Die Sinneswahrnehmungen von Wellensittichen

Irgendwann fragt sich der Wellensittich Halter vielleicht, wie gut Sittiche eigentlich hören und sehen können? Nun, Wellensittiche haben wie wir Menschen fünf Sinne: sehen, hören, schmecken, riechen und tasten (fühlen). Diese Sinne sind aber anders entwickelt als bei uns Menschen. Für Beutetiere wie Kleinvögel sind bestimmte Sinneswahrnehmungen wichtiger als andere.

In diesem Artikel geht es um die Sinne der Wellensittiche.

Wellensittich Sinne - Sehen, Hören, Tasten.

Gesichtssinn (Sehsinn) - die Augen
Wie gut können Wellensittiche sehen?

Das Auge des Wellensittichs besteht aus Hornhaut, der schwarzen Pupille und dem äußeren hellen Augenring, Linse und Netzhaut. Die Pupille ist für das Sehen zuständig, sie lässt das Licht hinein. Der äußere Augenring entspricht unserer Iris und reguliert, wieviel Licht in die Pupille hineindringt. Und ebenso wie wir Menschen hat er auch Augenlider, mit denen er seine Augen schließen kann, außerdem dienen sie dem Zweck, die Augen durch Blinzeln sauber zu halten. Wenn man genau hinschaut, erkennt man sogar ganz kleine Wimpern an seinen Augenlidern. Wie ausch schon im Kapitel "Anatomie " erwähnt, besitzen Wellensittich ein drittes - inneres - Augenlid - Nickhaut genannt.

Vögel haben generell ein phänomenales Sehvermögen, ein viel besseres als wir Menschen. Um in der Wildnis gut zurecht zu kommen, ist ein gutes Sehvermögen sogar überlebenswichtig. Als Beutetiere müssen sie alles gut im Blick behalten.

Räumliche Wahrnehmung

Da ihre Augen seitlich angeordnet sind, haben sie eine viel bessere Panoramasicht als wir Menschen, der Radius, was sie visuell erfassen können, ist somit weitaus größer, sie können sogar teils sehen, was hinter ihnen geschieht.. Versuche mal, dich deinen Wellis von hinten zu nähern, sie werden es bemerken. Dagegen können sie schlechter Dinge erkennen, die sich direkt vor ihnen befinden. Deshalb neigen sie auch den Kopf, wenn sie sich auf eine bestimmte Sache konzentrieren oder eine Bewegung nachverfolgen wollen. Und manchmal schielen sie etwas, wenn sie auf etwas schauen, was sich nah vor ihnen befindet.

Wellensittiche besitzen monokulares Sehen. Das heißt, sie können jedes Auge unabhänig vom anderen bewegen und damit sehen. Bei uns Menschen sind die Augen nach vorne gerichtet, dadurch ist der Blickwinkel zwar kleiner, aber durch die Überlappung der Bilder entsteht das räumliche (dreidimensionale) Sehen. Der Wellensittich hat aufgrund der Anordnung seiner Augen nur eine begrenzte Tiefenwahrnehmung.

Farbwahrnehmung

Wellensittiche können genau wie wir ebenfalls in Farbe sehen, also Rot, Grün und Blau - als RGB-Farbraum bekannt. Das sind die Grundfarben, aus denen sämtliche Farben durch Mischen entstehen.

Eine weitere interessante Sache in Verbindung mit der Farbwahrnehmung ist: Wellensittiche können einen Teil des ultravioletten Spektrums sehen. Sie sehen Farben bzw. Strukturen, die wir nicht wahrnehmen, da sie vier Zapfen (farbempfindliche Zellen) haben (Menschen haben nur drei Zapfen). Das Gefieder des Wellensittichs nimmt durch Sonnenbestrahlung bzw. unter UV-Licht ein besonderes Muster an, je nach Ausprägung hilft es ihnen bei der Partnerwahl, ein Wellensittich mit dem schönsten und leuchtendsten und ausgeprägten Muster im Gefieder hat da gute Chancen. Es dient auch der Erkennung. Für uns mögen z.B. 50 grüne Wellensittiche identisch aussehen, wir könnten sie kaum auseinander halten, aber die Wellensittiche können sich anhand der für sie sichtbaren UV-Muster sehr wohl unterscheiden. Wir Menschen können nun mal nicht im UV-Spektrum sehen und es ist auch schwer vorstellbar für uns, was diese Vögel genau sehen, aber Forscher haben anhand Spektrometer-Tests festgestellt, dass diese Flecken und Markierungen eine große Rolle spielen.

