Federrupfen

Bei Papageien kommt diese Angewohnheit häufiger vor als bei Wellensittichen, man liest aber in Foren auch immer wieder von betroffenen Wellis. Dann ist der Halter ratlos und weiß nicht, warum der Welli das macht und wie man ihm helfen kann. Die meisten Gründe für Federrupfen hängen mit einer Verhaltensstörung zusammen, es gibt aber auch andere Ursachen. In diesem Artikel findest du Informationen zu Ursachen und Behandlungen.

Symptomatik

Wellensittiche sollten ein glattes anliegendes Gefieder haben. Ausgefranstes Aussehen, abstehende Daunen, fehlende oder abgekaute Federn sowie das das Herumzupfen einzelner Federn deuten darauf hin, dass der Vogel ein Federrupfer ist. Das kann soweit gehen, das sogar größere Flächen federlos sind. Die Erkrankung, die in den meisten Fällen eine Verhaltensstörung ist, beginnt oft mit übermäßiger Gefiederpflege, die irgendwann diese aggressive Form des Rupfens annimmt, was bis zur Besessenheit führen kann. Gefährlich wird es, wenn sich der Vogel dabei selbst verletzt und sich zum Schluss sogar blutig beißt.

Beim Rupfen werden meist die kleinen Federn am Bauch oder unter den Flügeln genommen, das unterscheidet einen an Polyoma oder PBFD erkrankten Vogel von einem Federrupfer.

Ursache

Die Ursachen sind nicht endgültig geklärt.

Es könnte sich um verhaltensgestörte Vögel handeln, die sich selber Schaden zufügen. Besonders Einzelvögel sind hierfür anfällig, da sie die partnerschaftliche Gefiederpflege vermissen könnten. Wellensittiche sind gesellschaftsliebende Vögel, die am glücklichsten sind, wenn Artgenossen in ihrer Umgebung vorhanden sind.

Möglich ist auch psychischer Stress, wenn der Vogel z.B. sehr stark auf den Besitzer geprägt ist und er sich nicht mehr soviel Zeit für den Vogel nimmt. In der Natur sind Wellensittiche rund um die Uhr mit ihrem Partner zusammen, dass kann ein Mensch seinem Vogel nicht bieten.

Weitere Ursachen könnten sein: Schlafmangel, sexuelle Frustration, ständige Reizüberflutung (andere Haustiere, Kinder, Fernsehen). Und was ebenfalls auf Einzelvögel zutrifft: Langeweile.

Auch eine schlechte Ernährung (durch das Fressen der eigenen Federn versucht der Wellensittich, einen Ernährungsmangel auszugleichen), eine grundsätzlich stressbelastete Situation, mit dem der Wellensittich nicht fertig wird wie der Tod eines Partners oder Langeweile sowie eine Grunderkrankung, die Juckreiz auslöst, liegt im Bereich des Möglichen. Parasiten können die Ursache sein, was aber nur selten der Fall ist.

Vergleichbar ist es mit Menschen, die an ihren Fingernägeln kauen, so kann es auch bei Wellensittichen eine Möglichkeit sein, ihren Stress abzubauen.

Vorgehen

Zuerst sollte man unbedingt die Ursache für das Federrupfen heraus finden.

Der erste Schritt ist, zu überlegen, was sich geändert hat, seitdem der Wellensittich mit dem Rupfen begonnen hat. Hat sich die Lebenssituation verändert? Hat ein Umzug stattgefunden? Gab es einen Neuzugang? Ist der rupfende Wellensittich aus irgendeinem Grund frustriert? Könnte er sich mit Parasiten angesteckt haben? Zeigt er außer dem Federrupfen noch andere Symptome, die auf eine Grunderkrankung wie Leber- oder Nierenprobleme oder eine Fehlernährung hindeuten können (Kotveränderung, Appetitverlust oder -steigerung)

Handelt es sich um einen Einzelvogel, der in Ermangelung eines Partners sich selber rupft, sollte man ihm einen Partner gönnen.

Ist Langeweile die Ursache, ist für genügend Beschäftigungsmöglichkeit zu sorgen, wie Obstbaumzweige mit Rinde zum Benagen oder einige Klettermöglichkeiten.

Gesundheitliche Ursachen sind nicht so leicht auszumachen, aber es kann nicht schaden, seinen Wellis ab und zu etwas der Sonne auszusetzen, aber bitte daran denken, dass man den Vögeln selber die Wahl lässt, ob sie Schatten oder Sonne wollen, also einen Teil des Käfigs sollte abgedeckt sein oder im Schatten stehen. Eine ausreichende Lichtzufuhr wie natürliches Sonnenlicht könnte sich auch positiv auswirken. Da auch eine Lebererkrankung, Schilddrüsenunterfunktion, Zinkvergiftung oder eine Tumorerkrankung dahinter stecken kann, wäre ein Besuch beim Tierarzt anzuraten, um eine derartige Erkrankung auszuschließen.

Die Ernährung ist auf jeden Fall zu überwachen, denn auch eine falsche Ernährung oder verschimmeltes oder sonstwie belastetes Futter kann der Grund dafür sein.

Für genügend Nachtruhe sorgen. Kein aktiver Fernseher, kein helles Licht, keine störenden Geräusche während der nächtlichen Schlafenszeit.

Man muss auf jeden Fall rechtzeitig gegensteuern, denn Wellensittiche sind Gewohnheitstiere. Sind sie einmal mit dem Rupfen angefangen, wird es sehr schnell zur Besessenheit und es wird trotz aller Maßnahmen und Korrekturen in der Haltung mühsam sein, sie davon abzubringen.

Auch das Behandeln der Manie durch Medikamente ist selten erfolgversprechend.

Wenn alles nichts hilft und eine Grunderkrankung ausgeschlossen ist, kann man versuchen, den rupfenden Wellensittich ständig beschäftigt zu halten bzw. sich viel mit ihm zu beschäftigen.

Fotos


Schreckmauser nach nächtlicher Panikattacke am 26.01. Robby war dadurch flugunfähig.


Die ausgefallenen Federn, die ich vorfand, fein säuberlich abgestoßen.


Nach ca. 6 Wochen waren alle Federn wieder komplett nachgewachsen.

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