Kokzidiose

Die Kokzidiose ist eine ernste Erkrankung, die hauptsächlich in Zuchtbeständen auftritt und ein Dilemma für jeden Züchter ist. Unter anderem ist wegen der Ansteckungsgefahr bei Neuzugängen von Wellensittichen eine mehrwöchige Qurantäne angezeigt, um seinen eigenen Schwarm nicht versehentlich zu infizieren. Diese Erkrankung kann plötzlich ohne Vorwarnung auftreten und einen schwerwiegenden Verlauf nehmen, hauptsächlich geht sie mit starken Durchfällen und unverdauten Körnern im Kot einher. Erfahre hier, was genau eine Kokzidiose ist, wie sie sich zeigt und wie sie behandelt wird und man eine Infektion vermeiden kann.

Kokzidiose

Definition

Die Kokzidiose ist eine parasitäre Infektion mit dem mikroskopisch kleinen protozoischen Parasiten (Einzeller) aus der Familie der Eimeriidae und befällt hauptsächlich den Darmtrakt, aber auch andere Organe wie Nieren oder Leber können infiziert sein. Am meisten betroffen sind Wildvögel, Tauben aber auch Geflügel wie Hühner, seltener Papageien, Kanarienvögel und Wellensittiche.

Es gibt verschiedene Arten dieser Einzeller, im Allgemeinen sind sie wirtsspezifisch, befallen entweder Vögel, Amphibien, Kaninchen, Hund, Katze etc., das bedeutet, dass eine Art von Kokzidien nur bei einer bestimmten Tierart auftritt: Ein Wellensittich kann sich nicht von einen Hund anstecken. Diese Parasiten bevorzugen meistens ein bestimmtes Organ, es kommt allerdings auf die genaue Spezies der Kokzidien an.

Infektionsweg / Ursachen

Kokzidien sind Einzeller, die in der Umwelt leben. Diese mikroskopisch sichtbaren Parasiten werden z.B. durch fäkal verunreinigte Substanzen und Objekte (Futter- und Wasseraufnahme, Aufpicken) vom Wellensittich und anderen Vögeln aufgenommen, gelangen so in den Verdauungstrakt. Von dort dringen wurmartigen Gebilde in die Zellen der Darmwand, vermehren sich weiter und beginnen mit der Produktion von Eiern, Oozysten genannt. Diese Oozysten werden wiederum mit dem Kot des Vogels ausgeschieden, wordurch kurz darauf der infektiöse Reproduktionszyklus beginnt.

Die Lebenszyklus besteht aus einer exogenen Phase, in der die Eier ausgeschieden werden und einer endogenen Phase, in der die eigentliche Entwicklung des Parasiten im Darm des Wirtes und die Vermehrung stattfindet (Zeitspanne ca. 1 - 2 Wochen).

Der Übertragungsweg und Lebenszyklus kurz erklärt und grob umrissen: Der Vogel nimmt oral kontaminiertes Material auf, die verschluckte Oozyste gelangt in den Darm und setzt Sporozysten frei. Diese wiederum setzen Sporozoiten frei. Die keilförmigen Sporozoiten dringen in die Darmzellen ein, durchlaufen ein komplexes Entwicklungsstadium, wobei ein Teil von ihnen von einer ungeschlechtlichen Form durch Teilung in männliche und weibliche Zellen heranreifen (die Vermehrungsphase) sich vereinigen und sich zu einem Ei - der Oozyste - entwickeln. Diese wird mit dem Kot ausgeschieden. Direkt nach der Ausscheidung ist die Oozyste noch nicht infektiös, wird es aber nach ca. zwei Tagen, wenn der Reifeprozess abgeschlossen ist. Dafür braucht sie Sauerstoff. Und dann beginnt das Spiel von vorne, die Kokzidie wartet auf ihr nächstes Opfer.

Besonders gefährdet sind Vögel, die auf engem Raum oder in Freiland-Volieren gehalten werden sowie Jungvögel, brütende Wellis samt Küken und immumgeschwächte Wellensittiche.