Auch hat der wildlebende Wellensittich einen Blick dafür, ob die Nahrung noch frisch ist. Welkes Gemüse oder unappetitliche Lebensmittel würde er alleine vom Anblick her ablehnen, denn der Geschmacks- und Geruchssinn ist beim Wellensittich nicht so stark ausgeprägt wie der Sehsinn.. Auch diese Gabe ist tief in seinen Genen verankert, da auch das Erkennen, ob etwas noch gut oder bereits verdorben ist, für die australischen Wildvögel von entscheidender Bedeutug ist und das nicht erst, wenn sie bereits davon gefressen haben, sondern bereits vorher. Dabei spielt ebenfalls das UV-Licht eine große Rolle, da reife Samen das UV-Licht stärker reflektieren als unreife. Ob das auf unsere domestizierten Wohnungsvögel zutrifft, kann ich nicht sagen, da sie vieles verlernt haben und auch in den Wohnungen das UV-Licht fehlt - es sei denn, es wird eine Vogellampe angeboten.

Sehkraft im Dunklen

So gut sie tagsüber sehen können, so schlecht ist es bei Dunkelheit. Das ist eines der Gründe dafür, warum sie zu nächtlichen Panikattacken neigen. Bewegungen, Schatten, Lichtblitze, Scheinwerfer von Fahrzeugen stellen für sie eine Bedrohung dar, weil sie nicht sehen können, was da los ist.

Bildverarbeitung

Wellensittiche haben einen sehr scharfen und schnellen Blick. Zum Beispiel bei der Nahrungssuche. Wenn sie in ihrer Heimat in riesigen Schwärmen von manchmal Tausenden anderen Sittichen unterwegs sind und über die australische Steppe fliegen, können sie im Flug von oben eine Nahrungsquelle mit frischen Samen ausmachen. Dann gehen alle in den Sinkflug hinunter und siedeln sich dort für eine Weile an. Wellensittiche können 150 Bilder pro Sekunde sehen (im Vergleich zu 60 Bildern pro Sekunde beim Menschen). Da sie schnell fliegende Geschöpfe sind und in Schwärmen von bis zu 2000 Vögeln fliegen, ist das enorm wichtig, damit es nicht zu Zusammenstößen in der Luft kommt.

Wellensittiche können ganz bewusst Bilder mir ihren Augen fokussieren. Sie blinken dann mit ihren Augen, das sieht man daran, wenn sich ihre Pupillen schnell weiten und zusammenziehen. Zum einen geschieht das auf Reaktion auf Licht, was normal ist, aber sie können ihre Pupillen auch nach Stimmung weiten oder verengen. Das machen sie zum Beispiel, wenn sie aufgeregt, neugierig, etwas besonders gerne mögen oder im Spiel vertieft sind. Mein Taifun hat das immer gemacht, wenn er glücklich mit seinem Glöckchen gespielt hat, auch wenn meine Wellis ihre Leibspeise bekommen haben. Wir Menschen dagegen können unsere Pupillen nicht bewusst steuern, ob sie sich weiten oder verengen sollen.

Hörsinn - die Ohren
Wie gut können Wellensittiche hören?

Wellensittich OhrenDer Wellensittich hat für seine Umstände ein gutes Hörvermögen (Bandbreite - Frequenzbereich). Normalerweise benötigen diese Vögel keinen all zu weiten Hörbereich, scharfes Sehen ist wichtiger als scharfes Hören, aber die kleinen Vögel hören generell sehr genau und können schnell ausmachen, aus welcher Richtung ein Geräusch kommt. Das Hörvermögen von Wellensittichen unterscheidet sich ansonsten nur geringfügig von dem des Menschen, sie haben eine etwas kleinere Bandbreite. Der Leistungsbereich des Gehörs wird in Hertz gemessen. Der Hörbereich eines Wellensittichs liegt bei 400 - 20.000 Hz, das menschlichte Gehör reicht von 20 - 20.000 Hz (bei jungen Menschen). Am besten hört der Wellensittich zwischen 2-5 kHz (2000 - 5000 Hz), das ist auch der Bereich, den Wellensittiche durch eigene Rufe und Gesänge abdecken. Bei niedrigeren und höheren Frequenzen als diese hört er die Töne zwar, aber nicht mehr so gut, da müsste die Lautstärke (Dezibel) stark aufgedreht werden. Im Gegensatz zum Wellensittich hört der Mensch tiefe Töne etwas besser und hohe Töne viel besser.

