Feder- und Schnabeldystrophie [PBFD]

Eines der gefürchteten Gefieder-Erkrankungen beim Wellensittich ist PBFD. Von dieser Krankheit sind hauptsächlich Sittiche und Papageien betroffen. Man sagt sogar, dass fast 90 % der Agaporniden diesen Virus in sich tragen. Nachfolgend die wichtigsten Informationen. Ich kann das leider aus eigenen Erfahrungen bestätigen, da mein Lenny an PBFD erkrankt war und mit dieser Erkrankung nur viereinhalb Jahre alt wurde.

Definition

PBFD ist ein Kürzel, welches aus dem Englischen abgeleitet wird und vollständig "Psittacine beak and feather disease" heißt, also Schnabel- und Federkrankheit bei Sittichen und unheilbar ist. Es ist eine virusbedingte Gefiederstörung, für den die Circoviren (Virus aus der Familie der Circoviridae) verantwortlich sind. Diese Viren verursachen eine Wachstumsstörung der Federn, Krallen und des Schnabels und führt zur Zerstörung des Knochenmarks. Wenn die Knochenmarkszellen, die zur Neubildung des Blutes verantwortlich sind, absterben, stirbt auch der Vogel, der Leidensweg bis zum Ende kann allerdings lang sein, da im Laufe der Zeit immer mehr gesundheitliche Probleme auftreten können.

Das Virus kann auch die Leber, das Gehirn und das Immunsystem angreifen und eine verminderte Widerstandsfähigkeit gegen Infektionen aller Art verursachen. Der Vogel stirbt nicht an den Verlust seiner Federn, sondern, in den meisten Fällen führt diese Erkrankung zu einem vorzeitigen Tod durch sekundäre bakterielle, fungizide, parasitäre oder virale Infekte oder sogar zu multiplen Organversagen.

Symptomatik

Diese Krankheit verläuft recht langsam. Zuerst kann man Federstörungen am gesamten Gefieder beobachten, der Vogel verliert seine ständig neu wachsenden Federn und zwar am ganzen Körper. Im Gegensatz zu Polyoma (Französische Mauser) ist hier das gesamte Gefieder betroffen. Manchmal wird sogar das Schnabelhorn brüchig und weich, der Schnabel wächst unkontrolliert. Im Endstadium sind fast keine Federn mehr vorhanden und auch der Schnabel wird derart in Mitleidenschaft gezogen, dass er so brüchig ist, dass er oftmals abbricht und der Vogel nicht mehr fressen kann. Das Immunsystem ist zum Schluss so geschwächt, dass der Patient anfällig für sämtliche Infektionskrankheiten und auch Geschwüre ist.

sichtbare Zeichen am Gefieder:

  • Irreversibler Verlust von Federn
  • vorzeitiges Abstoßen von sich entwickelnden Federn
  • Abnormale Federn (verdreht, verformt)
  • Neue Federn, die sich nicht weiter entwickeln
  • Verlust von Puderdaunen
  • Ausgefallene Federn mit eingetrocknetem Blut im Schaft

weitere Symptome:

  • überwachsender Schnabel
  • Gewichtsabnahme
  • Hauterkrankungen
  • Immunsupression (im späteren Stadium)
  • Depression (im späteren Stadium)
  • verminderte Abwehrkräfte (im späteren Stadium)

so können ausgefallene Federn eines an PBFD erkrankten Wellensittichs aussehen:

PBFD-Federn

ganz links: Feder, die ausgefallen ist, bevor sie sich vollständig entwickelt hat, diese Feder steckt noch zum größten Teil in der Hülse. Die anderen Federn enthalten getrocknetes Blut im Federkiel.

Übertragung

Diese Erkrankung ist sehr heimtückisch, da viele Vögel infiziert sein können, ohne die typischen Symptome zu zeigen. Die Übertragung des Virus erfolgt in erster Linie durch direkten Kontakt in sämtlichen Alltagssituationen, also durch Einatmen von Gefiederstaub, Kropffütterung, Aufnahme infizierter Fäkalien, normale Berührung. Auch wenn die Vögel beim Kauf völlig gesund aussehen, könnten sie das Virus bereits in sich tragen. Es handelt sich um einen hochansteckenden Virus. Besonders Vögel mit geschwächtem Immunsystem sind gefährdet, dass es bei ihnen dann auch zum Ausbruch der Gefiederstörung mit allen Folgen kommt.