Mögliche Übertragungswege von Kokzidien:

  • Kontaminiertes Futter oder Wasser
  • Kontaminierte Einstreu, Bodenbelag
  • Infinierter Kot
  • Infizierte Nahrung

Normalerweise findet die Übertragung durch die Aufnahme von kontaminierten Material von Vogel zu Vogel statt, aber in seltenen Fällen ist auch eine Kontamination durch andere Überträger möglich, wenn diese mit den Oozysten in Berührung kamen und dann mit der Ausrüstung oder Kleidung eingeschleppt werden.

Selbst wenn die Vögel keine sichtbaren Symptome zeigen oder sich nach einer Behandlung gut erholen, können sie Oozysten mit ihrem Kot ausscheiden und eine Ansteckung bei anderen Wellensittichen verursachen. Sobald sie sich sporulieren (1-2 Tage nach der Ausscheidung durch einen Wirt) befinden sie sich im infektösen Stadium. Das Sporulieren wird begünstigt durch feucht-warme Temperaturen. Leider können Oozysten im sporulierten Zustand lange in der Umwelt überleben, da sie eine harte Schale haben.

Sporulieren = reifen, Reifeprozess

Oozyste = Ei, Blase - Entwicklungsstadium eines parasitären Einzellers

Symptome

Hauptsächlich ist der Darm betroffen, da die spezifischen Kokzidien diesen infiltrieren. Während der Vermehrungsphase werden mehrere Generationen von Kokzidien produziert, daraus entstehen je nach Befallsstärke ausgedehnte Gewebeschäden, der Darm ist dann nicht mehr in der Lage, die Nahrung optimal zu absorbieren und zu verwerten und der Vogel reagiert mit Unwohlsein und Gewichtsverlust vor allem mit Durchfall. Das kann außerdem dazu führen, dass der Wellensittich anfällig für andere Krankheiten und Infektionen wird. Auch kann eine E.Coli-Infektion gleichzeitig vorhanden sein und die eigentliche Kokzidiose überdecken.

Weitere Anzeichen sind:

  • Müdigkeit, Energieverlust
  • Lethargie
  • Appetitlosigkeit
  • Gewichtsabnahme
  • Aufplustern / Gesträubtes Gefieder
  • Kot riecht unangenehm und intensiver als sonst
  • klebriger grüner Kot rund um die Kloake und an den Schwanzfedern
  • starker Durchfall, der auch grünlich oder blutig sein kann

In fortgeschrittenen Fällen und bei schwächlichen Tieren kann es aufgrund des Durchfalls zu Dehydrierung, Krämpfen, Lähmungen und Tod kommen.

Es gibt allerdings auch symptomlose Infektionen, diese Wellensittiche sind lediglich Träger des Erregers.

Diagnose von Kokzidiose bei Vögeln

Kokzidien können durch Kotuntersuchungen per Kotabstrich nachgewiesen werden. In manchen Fällen und um sicher zu gehen, kann der Tierarzt eine Ausschabung aus dem Darmtrakt vornehmen.

Die Oozysten sind nur unter einem Lichtmikroskop zu erkennen.

Behandlung

Zunächst einmal muss schnell gehandelt werden, da die Darmschleimhaut bei einer Kokzidiose stark geschädigt wird, ansonsten kann der Wellensittich sterben, denn ohne intakten Darm ist kein Leben möglich und ohne Behandlung schreitet die Zerstörung des Darmgewebes weiter fort. Selbst nach erfolgreicher Behandlung kann der Wellensittich Spätfolgen davontragen, unter denen er zu leiden hat und das wiederum kann sein Leben stark verkürzen.

Bei Vorliegen einer Kokzidiose wird eine Intervallbehandlung mit einem Anti-Parasitikum durchgeführt. Das bedeutet in den meisten Fällen, zwei Tage Behandlung, fünf Tage Pause und wieder zwei Tage Behandlung. Da bei einem schwer geschädigten Darm oft auch eine Sekundärinfektion mit Bakterien vorliegt, wird möglicherweise parallel oder im Anschluss noch ein Antibiotikum eingesetzt. Danach muss die Darmflora unbedingt wieder aufgebaut werden.

