Referat: ein sittichgerechtes Leben
Referat von Chico, Verbandsvorsitzender der domestizierten Wellensittiche in Deutschland.

Ich möchte mich mal kurz vorstellen. Mein Name ist Chico, bin ein Wellensittich - Männchen in Hellblau, weißem Köpfchen und Standardzeichnung. Ich bin jetzt 5 Jahre alt. Mir zur Seite steht meine Lebenspartnerin Micky! Giftgrün mit gelbem Köpfchen, ein Opalin-Sittich-Weibchen, sie hat sehr große Kehltupfen, um die ich sie sehr beneide. Micky ist jetzt 8 Jahre alt. Sie ist meine Stellvertreterin im Verband der domestizierten Wellensittiche in Deutschland. Unser Verband tritt für ein sittichgerechtes leben ein. Ich wende mich jetzt an die Öffentlichkeit, um den Menschen zu zeigen, was wir Sittiche brauchen, was wir wollen, was wir für die Menschen tun können und was nicht, wie man uns artgerecht hält und womit man uns eine Freude machen kann.

Damit man uns besser versteht, muss ich erst mal etwas von unseren Vorfahren, den wildlebenden Sittichen erzählen. Australien ist unsere eigentliche Heimat, dort führen wir so eine Art Nomadendasein, das ist ein sehr hartes aber auch geselliges Leben. Immer auf der Suche nach Samen und Wasser fliegen wir in großen Schwärmen weite Strecken durch das Land, bis wir endlich fündig geworden sind. Dort fallen wir regelrecht über die Felder her und erfreuen uns an den leckeren Gräsern und Samen, und wenn wir dann eine Wasserstelle gefunden haben, ist unser Glück vollkommen. Da kann es schon mal passieren, dass wir gierig darauf losstürzen und einige Wellensittiche durch die nachlandenden Artgenossen regelrecht ins Wasser gedrückt werden werden und ertrinken. Das ist aber ein sehr trauriges Kapitel. In der großen Sommerhitze sitzen wir ziemlich reglos in den Bäumen, da uns die Hitze doch sehr zu setzt. Durch diese ganzen Härten sind wir recht anpassungsfähige Wesen. 1855 brachte die Gräfin von Schwerin Sittiche dann nach Deutschland. Tja, soviel zu unseren Vorfahren.

Wir sind sehr lebhafte Gesellen, die unbedingt einen Ansprechpartner brauchen, ansonsten vegetieren wir nur so dahin und da ist ja keinem mit geholfen. Falls man sich keine Zeit für uns nehmen kann, sollte man uns besser einer anderen Familie oder Person übergeben, die mehr Zeit für uns hat und wo eventuell mehr los ist. Kinder und Tiere mögen wir auch sehr gerne, allerdings sind wir nicht gerade ein besonders robustes Spielzeug und deshalb sollten Eltern auch hier vorsichtig sein, wenn sie lange etwas von uns haben möchten. Manchmal sind wir Seelentröster, da wir sehr gute Zuhörer sind, aber wir können nicht nur zuhören, wir geben auch schon mal unsere Kommentare ab und helfen mit unserer beruhigenden Stimme unseren menschlichen Partnern. Wir sind wirklich sehr umgänglich und belohnen jegliche Zuwendung unserer Menschen mit viel Liebe und Aufmerksamkeit, dabei kann es schon einmal passieren, dass wir etwas verwöhnt werden, aber einige Menschen haben das ganz gerne. Um unseren Menschen zu gefallen, können einige von uns auch Sprechen lernen (ich gehöre zu diesen begabten Sittichen). Es tut uns gut, wenn wir in einer Familie so richtig integriert werden, manchmal nimmt das auch etwas seltsame Formen an. Ich spreche da aus eigener Erfahrung, wenn wir unbedingt etwas vom Teller der Menschen essen wollen. Eine kleine Nudel oder ein Salatblatt - dagegen ist nichts einzuwenden, aber stark Gewürztes oder Gesüßtes gehört nun wirklich nicht auf unseren Speiseplan.