Wichtig zu wissen: Das Virus ist durch herkömmliche Desinfektionsmittel nicht zerstörbar, die Viruspartikel halten sich ziemlich lange auch auf kontaminierte Oberflächen wie Käfigmaterial, Futterbehälter etc. Leider hat das Virus die Eigenschaft, monatelang in der Umwelt lebensfähig zu bleiben, auch wenn der infizierte Wellensittich längst nicht mehr anwesend ist.

Manche Vögel scheint das Virus allerdings nur zu streifen, d.h. sie können zwar Überträger sein, haben vielleicht eine kurze Episode, die auf PBFD hinweist wie plötzlich fehlende Puderdunen an wenigen Stellen (z.B. unter den Flügeln) oder sie zeigen gar keine klinischen Symptome, weil das intakte Immunsystem erfolgreich mit der endgültigen Bekämpfung des Virus reagiert.

Wenn man vor hat zu züchten, ist es gut, dass eine Blut- bzw. Federprobe zur Untersuchung eingeschickt wird. So weiß man, ob irgendein Tier aus dem Bestand daran erkrankt ist. Bitte niemals mit PBFD im Bestand die Zucht oder Vermehrung erwägen.

Diagnose

PBFD sollte immer dann in Betracht gezogen werden, wenn ein Vogel einen abnormalen Federverlust oder veränderte oder missgebildete Federn zeigt. Es gibt zwar die Möglichkeit einer Mangelernährung, ebenso wäre ein Leberschaden denkbar, eine Störung im Hormonhaushalt oder eine Polyomainfektion.

Es gibt kein typisches Aussehen eines PBFD-Wellensittichs im Frühstadium, also kann man die Krankheit auch nicht durch bloßes Angucken diagnostizieren oder ausschließen. Einigermaßen Sicherheit geben dann nur vom Tierarzt durchgeführte Tests.

  • Hautbiopsie
  • Biopsie von Feder samt Schaft
  • PCR-Test auf Blutprobenbasis (bei größeren Vögeln)

Für den Test werden vom Tierarzt Federn gezogen, in deren Kielen noch Blut vorhanden sein muss, leider ist diese Prozedur schmerzhaft und die Blutung sollte auch fachmännisch gestillt werden. Diese Methode kann aber Fehler aufweisen, da eventuell nicht alle Federn vom PBFD-Virus betroffen sind, dann sollte dieser Test gegebenenfalls wiederholt werden.

Wenn infizierte Vögel positiv getestet werden, aber keine klinischen Anzeichen zeigen, kann man sie nach 90 Tagen erneut testen, wenn der Test dann negativ ausfällt, ist er als geheilt zu betrachten. Wenn die zweite Probe wieder postiv ausfällt, kann der Wellensittich als infiziert betrachtet werden und wird vermutlich über kurz oder lang deutliche PBFD-Symptome zeigen.

Behandlung

Keine bekannte wirksame Behandlung.

Viel tun kann man gegen diese Krankheit nicht, entweder sie bricht aus oder nicht. Man kann nur versuchen das Immunsystem der erkrankten Wellis zu stärken. Mit Verabreichung von Vitaminen und immunstärkenden Mitteln kann versucht werden, das Ausbrechen und schnelle Fortschreiten der Krankheit zu unterdrücken oder den Allgemeinzustand zu verbessern.

