🐣 Wellensittichzucht – Allgemeines & Vorbereitung
Die Zucht von Wellensittichen ist ein faszinierendes und lehrreiches Hobby. Besonders spannend ist es, die kleinen Küken vom Schlüpfen bis zum Ausfliegen zu begleiten. Bevor du beginnst, solltest du dir jedoch bewusst machen: Wellensittiche sind Lebewesen mit eigenen Bedürfnissen. Sie verdienen Respekt, Aufmerksamkeit und Verantwortung.
Die Zucht ist kein schneller Weg zum Geldverdienen, sondern ein zeitaufwendiges, intensives Hobby. Hygiene, gute Vorbereitung und tägliche Beobachtung sind entscheidend. Stelle alles Nötige schon vor der Brut bereit – so ersparst du dir Stress und schützt deine Tiere.
👉 Tipp: Ältere Kinder können gut mit einbezogen werden. Sie lernen dabei Verantwortung und den respektvollen Umgang mit Tieren.
Wenn du das erste Mal züchtest, ist es sehr hilfreich, einem erfahrenen Züchter über die Schulter zu schauen. So bekommst du ein Gefühl für Abläufe, mögliche Probleme und die Bedürfnisse der Tiere. Man benötigt für die Zucht einiges an Kenntnis. Eventuell sollte man sich überlegen, einem Wellensittich-Verband oder einer Züchtervereinigung beizutreten, allerdings sind dort auch ganz bestimmte Auflagen zu erfüllen.
Vorbereitung
Hygiene, Untersuchungen, Vorsichtsmaßnahmen
Kurz vor der Zucht sollte die Voliere einer Grundreinigung unterzogen werden. Dafür ist es erforderlich, dass diese gründlich und in Ruhe ausgeführt werden kann. In größeren Volieren oder Vogelhäusern müssen die Vögel herausgefangen und kurzfristig anderswo untergebracht werden. Dabei kann man einen Blick auf jeden einzelnen Vogel werfen, ob alles in Ordnung ist. Auch kann man als Vorsichtsmaßnahme eine Wurmkur durchführen, diese Empfehlung gilt für alle Vögel in Außenvolieren. Dazu gibt man einen Tropfen Ivomec ins Genick der Vögel
Bitte beachten: Das Medikament Ivomec ist verschreibungspflichtig und nur nach tierärztlicher Empfehlung anzuwenden.
Kondition
Es ist bei weitem nicht ausreichend, einem Wellensittichpaar einen Nistkasten anzubieten, damit sie zur Brut schreiten. Als aller erstes sollte man feststellen, ob ein Paar in der erforderlichen Kondition ist. Das heißt, beide Vögel sollten gesund sein und nicht mausern. Das ist die Grundvoraussetzung. Prinzipiell sind Wellensittiche ab ca. 3 Monaten geschlechtsreif. Trotzdem sollte man das Mindestalter für eine Brut nicht unterschreiten. Hähne sollte man frühestens mit 10-12 Monaten, Hennen mit 8-10 Monaten zur Zucht ansetzen. Hähne, die in guter Brutkondition sind haben eine leuchtend blaue, glatte Wachshaut (besondere Farbschläge in Bezug auf die Wachshaut ausgenommen) und balzen in der Regel alles mögliche an: Hennen, andere Hähne, Sitzstangen, Spielzeug usw. Bei Hennen erkennt man die Brutbereitschaft hauptsächlich am gesteigerten Nagetrieb, bevorzugt in dunklen Ecken und Winkeln. Die dunkle Verfärbung der Wachshaut hat in Bezug auf die Brutstimmung nichts zu sagen, entgegen vieler anderslautender Meinungen.
Sind die Tiere in guter Kondition, kannst du dich der Futterplanung widmen.
Futterangebot vor und während der Brut
Wellensittiche in ihrer natürlichen Umgebung brüten, wenn das Futterangebot optimal ist. Aus diesem Grund sollte man vor und während der Brut ein abwechslungs- und nährstoffreiches Futter, dazu gehören auch Kalziumquellen, zusätzlich zur Verfügung stellen. Dabei ist als wichtiger Bestandteil das Keimfutter anzusehen, da auch in der freien Natur in der Brutsaison gekeimte Samen vorzufinden sind. Weiterhin kann man das Futterangebot auf Eifutter und Grünfutter (Frischkost) (wobei letzteres ohnehin ständig zur Verfügung stehen sollte) und erweitern. Zusätzlich kann man je nach Jahreszeit frische Äste wie Weide oder Haselnuss zum Beknabbern anbieten.
Erfahrene Züchter füttern den Altvögeln außerhalb der Brut eine normale Futtermischung. Kein Eifutter, um sie nicht unnötig zu stimulieren und ihnen eine Pause zu gönnen. Frischfutter ist ganzjährig erlaubt.
Stimulanz durch Kolonienbrut
Wellensittiche sind Schwarmtiere. Es mag zwar ausreichend erscheinen, einen Vogel nicht allein zu halten, aber wenn es darum geht, ein Paar brüten zu lassen, ist die Stimulanz von vielen Artgenossen erforderlich. Die Koloniebrut ist die natürlichste Weise und sollte bevorzugt werden, wenn man nicht auf bestimmte Farbschläge aus ist. Koloniebrut bedeutet, dass den Vögeln in ihrer gewohnten Umgebung Nistkästen angeboten werden. Dabei sollte man beachten, dass ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Hennen und Hähnen besteht und dass immer doppelt so viele Nistkästen wie brütende Paare zur Verfügung stehen, da es häufig zu bösen Streitereien bei den Hennen um die Nistkästen kommen kann.
Eine zweite Möglichkeit ist, dass Brutpaar vom Schwarm zu trennen und ihm eine separate Zuchtbox mit Nistkasten zur Verfügung zu stellen. Dabei sollte man beachten, dass das Paar zumindest akustisch Kontakt zum Schwarm oder anderen Brutpaaren hat.
Nistkasten
Der Nistkasten besteht günstigerweise aus Holz und hat eine Mulde, die groß genug sein sollte, um darin ein Gelege von mindestens 5-6 Eiern aufzunehmen. Jede gut sortierte Zoohandlung bietet entsprechende Nistgelegenheiten für die Vögel an.
✅ Checkliste vor der Anpaarung
- ✔ Voliere gereinigt
- ✔ Brutpaar gesund und zuchtbereit
- ✔ Futter angepasst (Keim- & Eifutter)
- ✔ Nistkasten vorbereitet
Wann sollte die Anpaarung stattfinden
Die beste Zeit für die Anpaarung ist Spätsommer bis Frühherbst – also etwa Ende August bis September. Dann sind die Temperaturen angenehm, und das Tageslicht ist stabil, was sich positiv auf Brut und Aufzucht auswirkt.
💧 Wichtig während der Brutzeit
Während der Brutphase verdunstet nach und nach Wasser aus dem Ei. Die richtige Luftfeuchtigkeit ist deshalb entscheidend:
- Ist sie zu niedrig, trocknet das Ei aus.
- Ist sie zu hoch, kann das Küken im Ei ertrinken.
Achte also auf ein ausgeglichenes Raumklima, besonders in Innenräumen.
💬 Fazit
Mit sorgfältiger Vorbereitung, gesunden Tieren und Geduld kann die Wellensittichzucht ein wunderschönes Erlebnis werden – für Mensch und Tier.
Im nächsten Abschnitt erfährst du, wie du die Brut und Aufzucht optimal begleitest.
