Der Aymarasittich - engl. Sierra Parakeet
lateinische Bezeichnung: Psilopsiagon aymara
Gattungsgruppe: Keilschwanzsittiche
Der Aymarasittich (Psilopsiagon aymara) gehört zu den eher stilleren, aber unglaublich charmanten Sittichen Südamerikas. Mit seinem dezenten Gefieder zählt er vielleicht nicht zu den buntesten Papageien – doch seine neugierige Art, soziale Intelligenz und Anpassungsfähigkeit machen ihn zu einer Art, die man unbedingt kennenlernen möchte!
✅ Checkliste
- Kennzeichen & Aussehen
- Geschlechtsunterschiede
- Mutationen
- Verbreitung & Lebensraum
- Verhalten
- Haltung
- Ernährung
- Brut
- Besonderheiten
🪶 Kennzeichen (Aussehen)
Aymarasittiche sind auf den ersten Blick eher unauffällig gefärbt, aber mit vielen feinen Details, die ihren Charme ausmachen. Ihr kompaktes Erscheinungsbild und die dunklere Kopfregion sind besonders typisch.
- Grundfarbe: olivgrün, Bauch heller
- Kopf: grau-braun, rußig dunkel an Stirn und Zügeln
- Schwanz: relativ lang (ähnlich der Proportion beim Wellensittich) und leicht abgestuft
- Schnabel hornfarben, fein gebaut
- Dunkle Augen mit wachem Blick
🔍 Unterschiede zwischen Männchen und Weibchen
Männchen haben meist eine deutlicher ausgeprägte dunkle Stirnmaske und stärkere dunkle Schaftstriche. Weibchen sind insgesamt heller und weicher gefärbt. Jungvögel ähneln zunächst den Weibchen.
🎨 Mutationen
Mutationen sind bei Aymarasittichen noch selten, da die Art nicht intensiv auf Farbe gezüchtet wird. Es existieren jedoch einzelne Linien mit leicht aufgehellten Grüntönen oder seltenen Gelbmutationen. Die klassische Wildfarbe bleibt aber Standard.
🌍 Verbreitung (Herkunft und Lebensraum)
Der Aymarasittich stammt aus den südlichen Anden Südamerikas: Bolivien, Nordwest-Argentinien und dem Norden Chiles. Er lebt in offenen, trockenen Gebirgsregionen zwischen 1.800 und 4.000 Metern Höhe – oft in Buschland, Steppen und Feldern.
🐦 Verhalten
Aymarasittiche leben in sozialen Gruppen und bleiben durch leise Rufe ständig in Kontakt. Sie sind flinke Flieger und in Menschenobhut ruhiger als viele andere Sitticharten. Das macht sie zu angenehmen Mitbewohnern – aktiv, aber nicht zu laut.
🏡 Haltung
Als bewegungsfreudige Schwarmvögel brauchen Aymarasittiche genügend Platz, Artgenossen und abwechslungsreiche Beschäftigung.
- Volierengröße: mindestens 2 m Länge oder täglicher Freiflug
- Niemals einzeln halten – Paar oder Gruppe ist Pflicht
- Abwechslungsreiche Einrichtung: Naturäste, Knabbermaterial, Flugstrecken
- Robust, aber empfindlich gegen Nässe & lang anhaltende Kälte
- Ruhiges Artenprofil – gut geeignet für Wohnumgebungen
Bei der Paarhaltung sollten gegengeschlechtliche Paare angestrebt werden, da sie sehr verschmust sind, alles gemeinsam unternehmen und auch ausgiebige gegenseitige Gefiederpflege betreiben, wobei sie absolut gleichberechtigt wirken, obwohl ansonsten der Hahn eher sehr dominant ist.
Am Ende des Artikels findest du noch ausführlichere Infos zur Haltung dieser Vogelart.
🥗 Ernährung
In ihrem natürlichen Hochland-Lebensraum ernähren sich Aymarasittiche vor allem von kleinen Grassamen und verfügbarem Grün – oft halbreif aufgrund der Höhenlage.
- Sittich-Körnermischung mit hohem Anteil an kleinsämigen Gräsern
- Frisches Grünfutter & Kräuter (z. B. Vogelmiere, Löwenzahn)
- Gemüse in kleinen Portionen (z. B. Brokkoli, Karotte)
- Begrenzt: halbreife Hirse, Keimfutter
- Mineralien & Grit zur Verdauungsunterstützung
- Gelegentlich: kleine Mengen Obst als Leckerbissen
In menschlicher Obhut bietet sich als Grundfutter eine Großsittich-Körnermischung ohne Sonnenblumenkerne an, die mit einer Wildsamen-Mischung angereichert werden sollte, da Wildsamen ebenso geliebt werden wie kleine Sonnenblumenkerne und Hanf. Hanf sollte aber nur ganz wenig angeboten werden, da dies nicht nur die Brutlust steigert, sondern auch die Hähne aggressiv stimmt.
🐣 Brut
In der Natur brüten sie in Felsspalten, Baumhöhlen oder Gebäudenischen. Auch in Menschenobhut sind sie zuverlässige, friedliche Züchter.
