🪶 Schönsittich (Neophema pulchella) – Der farbenfrohe Edelstein unter den Grassittichen
1. Checkliste – Überblick über die Inhalte
- Kennzeichen (Aussehen)
- Unterschiede zwischen Männchen & Weibchen
- Mutationen (Farbschläge)
- Verbreitung (Herkunft und Lebensraum)
- Verhalten
- Haltung
- Ernährung
- Brut
- Kommentare / Besonderheiten
Kennzeichen (Aussehen)
Der Schönsittich (Neophema pulchella) – auch Türkissittich genannt – ist ein eleganter, farbenprächtiger Vertreter der Grassittiche.
- Größe: etwa 20–22 cm, davon rund 9 cm Schwanz
- Körperform: schlank, langgestreckt, mit spitzem Schwanz
- Gesamteindruck: zierlich, aber lebhaft gefärbt
Gefiederfarben (Männchen – Wildform):
- Grundfarbe: überwiegend grün mit deutlicher roter Flügelbinde
- Flügeldecken: türkisblau – daher der alternative Name Türkissittich
- Untere Flügeldecken und Rand der Schwungfedern: dunkelblau
- Brust und Bauch: von kräftigem Grün nach Gelb verlaufend, teils in orangeroten Nuancen
- Gesicht: blau bis türkis schimmernd
- Rücken: sattgrün
- Schwanz: mittlere Federn grün, äußere blau bis violett getönt
- Schnabel: grau bis schwarz
- Beine: grau oder fleischfarben
Weibchen:
- Etwas matter gefärbt, weniger intensive Rot- und Blautöne
- Flügelbinde schwächer ausgeprägt oder fehlend
Zuchtformen / Farbabweichungen:
- Züchtungen mit besonders roter Brust oder aufgehellten Körperfarben
- Farbmutationen (z. B. Blau, Lutino, Zimt) siehe Abschnitt Mutationen
Unterschiede zwischen Männchen und Weibchen
- Männchen: kräftigere, leuchtendere Farben, besonders das Blau im Gesicht und die rote Flügelbinde sind deutlich ausgeprägt.
- Weibchen: matteres Gefieder, schwächere Flügelbinde, häufig grünlicher Brustton.
- Jungvögel: ähneln den Weibchen, färben sich mit der ersten Mauser um.
Mutationen (Farbschläge)
- Blaue Mutation: fast vollständig blaugrün, ohne gelblichen Ton
- Gelbmutation (Lutino): leuchtend gelb mit roter Flügelbinde und roten Augen
- Olive / Türkis: abgeschwächte oder überlagerte Grün-Blau-Färbungen
- Zimt / Falbe: bräunlich getöntes Gefieder mit reduzierter Melaninbildung
- Pastellfarben: sanft aufgehellte Varianten der Wildfarbe
- Rotbrust/Rotbauch: orangerotes Gefieder im Brust-/bzw. Bauchbereich.
Diese Mutationen sind in Liebhaber- und Zuchtkreisen verbreitet, sollten aber stets mit Rücksicht auf Vitalität und genetische Vielfalt gezüchtet werden.
Verbreitung (Herkunft und Lebensraum)
- Herkunft: südöstliches Australien (New South Wales, Süd-Queensland)
- Lebensraum: offenes Grasland, lichte Eukalyptuswälder, Buschsteppe
- Lebensweise: meist paarweise oder in kleinen Trupps, selten große Schwärme
- Wanderverhalten: teils nomadisch, abhängig von Wasser- und Nahrungsangebot
Verhalten
- Lautstärke: sehr gering – gehört zu den leiseren Sitticharten
- Charakter: ausgeglichen, sozial, selten aggressiv
- Flugverhalten: lebhaft, elegant, schnell
- Aktivität: vor allem morgens und abends aktiv
Haltung
- Volierengröße: mindestens 2 m Länge, besser mehr – Schönsittiche sind schnelle Flieger
- Innenhaltung: möglich, Außenvoliere mit Schutzhaus optimal. Sie vertragen kein feucht-kaltes Wetter.
- Bodengrund: Sand oder feiner Kies, da sie gerne am Boden picken
- Sozialverhalten: paarweise Haltung empfohlen; Gruppenhaltung mit ausreichend Platz möglich
- Pflege: regelmäßige Bademöglichkeiten, frische Zweige und Gräser zur Beschäftigung
Ernährung
In der Natur ernähren sich Schönsittiche vorwiegend vom Boden:
- Wildform: Grassamen, kleine Kräutersamen, gelegentlich Beeren und Insekten
- In Haltung:
- Körnermischung für Grassittiche (Hirse, Glanzsaat, wenig Sonnenblumenkerne)
- Frisches Grünfutter: Vogelmiere, Löwenzahn, Gräser
- eventuell Obst in Maßen: Apfel, Birne, Beeren
- Mineralien: Grit, Sepiaschale, Kalksteine
Brut
- Brutzeit in Australien: August bis Dezember (abhängig von Regenfällen)
- Nistplatz: Baumhöhlen oder Nistkästen
- Gelege: meist 4–6 weiße Eier
- Brutdauer: ca. 18–20 Tage
- Nestlingszeit: rund 4 Wochen
- Zucht in Haltung: unproblematisch bei harmonierenden Paaren
Wichtig für Züchter: Die Brutzeit des Schönsittichs ist ein faszinierender, aber auch herausfordernder Prozess, da Männchen manchmal aggressiv werden, selbst gegenüber den Jungen. Um Konflikte zu vermeiden, ist es ratsam, die Vögel paarweise zu halten. Die Volierengröße sollte mindestens 3 Meter betragen, damit das Paar genügend Platz hat. In der Brutzeit übernimmt das Weibchen die Verantwortung für das Bebrüten der Eier, während das Männchen sie mit Futter versorgt.
Nach dem Schlüpfen dauert es etwa 4 Wochen, bis die Jungen flugfähig sind. Anfangs sind die Jungvögel noch sehr scheu und neigen zu Panikreaktionen, was für den Halter eine Herausforderung darstellen kann. Etwa 14 Tage nach dem Schlüpfen zeigt das Männchen Interesse an den Jungen und beginnt auch, sie zu füttern. Sollte der Hahn jedoch eine Neigung zeigen, den Nachwuchs zu verfolgen, ist es wichtig, ihn sofort von den Jungen zu trennen, da dies zu stressigen Situationen führen kann.
Kommentare / Besonderheiten
- Schönsittiche zählen zu den friedlichsten Sitticharten überhaupt.
- Aufgrund ihrer geringen Lautstärke eignen sie sich hervorragend für Wohnungsvolieren.
- Ihre natürliche Farbbrillanz ist einzigartig – besonders im Sonnenlicht wirkt das Gefieder irisierend.
- In Australien gilt der Schönsittich als Symbol für Gelassenheit und Balance in der Natur.
