Story 8: Alle Neune - oder die wundersame Vermehrung

Als Kind bekam ich meinen ersten Wellensittich geschenkt, mit fatalen Folgen!!! Seitdem hat mich die "Welli-Mania" nicht mehr losgelassen. Nach einer sittichfreien Zeit von 3 Jahren bekam ich vor 13 Jahren 2 Wellensittiche geschenkt. Ich nannte sie Mucki und Fipsi. Mucki, ein blauer Hahn, war von Anfang an ein wenig anfällig. Fipsi, ein grüner Vogeljunge, dagegen sehr robust. Fünf Jahre lang tobten die beiden gemeinsam durch die Wohnung und stellten jede Menge Unsinn an. Doch dann sollte sich alles an einem Samstag morgen im Mai ändern. Ich fuhr in die Stadt um dort einige Besorgungen zu machen. Als ich in den III. Hagen einbog, traute ich meinen Augen kaum. Im Rinnstein, schräg gegenüber dem Finanzamt saß etwas gelbes. Ein Wellensittich! Ich fuhr rechts heran und stieg aus. Tatsächlich, ein quittegelbes Vogelmädchen pickte hungrig auf der Straße herum. Als ich näher kam, flog sie auf den nächsten Baum. Ein ziemlich aussichtsloses Unterfangen einen so scheuen Vogel einzufangen.

Aber mit viel Geduld und noch mehr Glück konnte ich ihr nach ca. 1 Stunde ein Tuch überwerfen und sie mitnehmen. Zuhause stürzte sie sich gleich auf das bereitgestellte Futter und Wasser und wirkte irgendwie erleichtert, dass ihr Abenteuer nahezu beendet war. Sie war noch sehr jung, vielleicht 2 Monate alt und sehr scheu. Da sie niemand vermisste, beschloß ich sie zu behalten. Fipsi und Mucki beäugten sie kritisch. Aber das Eis schmolz bald als Tweety, so nannte ich sie, nach einer Quarantänezeit zu meinen zwei Rackern in den Käfig ziehen durfte. Fipsi begann sich sehr für sie zu interessieren und flirtete schon nach kurzer Zeit heftig mit ihr. Mucki war sehr eifersüchtig. Daher beschloss ich auch für Mucki eine Freundin zu besorgen.

Der Züchter, von dem auch Mucki und Fipsi stammen, hatte gerade wieder junge Vögel. Ein ganzer Käfig voller knopfäugiger Wellis und ich sollte mich für nur einen entscheiden. Schwierig!!! Ein Vögelchen fiel mir nach kurzer Beobachtung jedoch auf. Ein gelber Pieper mit grünem Rücken und einem grünen "Schal" um den Hals. Wirklich niedlich. Der Züchter versicherte mir, dass es sich um ein Welli-Mädel handeln würde. So fand Möppel den Weg zu mir nach Hause. Nach einigen Wochen stellte sich allerdings einwandfrei heraus: Möppel ist ein Vogeljunge. Tiefblauer konnte seine Nasenhaut nicht mehr werden.

Da ich tagsüber aufgrund meiner Berufstätigkeit nicht zuhause bin und die Vögel nicht unbeaufsichtigt fliegen lassen wollte ( sie hatten schon zuviel Unsinn angestellt), musste eine Voliere her und zwar eine selbstgebaute auf Rollen. Die Vögel waren zuerst nicht begeistert aus ihrem Käfig ausziehen zu müssen, aber schon nach kurzer Zeit genossen sie es, auch tagsüber kurze Flugstrecken zurücklegen zu können. Etwa 1 Jahr später erfuhr ich zufällig, dass ein Züchter ein 4 Wochen altes Vögelchen töten wollte, weil es eine Fußfehlstellung hatte. Ich fuhr sofort hin und holte den kleinen Pechvogel ab. Ziemlich mickrig, weiß mit grauen Stellen, so saß Mandy im Käfig. Sie konnte jedoch schon selbständig fressen.

Im Laufe der Zeit hat sie sich prächtig entwickelt. Die Fußfehlstellungen sind minimal und behindern sie nicht. Kurz darauf holten sich Familienangehörige ein Vogelmädchen für ihren zweijährigen Sohn nach Hause. Eigentlich war schon im Vorfeld abzusehen, dass das nicht lange gut gehen konnte. Penny kam zu mir in Urlaubspflege und blieb. Sie wurde Mucki's Freundin. An einem schönen Sommerabend, etwa ein Jahr später, stand die Voliere am offenen Fenster, damit meine Vogelbande die letzten Sonnenstrahlen genießen konnte. Ich verließ den Raum nur kurz. Als ich zurückkam hing ein grüner Vogel von außen an der Voliere. Mir blieb vor Schreck das Herz fast stehen. Hatte ich die Voliere nicht richtig verschlossen?

Nachdem ich meine Bande in der Voliere durchgezählt hatte war klar, wir hatten Besuch bekommen. Vorsichtig rollte ich die Voliere in den Raum und schloss das Fenster. Dann wurde der kleine Ausreißer erst einmal mit Futter und Wasser versorgt und in einen Quarantänekäfig verfrachtet. Ein Anruf im Tierheim ergab nichts. Niemand vermisste die Kleine oder meldete sich. So blieb Kerry dann auch. Sehr zu Möppel's Freude, der sie sich gleich als Freundin angelte. Zwölf Jahre Wellensittichhaltung und sieben Vögel. Ein stattliches Ergebnis.

