Kropfentzündung

Eine sogenannte Kropfentzündung ist meistens nur ein Symptom für eine andere Erkrankung. Es wird oft die Verlegenheits-Diagnose "Kropfentzündung" gestellt, was allerdings nur wenig aussagekräftig ist. In diesem Artikel geht es um das Erkennen einer sogenannten Kropfentzündung und das weitere Vorgehen wie den Tierarztbesuch und welche Untersuchungen er vornimmt bzw. vornehmen sollte und die Unterstützung der Behandlung.

Erkennen einer Kropfentzündung / Verhalten

  • Der Wellensittich würgt Körner hervor, oft auch mit Schleim und versucht häufig mit einer schleudernden Kopfbewegung den Schleim los zu werden, dadurch verklebtes Gefieder am Kopf durch Schleim, aber nicht immer.
  • Der Wellensttich ist apathisch, frisst und trinkt nicht mehr und ist auch nicht mehr aktiv.
  • Der Kropf ist geschwollen; oft schmerzt er auch. Der Bereich sieht dort stark aufgeplustert aus. Beim Berühren wehrt er sich, oder piepst sogar vor Schmerz.
  • Wellensittich sitzt aufgeplustert mit beiden Beinen auf seiner Stange.
  • Manchmal zusätzlich auch Durchfall

Fortgeschrittenes Stadium und kaum noch Heilung möglich

  • Der Vogel sitzt schon mit geschlossenen Augen auf dem Boden.
  • Er wankt schon: der Kreislauf ist schon derartig geschwächt, dass nur noch ein Versuch mit Zwangsernährung evtl. Erfolg hat. Mit zu Staub gemahlenen Pellets ist hier die sicherste und schnellste Möglichkeit, was zu erreichen. Dieser Futterstaub wird mit einer Messerspitze Korvimin ZVT von WDT und Flüssigkeit vermischt und dem Vogel so weit wie möglich in den Schnabel getropft. Dabei ist darauf zu achten, dass er auch schluckt, sonst verschluckt er sich evtl., was wiederum eine Lungenentzündung auslösen könnte: Der Schluckreiz kann ausgelöst werden am Hals vorn, unterhalb des Schnabels, wenn man vorsichtig dort runterstreicht.

Ursachen

Meist Bakterien oder Pilzbefall, Kokzidien, Trichomonaden, E.Coli-Keime (ein Bakterium), sehr oft Megabakterien, seltener Viren, auch Milben sowie andere unbekannte Auslöser.

Das Ursachenfeld, wie man sieht, ist zu reichhaltig, so dass ein vogelkundiger Tierarzt erst einmal die URSACHE herausfinden muss, durch Kropfabstrich und Kotuntersuchung.

Ein richtig vogelkundiger Tierarzt kann sogar gewisse Untersuchungen selbst machen, weil bestimmte Bakterien, Pilze, ggf. auch Milben bei einfachster Untersuchung schon nachzuweisen, einzuordnen, und zu behandeln sind.

Nur so wird kostbare Zeit gespart, da ein Vogel, wenn er dann eine ernsthafte Kropfentzündung hat, sogar innerhalb von 2-4 Tagen sterben kann - nicht muss.

Es ist also Eile geboten; das weiß auch ein guter Tierarzt.

Tierarztbesuch

Was du tun solltest: Schnellstmöglich zu einem vogelkundigen Tierarzt gehen, der einen Kropfabstrich macht und aufgrund der Ergebnisse ein passendes Medikament verordnet. Lese auch den Artikel: Wie findet man einen vogelkundigen Tierarzt!