Die Ohren des Sittichs und der meisten Vögel sind verborgen, sie sind nicht wie bei uns Menschen außen angebracht, sondern liegen innen und sind durch Federn verdeckt. Die Position ist schräg unterhalb ihrer Augen. Sie können sich übrigens Geräuschegut merken und menschliche Sprachlaute wie Konsonanten und Vokale unterscheiden,, das ist vielleicht mit ein Grund dafür, dass sie die menschlichte Sprache nachahmen und auch Tonfolgen speichern können, diese Fähigkeit ist für so ein kleines Gehirn erstaunlich. Sie haben eine ausgeprägte Fähigkeit zur Schallerkennung wie Tonhöhen-, Klang- und Rhythmusveränderungen, dadurch sind sie in der Lage, den Warnruf von einem ähnlich klingenden Vogellaut zu unterscheiden. Sie können also bestimmte vogelspezifische Rufe, die für unsere Ohren ähnlich klingen, schnell und effizient unterscheiden und wissen, was dieser Ton bedeutet, ob z.B. vor einen Raubtier gewarnt wird. In der Natur ist das beim Hören eines Warnrufes wichtig und kann Leben oder Tod bedeuten.

Geschmackssinn - die Zunge
Können Wellensittiche schmecken?

Wellensittich ZungeDer Wellensittich hat für seine Umstände ein gutes Hörvermögen (Bandbreite - Frequenzbereich). Normalerweise benötigen diese Vögel keinen all zu weiten Hörbereich, scharfes Sehen ist wichtiger als scharfes Hören, aber die kleinen Vögel hören generell sehr genau und können schnell ausmachen, aus welcher Richtung ein Geräusch kommt. Das Hörvermögen von Wellensittichen unterscheidet sich ansonsten nur geringfügig von dem des Menschen, sie haben eine etwas kleinere Bandbreite. Der Leistungsbereich des Gehörs wird in Hertz gemessen. Der Hörbereich eines Wellensittichs liegt bei 400 - 20.000 Hz, das menschlichte Gehör reicht von 20 - 20.000 Hz (bei jungen Menschen). Am besten hört der Wellensittich zwischen 2-5 kHz (2000 - 5000 Hz), das ist auch der Bereich, den Wellensittiche durch eigene Rufe und Gesänge abdecken. Bei niedrigeren und höheren Frequenzen als diese hört er die Töne zwar, aber nicht mehr so gut, da müsste die Lautstärke (Dezibel) stark aufgedreht werden. Im Gegensatz zum Wellensittich hört der Mensch tiefe Töne etwas besser und hohe Töne viel besser.

Der Geschmackssinn ist beim Sittich nicht so stark ausgeprägt. Vögel wie auch Wellensittiche haben im Allgemeinen etwa 300 Geschmacksknospen, die sich an der Basis ihrer Zunge befinden (Menschen besitzen etwa 9.000). Sie können süß, salzig, bitter wie auch sauer wahrnehmen und lernen. Sie können aber Vorlieben haben. Viele Wellensittiche mögen einen leicht salzigen Geschmack. Wellensittiche lernen auch, welche dieser Geschmacksrichtungen ihre Bedürfnisse am ehesten stillen, diese ziehen sie dann gegebenenfalls vor, weil sie leicht zu beschaffen sind, einen höheren Nährwert haben, ihren Hunger schneller stillen und für ihre Schnäbel besser geeignet sind.

Erstaunlicherweise dulden sie sogar scharfe Nahrungsmittel wie Paprika, weil ihre Rezeptoren für Schärfe nicht so reagieren wie unsere. Aber da zu scharfe Sorten das Verdauungssystem stören können, sollte man darauf verzichten. Ein Wellensittich muss nicht alles fressen, was der Mensch auch isst.

Geruchssinn - die Nase
Können Wellensittiche riechen?