- Brutplatz: Höhlen / geeignete Nistkästen
- Gelegegröße: 4–6 Eier
- Brutdauer: ca. 20 Tage
- Nestlingszeit: 4–5 Wochen
- Während der Brut territorialer, sonst sozial
Die Brutperiode der deutschen Nachzuchten verläuft etwa von April bis Oktober und sie schreiten in dieser Zeit nicht selten zweimal zur Brut. Interessant ist das Balzverhalten, wobei sie nebeneinander sitzend mit den Flügeln vibrieren und sich gegenseitig das Steißgefieder putzen. Bei der Kopulation sitzen sie eng nebeneinander, wobei der Hahn einen Fuß auf den Rücken der Henne legt, um so seine Kloake an die der Henne zu pressen.
✨ Kommentare / Besonderheiten
Aymarasittiche gelten als tolle Einsteigerart bei südamerikanischen Sittichen – bei artgerechter Haltung. Sie sind freundlich, intelligent und vergleichsweise leise. Spannend: Sie kommen hervorragend mit Höhenlagen und dünner Luft zurecht – echte kleine Bergsteiger!
Weitere Infos zur Haltung:
Aymarasittiche sind schnelle, geschickte und begeisterte Flieger, brauchen also trotz ihrer geringen Größe sehr viel Platz. Eine geräumige Voliere von mindestens 2m(B)x1m(T)x2m(H) ist anzuraten, es sei denn man kann bei Käfighaltung nahezu ganztägigen Freiflug bieten. Zumindest sollten vormittags und am späten Nachmittag oder frühen Abend jeweils 2-3 Stunden Freiflug möglich sein. Bei Käfighaltung ist eine Mindestgröße von 1m(B)x0,5m(T)x0,5m(H) für ein einzelnes Pärchen dringend anzuraten, da Aymarasittiche in der Voliere Versteckmöglichkeiten als auch ein Schlafhaus und Klettermöglichkeiten benötigen, denn man kann sie durchaus als Kletterakrobaten bezeichnen. Bei Haltung in einer Außenvoliere muss für den Winter ein beheiztes Schutzhaus vorhanden sein, eine Temperatur von 5°C sollte im Schutzhaus nicht unterschritten werden.
Aymarasittiche sollten wie alle Papageienvögel mindestens paarweise gehalten werden, aber auch kleine Schwärme vertragen sich gut in größeren Volieren. Während der Brut ist es aber ratsam die Paare einzeln zu halten.
Sie sind sehr friedliche, soziale Vögel, die sich mit gleichgroßen Sittichen wie z.B. dem Wellensittich vergesellschaften lassen. Dennoch verteidigen sie energisch ihr Revier, aber weniger kämpferisch als vielmehr durch Gezeter und Drohgebärden, obwohl gelegentliche (unblutige) Hackereien nicht ausgeschlossen werden können. Es ist daher ratsam nur gemeinsamen Freiflug zu gewähren. Eine Gemeinschaftsvoliere müsste schon sehr groß sein, damit auch darin eine Revierabgrenzung möglich wird und nicht ständig Revierkämpfchen entstehen.
Verhalten: Dieser kleine robuste Papagei macht ähnlich wie Katharinasittiche einen extrem ruhigen, apathischen Eindruck, wenn man seinem Bewegungsdrang nicht gerecht wird, er also zuwenig Freiflug bekommt und/oder in einem zu kleinen Käfig gehalten wird. Gibt man ihm aber den Platz, den er benötigt, ist er insbesondere vormittags und am frühen Abend sehr lebhaft und vor allem auch enorm verspielt, ähnlich wie Wellensittiche. Er ist zwar nicht sonderlich nagefreudig, beschäftigt sich aber dennoch gerne stundenlang damit, auf Baumwolle oder Bastfäden herumzukauen.
Was ihre Lautstärke angeht, lässt sich zunächst festhalten, dass sie zu den leisen Vertretern unter den ansonsten meist eher lauten südamerikanischen Sittichen gehören. Genau genommen sind sie sogar leiser als Wellensittiche. Ihre Lautäußerungen erinnern entfernt an Haubenmeisen (Parus cristatus) und sind somit tendenziell eher hochtönig, aber sehr vielfältig bis hin zu einem leisen dunklen Gurren. Sehr bemerkenswert ist vor allem, dass sie nicht nur wie die meisten Sittiche mit dem Schnabel knurpsen, wenn sie sich wohlfühlen, wie z.B. während der Einschlafphase, sondern insbesondere wenn sie Angst haben, was wohl für Artgenossen als leiser Warnruf dient. Dieses "Angstknurpsen" ist entgegen dem "Wohlfühlknurpsen" allerdings wesentlich lauter und hektischer.
Weitere Kommentare: Der Aymarasittich wurde nach einem südamerikanischen Indianerstamm benannt.
Der letzte Teil des Steckbriefes über Haltung und Verhalten ist von Christian aus meinem ehemaligen Haustier-Center Forum. Das kleine Foto ist ebenfalls von Christian, welches er mir freundlicherweise überlassen hat.