Da wir nur einen kleinen Organismus haben, können wir nicht länger als 24 Stunden ohne Nahrung sein. Das macht sich besonders negativ im Falle einer Krankheit bemerkbar, da wir gerade dann keinen Appetit haben. Darum ist auch eine noch so kleine Unpässlichkeit oder Verstimmung sehr ernst zu nehmen und sofort zu behandeln. Unsere Pflegemutter verabreicht uns dann immer Kamillentee, sozusagen für alle Fälle, der beruhigt und lässt kleinere Entzündungen im Kropf- oder Magen-Darmbereich schneller abklingen. Wenn wir gar keinen Hunger haben, gibt sie einen Tropfen eines guten Vitaminpräparates (extra für Vögel) ins Wassernäpfchen und hält es uns so lange vor dem Schnabel, bis wir endlich einen Schluck davon trinken. Ich trinke dann nicht, weil ich Durst habe, nein, sondern weil ich meine Ruhe will. Aber ihr Generve mit dem Wassernapf hilft. Nach kurzer Zeit bekomme ich wieder etwas mehr Energie und kann auch fressen. In manchen Fällen ist auch Rotlichtbestrahlung sehr wirksam, die Lampe sollte dann etwa 50 cm vom Käfig entfernt aufgestellt werden und die Bestrahlungsdauer sollte 10 Minuten nicht übersteigen, dafür lieber zwei- oder dreimal über den Tag verteilt. Auch ein Dampfbad kann manchmal Wunder wirken, besonders wenn wir mal in Zugluft gestanden und uns erkältet oder sogar eine Lungenentzündung haben. Dazu etwas Kamilleblüten oder einen Beutel Kamilletee in einem Topf mit viel Wasser aufkochen, diesen dann in eine Schüssel umfüllen, ein großes Tuch um die Schüssel und unseren Käfig legen, damit kaum etwas von dem Dampf entweichen kann (uns ab und zu dabei beobachten). Aber anschließend uns auf keinen Fall sofort wieder der Kälte aussetzen, das wäre für uns ein Schock, sondern uns noch eine Weile schön warm halten. Das gleiche gilt auch für die Rotlichtbestrahlung

Da ich das Thema Zugluft schon angeschnitten habe, davor sind wir Sittiche auf jeden Fall zu schützen. Zugluft kann wirklich tödlich sein, bitte denkt daran, wenn ihr eure Wohnungen durchlüften möchtet, stellt uns dann bitte in ein anderes Zimmer. Auch wenn wir mal transportiert werden müssen, z.B. im Auto, kann es nicht schaden, wenn man uns mit einem Tuch abdeckt, denn ich habe die Erfahrung gemacht, dass es gerade in einem Auto ordentlich ziehen kann, z.B. durch das Gebläse, Klimaanlage oder leicht geöffnetes Fenster.

Apropos Fenster: Da muss ich unbedingt was loswerden. Da gibt es doch einige Artgenossen, die den ganzen Tag am Fenster in der prallen Sonne stehen. Solch ein Wellensittich tut mir so richtig leid, er kann nirgends hin und die Sonne knallt den ganzen Tag auf seinen Kopf. Und solche Menschen wundern sich dann, wenn ihr Sittich irgendwann tot im Käfig liegt. Wenn meine Pflegemutter so etwas sieht, packt sie die kalte Wut. Das ist Sittichquälerei im gröbsten Stil. Sollte man das doch genauso mit diesen Menschen machen, der das auch mit seinem Wellensittich anstellt.

