eine Rolle. Auch Stress kann ein Auslöser sein. In der Wintersaison kann die Mauser zusätzlich durch trockene Heizungssluft ausgelöst werden.

Normalerweise sollten Wellensittiche nur einmal im Jahr mausern. Aber die Häufigkeit, Dauer und Schwere der Mauser kann von Vogel zu Vogel variieren. Der Mauserprozess kann sich auch unterschiedlich lange hinziehen. Manche Wellensittiche mausern tatsächlich nur einmal im Jahr, andere alle sechs Monate und wiederum andere scheinen von einer Mauser in die nächste zu kommen.

Mauserphase und Ernährung

Wenn ein Großteil der Federn abgeworfen wurde, beginnt die Wachstumszeit. Für diesen Prozess muss der Organismus sehr viel Energie aufbringen und hat einen erhöhten Proteinbedarf, denn die Federn bestehen zu einem großen Teil aus dem Eiweiß Cystin, Cystin kann der Körper aus essentiellen Aminosäure Methionin selber herstellen. Deshalb sollten während der Mauserphase bis zu 25% der Nahrung aus Proteine bestehen, um einen problemlosen Federwechsel und Gesundheit zu gewährleisten.

Eine sehr große Ernährungsumstellung ist nicht nötig. Es macht aber Sinn, das zusätzliche Eiweiß in Form eines guten Nahrungsergänzungsmittels, zu verabreichen, allerdings muss man streng auf die richtige Dosierung achten. Eine Überdosierung darf nicht erfolgen, da Präparate mit Aminosäuren die Nieren schädigen können. Die meisten Halter geben während der Mauserzeit kurmäßig Korvimin oder Prime übers Futter. Eine Prise pro Vogel pro Tag für ca. 7 Tage, danach sollte man eine Pause machen. Für die Mauser sind die Aminosäuren Lysin und Methionin wichtig.

Da während der Mauserphase auch ein erhöhter Energiebedarf besteht, sollte man den Vogel niemals auf Diät setzen oder das Futter sonstwie reduzieren. Wenn kein Übergewicht vorliegt, können sogar Haferkerne in geringen Mengen verfüttert werden und auch Leckerchen wie Kolbenhirse ist sehr beliebt.

Wenn die Mauser zu hart ausfällt oder ins Stocken gerät, was in seltenen Fällen vorkommt, kann es sein, dass der Wellensittich extrem erschöpft ist und sogar krank wird. Hier ist es besonders wichtig, den Vogel mit ausgewogener Ernährung und einem Ergänzungspräparat, welches Aminosäuren, Vitamine und Mineralstoffe enthält, zu unterstützen. Zusätzlich ein Stück Gurke jeden Tag schadet nicht. Während der Mauserzeit ist frisches Grünfutter zur Unterstützung erlaubt. Behalte bei einem schweren Mauserverlauf deinen Vogel gut im Auge.

Zusätzliche Pflege

Außer einer ausgewogenen Ernährung, ist auch eine ausreichende Schlaf- und Ruhephase wichtig, ca. 10-12 Stunden pro Nacht sind wichtig, damit sich der Körper von den Strapazen erholen und neue Energie tanken kann. Auch tagsüber wird oft ein Nickerchen gemacht, dieses sollte man auch nicht stören oder unterbrechen.

Bewegung und Freiflug ist ebenso wichtig. Sie dürfen eigentlich alles machen, was sie sonst auch machen.

Manche Halter stellen ihren mausernden Wellensittichen eine Badegelegenheit zur Verfügung, das kann ein Napf mit Wasser, eine Schüssel oder ein feiner Sprühnebel sein. Durch die Feuchtigkeit wird der Juckreiz gelindert und ein Bad animiert meistens zur anschließenden ausgiebigen Gefiederpflege.

Es ist sicherzustellen, dass die Umgebung warm ist und die Wellensittiche keiner Zugluft oder starken Temperaturschwankungen ausgesetzt sind. In der Mauser friert der Wellensittich leichter, weil das Federkleid den Vogel vor Wärmeverlust schützt und das Fehlen weniger Federn bereits die Isolierung unterbricht und er ist dann anfälliger für Krankheiten.

Im Heimatland Australien ziehen sich Wellensittiche öfter zum Ausruhen an einen ruhigen Ort zurück, um Energie zu sparen. Diese Gelegenheit kann man mausernden Wellensittichen ebenfalls bieten, wenn man einen Teil des Käfigs während der Ruhephase (meistens in der Mittagszeit) abdeckt, besonders nachts, damit sie nicht abgelenkt werden. Wenn sie es einmal gewohnt sind, vermittelt es ihnen ein Gefühl von Sicherheit.

Außergewöhnlicher und abnormaler Federverlust

Jeder Federverlust außerhalb der Mauserperiode kann auf ein Problem hindeuten.

Schreckmauser

Die Ursachen einer Schreckmauser bzw. Schockmauser sind buchstäblich Angst und Schrecken. In der Natur können Vögel in Gefahrensituationen plötzlich alle Schwanzfedern und Teile des Kleingefieders abwerfen. Dabei bleibt die Flugfähigkeit erhalten und der Vogel kann so dem Angreifer entfliehen. Die so verlorenen Federn wachsen relativ schnell wieder nach, meistens noch vor der normalen Mauser.

Federrupfen

Manche Vögel rupfen sich selber die Federn aus. Die Ursachen für Federrupfen könnten sein:

  • Langeweile, Einsamkeit und / oder Bewegungsmangel
  • trockene (Heizungs)Luft
  • Stress
  • Verhaltensstörung

lese hier zu auch den Artikel im Krankheiten-Lexikon "Federrupfen".

Weitere Befiederungsstörungen

Das sind Erkrankungen, welche sich auf das Gefieder auswirken. Diese Befiederungsstörungen können vielfältige Ursachen wie Bakterien, Viren und Parasiten, organische oder genetische Erkrankungen, Fehl- und/oder Mangelernährung, Haltungsfehler und Vergiftungen, organische Schäden sowie hormononelle Störungen haben.

Bekannte Gefiederkrankheiten sind:

  • Stockmauser - eine dauerhafte Mauser mit glanzlosem und lückenhaftem Gefieder).
  • Nestlingserkrankung, die bei Jungtieren auftritt (Verursacher Papova-Virus).
  • Französische Mauser - ständig ausfallende und nicht richtig nachwachsendes Großgefieder (Verursacher Polyoma-Virus).
  • PBFD - Psittacine Beak und Feather Disease. Hier werden Zellen angegriffen, die für das Feder- und Schnabelwachstum verantwortlich sind, die Federn wachsen kurz, lockern sich und beginnen dann abzusterben und wieder auszufallen. (Verursacher Circo-Virus).
  • Parasiten wie Federlinge und Milben.

Einige dieser Befiederungsstörungen sind im Krankkheiten-Lexikon aufgeführt und werden erklärt.

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