Es existieren einige Antikokzidika, die auf verschiedene Weise gegen die Parasiten wirken. Einige greifen in den Vermehrungszyklus ein, andere hemmen die mitochondriale Energieproduktion der Zellen, wiederum andere hemmen den Thiamin-Transport, ein von den Kokzidien benötigtes Vitamin. Auch Folsäure-Antagonisten können eingesetzt werden. Der vogelkundige Tierarzt wird abhängig vom Schweregrad der Infektion versuchen, das geeignetste Medikament für deine Wellensittiche zu finden und über die möglichen Risiken der Behandlung informieren.

Viele Züchter setzen auf vorbeugende Anti-Parasitika, die mit dem Futter vermischt werden, so dass Küken und Jungvögel nicht erkranken. Bei der Vorbeugung mit Kokzidiose-Präventiva ist unbedingt darauf zu achten, dass die Medikamente für Käfigvögel zugelassen sind. Die Verabreichung eines Antiparasitikums, dass für Hühner oder andere Tiere registriert ist, kann Wellensittiche töten.

weitere Maßnahmen

Kokzidien lieben Feuchtigkeit und Wärme, kommen aber gegen Trockenheit nicht an. Also muss der Käfigboden immer trocken und sauber sein. Bei einer Kokzidiose-Infektion muss der Käfig einmal pro Tag grundlegend gereinigt werden, das bedeutet auch, dass die Einstreu täglich gewechselt wird. Es schadet aber dennoch nicht, den Käfig mit für Vögel geeignete Mittel auf Jodbasis zu desinfizieren, auch gibt es spezielle Desinfektionsmittel gegen Kokzidien-Oozysten, Spulwurmeier, Giardien usw.

Nach einer Behandlung gegen Kokzidiose müssen die Wellensittiche mit Vitamine, Mineralstoffe und Probiotika unterstützt werden, für die Darmschleimhaut sind besonders die Vitamine A und K wichtig.

Eventuell müssen auch alle anderen Wellensittiche mitbehandelt oder es muss räumlich getrennt werden. Das sollte man dann am besten mit dem Tierarzt besprechen.

Prophylaxe (Vorsorge)

  • Vermeidung von Überbelegung
  • Stets für sauberes Wasser und Futter sorgen
  • Regelmäßige Reinigung von Käfig oder Voliere
  • Feuchte Einstreu entfernen
  • Verhindern, dass Vögel mit dem Kot in Berührung kommen
  • Gute Hygienebedingungen und Umgebungsbedingungen im Umfeld der Wellensittiche
  • Neue Vögel unter Quarantäne stellen

Ich kann es nicht oft genug erwähnen, wie wichtig es ist, Neuzugänge einer mehrwöchtigen Quarantänezeit zu unterziehen und diese strikt einzuhalten, es sei denn ein Tierarzt gibt nach eingehender Untersuchung und negativen Labor-Befund Brief und Siegel darauf, dass der Wellensittich gesund ist.

Gesammeltes aus der Natur wie Kräuter, Wildpflanzen und Zweige gründlich auf Verunreinigungen untersuchen, wenn alles auf den ersten Blick okay erscheint, trotzdem immer gründlich waschen.

Immunität

Auch gesunde Vögel können Oozysten ausscheiden, eine geringe Menge der Kokzidiose-Eier im Kot kann bedeuten, dass die Wellensittiche Zeit haben, eine Immumreaktion aufzubauen, ohne von den Kokzidien überwältigt zu werden. Erst ab einer größeren Erregermenge schafft der Wellensittich-Organismus es nicht mehr die Parasiten in Schach zu halten und die ersten Krankheitsanzeichen werden sichtbar.

Nach einer überstandenen Erstinfektion kann sich außerdem eine gewisse Immunität aufbauen. Man geht auch davon aus, dass ältere Wellensittiche resistenter sind als jüngere, da sie dem Parasiten wahrscheinlich schon mal in jungen Jahren ausgesetzt waren. Diese Immunität ist allerdings nur oberflächlich und stellt keine absolute Sicherheit dar.

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