Sittiche sind sehr elegante Flieger. Man sollte uns deshalb regelmäßig unseren Freiflug im Zimmer ermöglichen. Dabei ist es nicht verkehrt, wenn wir unsere Grenzen aufgezeigt bekommen, denn ein Fenster ist für uns ziemlich verlockend, sieht es doch für uns so aus, dass es dort noch weiter geht. Wenn wir dann mit Karacho vor die Scheibe fliegen, ist für einige Sittiche der Ofen aus, es kann tödlich ausgehen. Deshalb möchte ich anraten, dass man uns lehrt, das Fenster als Begrenzung anzusehen. Die erste Zeit sollte man das Fenster leicht abdecken, wenn keine Gardinen vorhanden sind, z.B. durch ein fast geschlossenes Rollo, das dann nach und nach immer höher gezogen werden kann, so dass wir kapieren, dass diese Ecke für uns Tabu ist. Man kann uns aber auch auf dem Finger zu dem Fenster mitnehmen, so dass wir mit unserem Schnabel mal daran stoßen können und wir auf diese Art merken, dass es hier nicht weiter geht, auch wenn es so aussieht. Bei uns beiden, Micky und mir, war es so, dass wir leider trotz dieser Vorsichtsmaßnahmen unserer Pflegemutter die unangenehme Bekanntschaft mit der harten Wirklichkeit - der Fensterscheibe gemacht haben. Allerdings waren wir noch Jungvögel und hatten noch nicht all zuviel Speed drauf. Meine Micky hatte nach dem Aufprall eine leichte Gehirnerschütterung und musste einen Tag im abgedunkelten Käfig zubringen. Das ist passiert, als sie ihren Freiflug in der Küche hatte und sich sich wohl vor irgendwas erschrocken hatte, was was es war, weiß sie selber nicht mehr so ganz genau. Sie ist dann in Panik geraten, und obwohl sie das Fenster sonst immer gemieden hatte und als Begrenzung anerkannt hatte, voll davor geflogen. Unsere Pflegemutter hat sich danach unheimliche Vorwürfe gemacht, das Ganze hätte bös ausgehen können.

Während unseres Freifluges sollten gefährliche und spitze Gegenstände wie z.B. Kakteen oder Kerzenständer außer Reichweite gestellt werden. Auch die Herdplatte sollte nicht gerade eingeschaltet sein oder sonst wie heiße Sachen herumstehen. Das gleiche gilt auch für offene Gefäße, die mit Wasser gefüllt sind und in denen wir ertrinken oder uns nicht selber befreien können. Falls ihr Menschen wichtige Papiere herumliegen lasst, seid ihr es selber Schuld, wenn sie nachher nicht mehr zu gebrauchen sind, denn etwas, was wir mit unserem Schnabel durchbeißen können, zieht uns magisch an.

Unser Käfig sollte geräumig sein, es dürfen keine spitzen Ecken oder Drähte vorhanden sein. Manche Käfige sind leider so konzipiert, sie sehen zwar schön aus, sind aber wegen der Verletzungsgefahr durch Drähte für Vögel überhaupt nicht geeignet. Auch hier ist Sauberkeit oberstes Gebot. Es wäre gut, wenn alles mit heißem Wasser abgebürstet und anschließend getrocknet wird. Frisches Wasser benötigen wir jeden Tag, nun über abgekocht oder nicht abgekocht lässt sich streiten. Im abgekochten Wasser sind ja wirklich kaum noch Mineralstoffe enthalten, dann brauchen wir zusätzlich zweimal in der Woche oben erwähnte Vitamine fürs Trinkwasser oder das in Vogelhandlungen zu kaufende Quellwasser geht auch. Unsere Futternäpfchen sollten immer gut gefüllt sein, manchmal sehen sie noch voll aus, aber da wir die Hülsen wieder direkt ausspucken, ist es gut, wenn man ab und zu die oberste Schichte abschüttet oder abbläst, übrig bleibt dann nur das Futter, das wirklich noch drin ist.

Wer zum Geier zieht mich denn da am Schwanz? Ach du bist es, Micky, wer denn sonst. Ja, meine lieben Menschen, ich muss jetzt aufhören. Micky und ich haben noch viel vor, wir machen jetzt einen Sittich. Wäre schön, wenn ich euch ein wenig helfen konnte mit meinen Ausführungen. Über Fanpost und Feedback würden Micky und ich uns sehr freuen. Schreibt einfach an die eMail-Adresse meiner Pflegemutter. Tschirp, und einen schönen Tag wünschen wir Euch allen noch - Eure Micky und euer Chico!! (verfasst im Jahre 1997)

Noch eine tolle Sittichstory? Wenn du eine schöne Geschichte weißt, schicke sie einfach an Micky und Chico

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