  • Es sollte sich möglichst um einen vogelkundigen TA handeln, nur dieser kann die Ursachen feststellen.
  • Darauf achten, dass Kropfabstrich gemacht und eine Kotprobe untersucht wird. Gute Tierärzte untersuchen sofort im eigenen Labor, um Bakterien, Pilze oder auch Trichos zu erkennen. Andernfalls schickt der Tierarzt den Kot und Abstrich an ein Labor zur Untersuchung ein, was nur wieder kostbare Zeit verstreichen lässt.
  • Ggf. auch einen Test auf Resistenzen machen lassen. Es dauert aber ein paar Tage, bis Ergebnisse vorhanden sind. In der Zwischenzeit verabreicht der Tierarzt oft ein Breitbandantibiotikum, um die Zeit zu überbrücken.
  • Eine endgültige Behandlung mit Antibiotika sollte nur vorgenommen werden, wenn die Ursache der Kropfentzündung festgestellt wurde. Nur dann ist ein gezielter Einsatz von Medikamenten möglich.
  • Wenn der Arzt Medikamente für die Behandlung zuhause aushändigt, genau zuhören, was Dosierung, Dauer und Anwendung betrifft. Am besten aufschreiben lassen.
  • Bei einem stark geschwächten Vogel mit Gewichtsverlust, gibt der Arzt auch gerne ein Aufbaupräparat mit oder verabreicht die erste Dosis in der Praxis per Kropfkanüle, wenn der Wellensittich bereits die Nahrung verweigert.

Behandlung u. Vorgehen

Der Tierarzt nimmt eventuell eine Kropfspülung vor, das bedeutet, ein Medikament wird per Knopfkanüle in den Kropf eingespritzt, auf die die Verursacher der Entzündung dann hoffentlich empfindlich reagieren, abgetötet werden, die Entzündung hört auf, weh zu tun, der Vogel erholt sich langsam , fängt zaghaft wieder zu fressen an; je nach Schweregrad nach ca. 2-6 Stunden; vorzugsweise weiches Futter, Aufzuchtfutter, Keimfutter.

Am nächsten Tag sollte der kleine Körper sich soweit regeneriert haben, dass der kranke Vogel die ersten Körner versucht, vorher trinkt, damit das Futter gleich aufgeweicht/vorverdaut werden kann usw.

Sollte dieser Verlauf NICHT so eintreten, muss davon ausgegangen werden, dass ein noch ernsterer Hintergrund vorliegt, sprich resistentere Bakterien, Luftsackmilben, Viren, Keime oder gar Trichomonaden.

Dies bedarf dann eines extrem erfahrenen Tierarztes, bzw. Veterinärs, der von Vogelkunde, Medikamentenwirkung und vor allem vom Krankheitsbild etc. echte Ahnung hat. Spätestens hier sollte man sich vergewissern, ob der eigene Tierarzt wirklich vogelkundig ist!

Es ist während der gesamten Krankheitszeit darauf zu achten, und vor allem auch zu KONTROLLIEREN, dass der Vogel das Futter auch tatsächlich aufnimmt, und nicht nur so tut, als ob er frisst, nur weil er am Futternapf sitzt und mit den Körnchen im Schnabel spielt und wieder fallen lässt.

Die Futterstandsprobe ist in wenigen Sekunden gemacht und der Rund- oder Spitzbauch schnell festgestellt; ebenso dann auch die Erholung, wenn ein Spitzbauch wieder ein Rundbauch wird, was normaler Weise innerhalb von ein bis drei Tagen passiert.

Wie man schon erahnen kann, kommt man leider nicht darum herum, den Vogel in die Hand zu nehmen. Dies sollte natürlich nur so oft wie nötig geschehen. Sollte eine Weiterbehandlung zuhause erforderlich sein, müssen sämtliche Vorbereitungen für eine eventuelle Behandlung erledigt sein, bevor der Vogel zur eigentlichen Behandlung festgehalten wird.

