Polyoma - Französische Mauser

Sie ist auch als Renner- oder Hopserkrankheit bekannt, weil diese Vögel aufgrund fehlender Schwungfedern flugunfähig sind und zum Ausgleich sehr schnell zu Fuß sind. Hauptsächlich sind Wellensittiche davon betroffen, aber auch andere Papageienvögel und sogar Sperlingsvögel. Es gibt verschiedene Arten bzw. Stadien bei dieser Erkrankung. Sie zeigt sich schon bei einem Jungvogel. Federanomalien sind in der Regel das einzige Zeichen einer Französischen Mauser.

Das Problem wurde in England vor etwa hundert Jahren bei Vögeln aus Frankreich festgestellt, und deshalb nannten die Engländer die Krankheit "Französische Mauser". In Wirklichkeit gelangte der Erreger durch aus Australien eingeführte Wellensittiche nach Europa.

Definition

Von der Französischen Mauser betroffene Vögel - hauptsächlich Wellensittiche - sind mit dem Polyoma-Virus infiziert. Dieser Virus hat die Eigenschaft, Federfollikel zu entzünden, so dass die daraus wachsende Feder verformt wird. Bei dieser Erkrankung werden die Federn vorzeitig abgestoßen, so dass der Wellensittich nie sein vollständiges Federkleid bekommt. Der Vogel befindet sich in einer dauernden Mauser und die Flügelfedern werden nie lang genug, um ein Fliegen zu ermöglichen. In ganz schweren Fällen ist auch das ganz normale Federkleid davon betroffen, also nicht nur die Schwung-, Flügel- und Schwanzfedern, sondern auch Brust und Rücken.

Ursachen

Einige Zeit waren die Ursachen nicht endgültig erkannt. Man weiß heute, dass an der Französischen Mauser der Polyomavirus beteiligt ist, der dem Immunsystem der Küken großen Schaden zufügt und es so zu einer schweren Erkrankung macht. Infizierte Jugendvögel sind anfällig für viele weitere schwere Krankheiten.

Der Auslöser für Polyoma ist immer ein geschwächtes Immunsystem. Hier kommen folgende Probleme infrage:

  • Fehlernährung
  • Durch Schimmelpilze verunreinigte Nahrung. Schimmelpilze schädigen das Immunsystem und begünstigen den Ausbruch des Polyomavirus.
  • Überlastung der Elterntiere bei der Brut und Eiweißmangel bei der Aufzucht der Jungvögel, so dass das Polyomavirus freie Bahn hat.
  • Andere Grunderkrankungen der Elterntiere wie Chlamydien oder Megabakterien, diese setzen sich zwar gerne auf andere Erkrankungen, können aber auch Ursache für Polyoma sein.
  • Überzüchtung. Verantwortungsvolle Züchter sollten höchstens die Aufzucht von nur zwei Gelegen zulassen und während der Brut energiereiche Nahrung für die Aufzucht zur Verfügung stellen. Ein drittes Gelege schwächt die natürliche Abwehr und ist oft der Auslöser für den Ausbruch dieser Erkankung.
  • Das Züchten mit zu jungen oder zu alten Elterntieren oder eingeschleppten neuen Überträger-Vögeln.
  • Läuse und Milben wie z.B. die Rote Vogelmilbe. Diese Parasiten schwächen ebenfalls das Immunsystem.
  • Mangelnde Hygiene im Zuchtraum, hohe Federstaubbelastung sowie zuviele Vögel auf zu engem Raum.

Wie man sieht, sind hier vor allen Dingen die Züchter gefragt, da der Ausbruch dieser Erkrankung während der Zucht entsteht.

Diagnose

Es gibt mehrere Möglichkeiten, das Polyomavirus bei Vögeln zu erkennen.

Am lebenden Vogel:

  • Mikroskopische Untersuchung der betroffenen Federn.
  • Serologie (Prüfung auf Antikörper)
  • Kultur für Polyomavirus mittels eines DNA-basierten Tests (PCR)

Am toten Vogel:

Mit speziellen Färbungen können Pathologen das Virus kenntlich machen.

Behandlung

Bisher gibt es noch keine Behandlung für diese Krankheit. Wichtig ist nach dem derzeitigen Wissensstand eine eiweißreiche Ernährung, Vitamingaben sind ebenfalls notwendig, da der Organismus durch die ständige Mauser ja dauerhaft beansprucht wird. Auch sollte unbedingt ein Kalkstein angeboten werden. Ein wenig Sonnenlicht kann auch nicht schaden (allerdings keine Hitze und Schatten muss jederzeit zur Verfügung stehen).

Eine einwandfreie Hygiene ist ein Muss. Infizierte Vögel verlieren das Virus mit ihrem Kot sowie Speichel und Federreste und so kann es in der Voliere zu einer Ansteckung kommen. Das Virus übersteht allerdings herkömmliche Reinigungsmittel.

Mit erkrankten Vögel sollte nicht gezüchtet werden, das ist die einzige Möglichkeit, diese französische Mauserkrankheit zu kontrollieren und zu verhindern.