Doch dann starb mein kleiner Mucki ganz plötzlich. Ich fand ihn eines abends tot im Käfig und war sehr traurig. Er war eben mein ganz besonderer Liebling. Ein paar Monate später sprach mich eine Arbeitskollegin an und fragte, ob ich nicht ihren "übriggebliebenen" Vogel aufnehmen könnte. Der Partnervogel war vor einiger Zeit gestorben und sie wollte keinen zweiten Vogel mehr. So kam dann Vicky, ein hellblaues, sechs Jahre altes Vogelmädchen zu mir. Kurz nach Mucki's Tod entdeckte ich bei Penny eine Verdickung an der Kloake. Ein Tumor. Der Tierarzt konnte hier nichts mehr ausrichten. Etwa ein Jahr nach Entdeckung mußte ich Penny erlösen lassen. Sie liegt nun neben Mucki begraben.

Im vergangenen November wurde Möppel plötzlich sehr krank. Die tierärztliche Diagnose lautete Kropfentzündung. Trotz sofortiger Behandlung verschlechterte sich sein Zustand sehr. Ich war verzweifelt und befürchtete, mich auch von ihm verabschieden zu müssen. Auf Empfehlung ging ich mit ihm zu einer Heilpraktikerin, die erstens: eine ganz andere Diagnose stellte und zweitens: ihm helfen konnte. Dennoch, ein ¾ Jahr später, es sah alles so gut aus, starb auch er plötzlich und unerwartet in meiner Hand. Er hatte noch gewartet, bis ich von der Arbeit nach Hause kam um sich zu verabschieden.

An einem Samstag morgen Ende Januar kam ich wie immer zum Tierheim um mit den Hunden spazieren zu gehen. Frau Stan erzählte mir, daß sie einen Wellensittich für mich hätte, der wegen Allergie abgegeben worden sei. Eigentlich wollte ich momentan gar keinen weiteren Vogel aufnehmen, da Möppel (er lebte damals noch) nicht so richtig gesund und für Ende Februar ein Urlaub geplant war. Martina, eine ehrenamtliche Helferin im Tierheim, überredete mich jedoch wenigstens einen Blick auf den kleinen Kerl zu werfen. Barney (Geröllheimer), ein wirklich schöner, 4 Jahre alter, blauer Sittich kam gleich neugierig an das Käfiggitter und "flötete" mir entgegen. Da konnte ich nicht widerstehen und mußte ihn einfach adoptieren. Er hat sich prima eingelebt und wird immer zahmer. Als kleiner Casanova flirtet er mit allen Mädels in der Voliere, was natürlich den alteingesessenen Vogeljungen nicht gefällt. Trotzdem verstehen sich alle ganz prima. Da Ende Februar Urlaub geplant war, brachte ich meine "Geiersturzflug-Kombo" zu einer Bekannten, die selber acht Wellensittiche hat.

Wir haben uns durch die Aktion "Dosenöffner" des Tierheimes kennengelernt und übernehmen wechselseitig die Urlaubspflege für unsere gefiederte Bande. Als ich dann am Ende meines Urlaubs meine Vögel endlich wieder nach Hause holen konnte, staunte ich nicht schlecht. Im Käfig saßen noch zwei neue Vögel. "Die beiden sind heimatlos und namenlos", sagte meine Bekannte und erzählte, dass die beiden ein "Überbleibsel" aus der Voliere eines Züchters seien, der seine Zucht aufgelöst hatte. Da sie die beiden aus Platzmangel nicht behalten konnte fragte sie mich, ob ich den beiden nicht Asyl gewähren könne. Da sie nun schon in meinem Käfig saßen, nahm ich sie mit nach Hause. Heimatlos sind sie nicht mehr und einen Namen haben sie auch bekommen: Brutus und Fred (Feuerstein).

Fazit nach insgesamt 22 Jahren Wellensittichhaltung: Viel Dreck und Lärm, angefressene Tapeten und Gardinen (auch in der neuen Tapete haben sie schon verewigt), jede Menge Sorge um kranke Vögel und noch viel mehr Spaß, Unterhaltung und Freude. Ich kann mir ein Leben ohne diese bunte Truppe gar nicht mehr vorstellen.

Stefanie Kranjc

P.S.: Kaum hatte ich meine Geschichte zu Papier gebracht gab es schon wieder Zuwachs. Wieder an einem Samstag morgen im Tierheim (so langsam wird es gefährlich sich dort aufzuhalten) kamen zwei Mädchen mit einem Schuhkarton zum Büro. Sie hatten einen Vogel in der Stadt "aufgelesen", der wohl entflogen war. Sollte er etwa am Wochenende alleine im Tierheim sitzen, wo er doch bei mir ausreichend Unterhaltung finden würde? Charly ist mittlerweile in die Voliere eingezogen, fühlt sich sichtlich wohl und tobt mit den anderen um die Wette.

PPS: Mittlerweile sind schon wieder 2 Wellis dazugekommen, Boncuk, ein türkisfarbener Hahn und seine Freundin Micky. Mein Arbeitskollege musste sich von Ihnen wegen seiner Allergie trennen. Eigentlich sollten sie ja nur für eine Übergangszeit bei mir bleiben. Aber die beiden sind so lieb und süß, dass ich mich doch nicht mehr von ihnen trennen konnte. Boncuk, mein kleiner Türke ist total verschmust und spricht seinen Namen und jede Menge türkische Schimpfwörter. Nur gut, dass ich die nicht verstehe!!!

von Stefanie

Disclaimer

Kopieren u. Publizieren des Text- u. Bildmaterials - auch auszugsweise - auf fremden Seiten ist nicht erlaubt.

Impressum
Datenschutz-Erklärung
Kontakt
Website verlinken