Das Vertrauen gewinnen

Dieses Kapitel baut auf das Thema "Die ersten Tage" auf, denn es geht darum, das Vertrauen des anfänglich scheuen Wellensittichs zu gewinnen. Er wird sich sicher sehr schnell an dich gewöhnen, besonders wenn er anfänglich noch alleine ist, weil die Quarantäne-Zeit eingehalten werden muss. Das erreicht man, indem man regelmäßige Zeiten einhält, an dem man ihn füttert, mit ihm spricht, mit ihm spielt, ihm am Familienleben teilhaben lässt und ihm seinen Freiflug gönnt. Und lass ihn auch ruhig bei deiner Hausarbeit zuschauen.

Mit der Zeit wird er sich auf dich oder die anderen Mitglieder deiner Familie freuen. Er wird dieses durch sein leichtes Anheben seiner Flügel zeigen oder indem er das Gefieder schüttelt, wenn er dich sieht oder er antwortet oder ruft dich.

Jetzt kommt so langsam die Hand ins Spiel, vor der der Wellensittich wohl naturgemäß eine gewisse Scheu hat, es sei denn er wurde von einem Züchter vom Nest an, an die Hand gewöhnt. Um die geht es in diesem Kapitel hauptsächlich.

Allen voran geht das behutsame Gewöhnen an den Finger oder die Hand. Bevor man die folgenden Methoden ausprobiert, sollte man zuerst einmal testen, inwieweit der Wellensittich bereit ist, mit dir Kontakt aufzunehmen: Reagiert er nicht mehr überängstlich o. flattert wild durch die Gegend, wenn du beim Saubermachen oder Füllen der Futterbehälter in den Käfig greifst? Wenn du deine Finger zwischen die Gitterstäbe hältst und dabei mit ihm redest, schaut er schon neugierig oder geht ganz ruhig seiner Beschäftigung nach, ohne sich aufzuregen? Wenn ja, dann ist er soweit.

Die Kolbenhirse-Methode:

Erste Phase: Jetzt ist es an der Zeit, mit deinem Finger ganz sanft seinen Schnabel oder seinen Bauch zu berühren, zu streicheln und dabei ganz beruhigend auf ihn einzureden. Einige Wellensittiche mögen es allerdings nicht, wenn man seine frischgeputzten Federn durcheinanderbringt, es gibt eben solche und solche, dann beschränke das Streicheln nur auf den Schnabel. Mache das einige Tage hintereinander, vielleicht auch mehrmals am Tag.

Zweite Phase: Bekommt er von dir schon Kolbenhirse, so nehme diese erst einmal weg und reiche sie ihm täglich zur gleichen Zeit nur noch auf deiner Hand. Halte diese für ihn gut erreichbar hin, so dass er einfach nur zuzulangen braucht, ohne dass er dich dabei berühren muss. Bleibe am Ball, auch wenn es anfangs nicht erfolgreich war. Versuche es immer wieder, bis er sich daran gewöhnt hat und davon frisst.

Dritte Phase: Jetzt lege die Hirse auf deine Handfläche und halte sie etwas weiter von ihm entfernt, so dass er zu dir kommen und einen Fuß auf deine Hand setzen muss. Jeden Tag üben, bis er es kennt und freiwillig kommt. Vielleicht freut er sich ja nach kurzer Zeit schon darauf. Es kann sein, dass er vorsichtig an deiner Hand knabbert, erschrecke aber bitte nicht, denn das überträgt sich auf ihn.

Vierte Phase: Hat das mit der Kolbenhirse oder anderen Leckereien gut geklappt und er steigt schon bereitwillig auf deine Hand, dann presse ihm deine Hand oder deinen Finger etwas an den Unterbauch, nur ganz leicht, er soll nur spüren, dass da etwas ist. Instinktiv steigen einige Wellensittiche dabei auf den Finger. Wiederhole diese Übung mehrere Male und so lange mit ihm, bis er jedes Mal auf die Hand oder den Finger steigt, wenn du sie ihm entgegen hältst.

Du erreichst damit, dass der Wellensittich handzahm wird, dass heißt, er erkennt deine Hand als Freund und Helfer an und benutzt diese als Transportmittel oder was immer er möchte. So bekommst du ihm bei seinen ersten Freiflug leichter in den Käfig, wenn er nicht freiwillig zurück will. Bei Wellensittichen, die die Hand nicht anerkennen, kann der erste Freiflug etwas schwieriger ausfallen, zumindest das Zurückbringen in den Käfig, oder wenn er nicht mehr von seinem Landeplatz herunter will.

Die Stöckchen- oder Glöckchen - Methode:

Wenn dein Wellensittich überhaupt nicht gut auf die Hand zu sprechen ist, kannst du es mit dieser Methode ausprobieren. Du nimmst eine Sitzstange, die du übrig hast, am besten die gleiche, die er im Käfig hat oder ein anderes Stöckchen, an dem du ihm aber erst vorsichtig gewöhnen solltest. Halte diese ihm vor dem Bauch, so wie es in der vierten Phase beschrieben wird, bis er irgendwann darauf steigt. Auch das übe immer wieder, bis er es nicht anders kennt. Belohne ihn nach diesen Übungen jedes Mal mit Kolbenhirse oder anderen Leckereien, so als kleiner Anreiz. Auf diese Art kannst du ihn auch wieder in den Käfig zurückbringen, wenn er mal nicht hinein will. Da er dann das Stöckchen schon kennt, wird er auch gerne als Transportmittel darauf zurückgreifen.

Hat er ein Lieblingsspielzeug, zum Beispiel ein Glöckchen, nehme auch dieses zur Hilfe. Ich hatte damit bei unserem anfangs auch sehr scheuen Jacky Erfolg. Er hatte mit der Hand und dem Finger nicht allzu viel im Sinn, aber als ich sein Glöckchen aus dem Käfig nahm, wurde er ganz wild. Ich hielt es ihm wieder in den Käfig und er kletterte sofort auf meine Hand. Danach knabberte er abwechselnd an meiner Hand und an seinem Glöckchen und der Bann war gebrochen. Mit dem Glöckchen konnte ich ihn aus dem Käfig locken, aber auch wieder in den Käfig.

Ich möchte noch einmal darauf aufmerksam machen, dass handzahm machen nicht gleichbedeutend mit dressieren oder gefügig machen ist. Eine Anleitung, wie man sich einen Wellensittich gefügig macht, was nur ein anderes Wort für zähmen ist, wird man auf diesen Seiten nicht finden. Alles, was der Wellensittich tut, sollte freiwillig geschehen. Ich persönlich finde es schön, wenn der Wellensittich irgendwann vertrauensvoll sein Füßchen auf meine Hand setzt, in dem festen Glauben, dass man ihm nichts böses tun will. Außer beim Freiflug, erleichtert das auch ungemein einen Arztbesuch, denn spätestens dann wird er wohl in die Hand genommen werden.

Weitere Infos gibt es auch in der Haltungs-Rubrik im Artikel Zähmen

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