Der Geruchssinn ist bei den meisten Vogelarten am wenigsten entwickelt und nutzen diesen kaum. Sie reagieren kaum auf Düfte oder Gerüche, auch nicht auf Eigengerüche von Mensch und Tier. Nur wenn etwas extrem uangenehm riecht, schreckt es sie ab. Starke Gerüche sind aber für den Wellensittich nicht gut, da sie ein empfindliches Atemsystem haben, besonders was Dinge wie antihaftbeschichtete Pfannen, Kerzen, Rauch, chemische Reinigungsmittel betrifft.

Warum sind Geschmacks- und Geruchssinn beim Wellensittich weniger stark entwickelt? Nun, als Beutetier ist es unwichtig, ob das Futter gut schneckt oder riecht, es ist wichtig, eine Nahrungsquelle schnell auszumachen und auch schnell seinen Hunger zu stillen. Sie müssen hören und spüren, ob sich Feinde nähern oder sich eine Wetterlage ändert, um schnellstmöglichst darauf reagieren zu können. Darum sind Sehen, Spüren und Hören generell für kleine Vögel wichtiger als Schmecken und Riechen.

Tastsinn - Sensorik
Wie gut spüren Wellensittiche?

Der Tastsinn ist wiederum recht gut ausgeprägt. Vögel wie auch der Wellensittich sind sehr empfindlich gegenüber Berührungen und besonders Vibrationen. Das ist bei Hennen eine Notwendigkeit, denn sie muss die Bewegungen des Kükens beim Schlüpfen wahrnehmen, um es dann aus der Eierschale zu helfen und dieses Fühlen geschieht mittels der Brutflecken. (gut durchblutete Hautbereiche auf der Brust der Wellensittich-Weibchen)

In den Füßen befinden sich weniger Nerven, die auf Kälte- und Wärme ansprechen, dadurch ist es ihm möglich, auf kalten Untergründen zu sitzen. Der Wellensittich besitzt allerdings einen ausgeprägten Vibrationssinn in den Beinen. damit nimmt er kleinste Erschütterungen wahr. In der freien Wildbahn ist diese Sensibilität überlebenswichtig, um ein sich näherendes Raubtier zu spüren und mit Flucht zu reagieren. Das hat für die bei uns lebenden Wellensittiche den Nachteil, dass sie schnell in Panik geraten, wenn sie etwas registrieren, was sie nicht kennen oder sehen, z.B. in der Nacht die Bewegung eines Partnervogels. Ich habe mehrfach nächtliche Panikattacken bei meinen Wellis erlebt, weil ein Partnervogel sich auf der Sitzstange bzw. Schaukel bewegt und der andere sich dadurch aufgrund der Vibration bzw. Bewegung erschreckt hat.

Desweiteren besitzen sie über ein ausgedehntes Nervensystem direkt unter der Haut, welches sich an der Basis jeder Feder befinden, damit reagieren sie recht empfindlich auf Berührungen. Vibrationen , einen Luftstrom oder Veränderungen der Temperatur. Die Federn selber besitzen keine Nerven, aber sie übertragen bzw. leiten diese Berührungen und Empfindungen direkt auf die Nerven in der Haut weiter. Auch der Schnabel und besonders die Zunge sind berührungssensitiv und werden ausgiebig als Werkzeug genutzt. Das erklärt auch, warum sie gerne alles Mögliche in den Schnabel nehmen, es abtasten, untersuchen und damit herumspielen. Auch das Putzen des Partners gehört dazu, diese Liebkosungen sind Teil des Balzverhaltens, durch das Putzen werden nämlich auch die Nerven stimuliert und das sorgt wiederum für Zufriedenheit und ein Wohlgefühl.

Wellensittiche reagieren sehr empfindlich auf Vibrationen. Deshalb Käfige von Geräten fernhalten, die vibrieren, wie Kühlschränke und Waschmaschinen.
Unsere Wellensittiche sind empfindungsfähige Wesen und in der Lage, Schmerzen zu empfinden. Wir daher haben wir eine große Verantwortung, sie vor Schmerzen zu bewahren, sie keinen Schmerzen auszusetzen und demzufolge auch für eine sichere Umgebung zu sorgen..

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Dies ist eine private Tierschutzinitiative für Wellensittiche. Das Ziel ist, über artgerechte Haltungsbedingungen zu informieren, um diesen Vögeln ein gesundes und glückliches Leben zu rmöglichen.