Die Erkrankung

Polyoma tritt bei nur bei Jungvögel auf, sie haben sich dann bereits im frühen Nestlingsalter angesteckt, erwachsene Wellensittiche können sich nicht anstecken. Der Polyomavirus ist normalerweise relativ harmlos, er ist nur für Nestlinge ohne vollständig ausgebildetes Immunsystem gefährlich und kann zum Tod führen, nicht weil ihnen die Federn ausfallen, sondern weil sie anfällig für weitere Infektionen wie z.B. Macrorhabdiose sind. Wenn sie überleben, bleiben diese Vögel oft ein Leben lang infiziert und vererben die Französische Mauser an ihre zukünftigen Nachkommen, so dass ein Teufelskreis entsteht.

Man sieht es einem älteren Wellensittich nicht an, ob er Überträger des Polyoma-Virus ist. Darum ist das Züchten oder Vermehren immer ein Risiko.

Bei einer mikroskopischen Untersuchung zeigt sich, dass das Keratin der Federschäfte schlecht entwickelt ist, es kommt zu Blutungen in den Gefäßen des Federschaftes, was zum Abstoßen der Federn führt.

Ein Renner kann aber trotz allem ein schönes und munteres Vogelleben führen, er kann auch sonst gesund sein und es ist nicht nötig, diese Tiere einzuschläfern. Warum auch? Solche Vögel kennen es nicht anders und leben ganz gut mit ihrer Behinderung. Man kann den Käfig dementsprechend einrichten, da diese Vögel ihre Flugunfähigkeit durch vermehrtes Klettern ausgleichen. In schweren Fällen allerdings kann es vorkommen, dass die ständige Mauser so stark juckt, dass die Vögel sich die Federn selber herausreißen und blutig picken - hier besteht Infektionsgefahr! An der französischen Mauser erkrankte Wellensittiche haben vielleicht nicht gerade die höchste Lebenserwartung, aber das kurze Leben sollte man ihnen so schön wie möglich machen.

Züchter dagegen haben ihre eigenen Methoden, mit Polyoma umzugehen. Um ein Ausbreiten der Erkrankung in der Zucht zu verhindern, werden diese Küken meistens getötet. Auch das Elterntier, welches Überträger war, wird aus der Zucht genommen. Es ist ein trauriges Kapitel, aber Züchter sind in dieser Hinsicht hart im Nehmen.

In einigen Fällen hat es aber schon eine plötzliche Heilung gegeben, wenn diese Krankheit nicht allzu ausgeprägt war. Infizierte Vögel mit sehr gutem Immunsystem, die das gefährliche Nestlingsalter überlebt haben, können das Virus innerhalb von 4 - 6 Monaten aus ihrem System eliminieren. Der Organismus hilft sich oft selber und man weiß nicht warum. Ein Beispiel war mein Chico, der als Jungvogel an der französischen Mauser litt, aber nach einigen Monaten die Krankheit durchgestanden hatte und danach ein ganz normales Vogelleben mit viel Freiflug hatte. Er wurde fast 9 Jahre alt.

Symptome

Die Symptome hängen stark vom Alter, der Art, dem Immunstatus und der allgemeinen Gesundheit zum Zeitpunkt der Exposition ab.

Einige der frühen Merkmale und Symptome bei Wellensittichen sind:

  • Abgestorbene Embryos
  • Kükensterben
  • Geschwollener Bauch bei 10-15 Tage alten Küken
  • Gelbfärbung der Haut / Gelbsucht
  • Blutungen
  • Federanomalien

Wenn die Erkrankung sehr früh ausbricht, überleben die Küken das meistens nicht, einige sterben genau zum Zeitpunkt des Schlupfes, andere leben noch einige Tage, sterben aber dann ganz plötzlich ohne Vorzeichen. Sie verstarben dann meistens an Dehydrierung und Blutungsneigung (Blutergüsse). Die höchste Sterblichkeit liegt hier zwischen 15 und 19 Tagen.

Wenn Polyoma etwas später ausbricht, sterben die Vögel zwar seltener, zeigen dann aber die typischen ausgeprägten Merkmale wie:

  • unterschiedliche Grade von Federanomalien
  • Verlust von Flug-, Schwung- und Schwanzfedern

Oftmals fallen die mittleren Flugfedern zuerst aus und zwar symmetrisch auf beiden Flügeln. Die äußersten Flugfedern sind davon seltener betroffen.

Polyoma und PBFD

Beide Erkrankungen haben ähnliche Symptome und werden manchmal verwechselt. Polyoma und PBFD sind ansteckend, aber man muss als normaler Halter erkrankte Vögel nicht einschläfern lassen. Sie können beide ein schönes Leben haben, bis das Circo-Virus (PBFD) ihnen den Tod beschert.

An Polyoma erkranken nur Jungvögel, Altvögel sind nur Überträger und das Züchten ist mit infizierten Vögeln im Bestand nicht empfehlenswert, weil Küken erkranken können.

PBFD hingegen ist für Wellensittiche allen Alters ansteckend, ein Ausbrechen der Krankheit ist auch immer möglich, kann aber eventuell durch Stärkung des Immunsystems hinausgezögert werden. Es besteht bei PBFD sehr hohe Ansteckungsgefahr. Man kann sich kaum vor dem Circo-Virus schützen, weil er durch die Luft übertragen wird. Dieser Virus verändert nicht nur die Federn, es ist nur ein Teil des Krankheitssyndroms, er geht viel aggressiver vor als der Polyoma-Virus und führt auch bei Altvögeln meistens zum Tod.

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