Zur Unterstützung der Behandlung

Ernährung
  • Überwiegend weiches Futter anbieten, Quell- und Keimfutter, Joghurt, Aufzuchtfutter, aufgeweichte Hirse, Babybrei (ohne Milchbestandteile wegen des Milchzucker), Eifutter, gekochte Nudeln (ungesalzen), gekochter Reis (ungesalzen), Zwieback. Grünfutter kann in einzelnen Fällen gegeben werden, am besten Gurke.
  • Alles was den Kropf zusätzlich reizen könnte, ist zu vermeiden, z.B. normales Körnerfutter.
  • Ganz wichtig: Darauf achten, dass der Wellensittich tatsächlich frisst und nicht nur mit dem Futter "spielt"
  • Aufbaupräparate sind grundsätzlich in Ordnung.
  • Füttere kein Obst.
Hygiene
  • Besonders intensiv sollten Wasserspender gereinigt und das Wasser mehrmals täglich gereinigt werden (bloßes Ausspülen reicht nicht!). Besonders im Wasser vermehren sich Bakterien rasend schnell. Futternäpfe müssen ebenfalls gründlich gereinigt werden. Ggf. Näpfe und Wasserspender austauschen.
  • Auch das Spielzeug muss gründlich gereinigt bzw. ausgetauscht werden.
  • Entferne bitte Sand und Grit aus dem Käfig, da dieses unnötig den Kropf reizt.
Wärme
  • Wärme tut dem kranken Wellensittich gut, dazu stellt man einen Rotlichtlichtstrahler oder einen Infrarotdunkelstrahler ca. 50 cm vom Käfig entfernt auf. Der Käfig sollte nicht vollständig bestrahlt werden, damit der Wellensittich die Möglichkeit hat, sich zurückzuziehen.
Quarantäne
  • Ein kranker Wellensittich benötigt Ruhe zur Erholung und sollte einzeln gesetzt werden, so kann auch eine Übertragung auf andere Wellensittiche vermieden werden.

Kropfentzündung und das damit verbundene Auswerfen von Schleim kann ansteckend sein. Setze den Vogel lieber einzeln.

Alles Gute für deinen Patienten!

Vorbeugende Maßnahmen

  • Es wird oft angeraten, einmal wöchentlich Apfelessig in das Trinkwasser geben, Dosierung: 1 EL Apfelessig auf einen halben Liter Wasser bzw. 1 ml Apfelessig auf 100 ml Wasser. Ananassaft, frisch (nicht aus der Dose wegen des Zuckergehaltes) soll auch gut geeignet sein. Einige geben auch einen Minispritzer Zitronensaft auf 100 ml Wasser.
  • Was die eigene Vorbereitung auf eine Kropfentzündung angeht, so sollte man schwarzen Tee, Propolis und SC10, eine Plastikspritze ohne Nadel aus der Apotheke sowie Weichfutter / Aufzuchtfutter für Wellis zu Hause haben.
  • Spiegel oder ähnliches Spielzeug, dass zum "Füttern" geeignet ist, gehören grundsätzlich nicht in den Käfig und sind spätestens bei einer Kropfentzündung aus dem Käfig zu entfernen.
  • Den Wellensittich schon früh an weiches Futter gewöhnen, so wird er im Ernstfall nicht die Nahrungsaufnahme verweigern. Z.B. Quell- und Keimfutter sind ohnehin besonders leicht verdaulich und vitaminreich und sollten regelmäßig auf dem Speiseplan stehen.

Hygiene

Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Hygiene der Futter –und Trinknäpfe/Röhren. Es sollte dringend darauf geachtet werden, dass die Wasserbehälter nicht nur gewechselt werden (und ich meine wechseln), also nicht nur das alte Wasser raus und neues Wasser rein - in den gleichen Behälter, sondern einen zweiten Behälter haben, der gesäubert und desinfiziert und vor allem ca. 24 Stunden ausgetrocknet ist.

Was unser Wasser angeht, so sind manchmal - je nach Jahreszeit - schon Bakterien, Keime und sogar noch andere Krankheitserreger bereits vorhanden – im Wasser aus der Wasserleitung: Nun, wer kann schon als Otto Normalverbraucher kontrollieren, ob ausgerechnet mein Wasser aus der Leitung tatsächlich sauber ist?

Da ich dies nicht kann, muss ich also andere Vorbeugungsmaßnahmen treffen. Zum Beispiel wäre ein Plan nicht schlecht, wann man welche Zusätze und wofür beimischt; wenn man es für richtig/nötig hält.

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