Prophylaxe

Vorbeugung und Kontrolle ist die beste Methode. Das bedeutet keine Aufnahme von an PBFD-erkrankten Vögeln. DNA-Tests an allen Vögeln, insbesondere Neuzugänge und das Einhalten der Quarantänezeit, um diese Infektion auszuschließen. Kontaminierte Gegenstände wie Käfig-Ausrüstung, Spielzeug, Futterbehälter vernichten. Also im Grunde genommen ist es fast unmöglich, wirksam vorzubeugen, da dieses Virus, wie oben bereits erwähnt, sehr lange auch auf glatten Gegenständen überlebensfähig ist und sogar der Mensch selber Überträger sein kann, der vorherige Kontakt mit einem PBFD-infizierten Vogel reicht dazu schon aus.

Was man sonst noch tun kann

Auf gar keinen Fall sollte man in Panik geraten. Es ist nicht gesagt, dass der erkrankte Wellensittich nur noch zwei Jahre zu leben hat, da das Immunsysten jedes Vogels anders ist, kann die Lebenserwartung auch höher ausfallen. Die Circoviren schwächen das Immunsystem des Wellensittichs und es ist anfälliger für Sekundärinfektionen. Hier kann man bereits ansetzen und bei den ersten Krankheitsanzeichen schnellstens reagieren und zu einem vogelkundigen Tierarzt gehen. Auch das kurweise Verabreichen von Vitaminpräparaten zur Unterstützung des Immunsystems kann sehr hilfreich sein.

Was passiert mit meinen anderen Wellensittichen?

Da PBFD hochansteckend ist und durch Federstaub und Kot übertragen wird, ist davon auszugehen, dass alle Vögel, die mit dem positiv getesteten zusammen leben, ebenfalls erkrankt sind. Deswegen macht es keinen Sinn, sie voneinander zu trennen. Auch für sie ist eine Unterstützung des Immunsystems durch Vitamine ratsam, wodurch ein Ausbruch der Krankheit sogar aufgehalten werden kann.

Sind die Wellensittiche trotz ihrer Krankheit glücklich?

Auch die flugunfähigen und nackten Vögel können glücklich sein. Wichtig ist nur, dass man die Umgebung den veränderten Bedürfnissen und entsprechenden Behinderungen anpasst. Vögel, die nicht mehr fliegen können, klettern oder rennen sehr gerne. Dementsprechend kann man für viele Klettermöglichkeiten sorgen. Außerdem empfiehlt es sich, den Boden des Käfigs zu polstern, da bei einem Sturz von der Stange (kann leider öfter passieren, aus welchen Gründen auch immer) sich der unbefiederte Vogel schwer verletzten kann.

Ich habe für meinen nackten und flugunfähigen Lenny den Käfigboden mit einer selbstgebastelten Matte ausgelegt. Dafür habe ich eine Schaumstoffplatte in 2 cm Stärke passend zurecht geschnitten und in einen festgewebten Baumwollstoff genäht. Darüber kann man ganz normal Sandeinstreu oder Heu geben, also nicht unbedingt das harte Buchenholzgranulat verwenden. Es ist auch sinnvoll, wenn man eine Leiter vom Boden zum Käfig anbietet, so dass ein flugunfähiger Vogel jederzeit alleine nach oben kommt. Dabei sollte man aber bedenken, dass die flugunfähigen und vor allem die federlosen Vögel ihr Gleichgewicht oft nicht gut halten können und bei einem Absturz auch nicht durch die Federn geschützt sind. Daher sollte man wackelige und zu hohe Spielplätze vermeiden.

Beispielfotos / Verlauf von einem an PBFD erkrankten Wellensittich in der rechten Sidebar.

Fotos

Der Verlauf der PBFD-Erkrankung bei Lenny






Fotos 1 bis 6
Es fing mit dem Kopf an, dort hatte er die ersten kahlen Stellen, gleichzeitig verlor er ein paar Schwungfedern, konnte anfangs noch fliegen. Der Gefiederverlust erstreckte sich dann über das ganze Gefieder, Flügel, Rücken, Bauch, einfach alles, bis er komplett flugunfähig war. Innerhalb von zwei Jahren war Lenny dann fast nackt. Ich musste ihn schließlich einschläfern lassen, weil auch Organe und Haut erkrankten.

Lenny vor PBFD Ausbruch
Lenny war so hübsch, bevor die Erkrankung ausbrach.
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