Nährstoffe: Fette

Nährstoffe sind Stoffe, die zur Lebenserhaltung aufgenommen und im Stoffwechsel verarbeitet werden. Eine ordnungsgemäß angepasste Ernährung für Wellensittiche muss ein ausgewogenes Verhältnis von Kohlenhydraten, Proteinen, Fetten, Mineralstoffen und Vitaminen enthalten.

Die Energielieferanten unter den Nährstoffen sind die Eiweiße, die Kohlenhydrate und die Fette. In diesem Artikel geht es um letzere beiden Nährstoffe.

Kohlenhydrate sind wichtige Energielieferanten und in fast allen Nahrungsmitteln vorhanden. Wir kennen diese als Stärke und Zucker und Zellulose (der unverdauliche Bestandteil der Nahrung). Bei uns Menschen wären das Stärke in Form von Nudeln, Brot etc. und Zucker in Form von Süßigkeiten, Honig und Obst. Nun kann der Wellensittich mit Menschennahrung nichts anfangen, aber gerade das alltägliche Körnerfutter liefert ordentliche Mengen Stärke, also Kohlenhydrate. Diese sind im Allgemeinen leicht verdaulich. Unsere Wellensittiche beziehen ihre Energie also hauptsächlich aus dem Saatkorn der Hirse und diese ist ihr sogenanntes tägliches Brot. Und deshalb: unsere Wellensittiche werden im Allgemeinen nicht an einem Kohlenhydrat-Mangel leiden. Bei Bedarf besonders bei einem Überangebot kann der Körper auch Kohlenhydrate in Fette umwandeln und diese als Notration speichern, er kann sie auch als Glykogen in der Leber und den Muskeln zwischenspeichern. Das heißt aber nicht, dass der Vogelkörper grundsätzlich auf Fette verzichten kann.

Kohlenhydrate werden in Einfachzucker (Monosaccharide), Zweifachzucker (Disaccharide) und Vielfachzucker (Polysaccharide) unterteilt. Zu den Einfachzuckern zählen Traubenzucker (Glukose) und Fruchtzucker (Fruktose). Zu den Zweifachzuckern zählen (Rohr- und Rübenzucker) Saccharose und auch der Milchzucker, der für Wellensittiche unverdaulich ist, da ihnen das Verdauungs-Enzym Lactase fehlt. Zu den Vielfachzuckern zählt die oben erwähnte Stärke, welche die größte Bedeutung für die Ernährung der Wellensittiche hat.

Kohlenhydrate werden im Verdauungstrakt zuerst in Einfachzucker, also Glukose*, umgewandelt, bevor sie in die Blutbahn gelangen und von da aus als Energiequelle die Zellen direkt damit versorgen. Das heißt: Kohlenhydrate werden hauptsächlich für die schnelle Energieproduktion verwendet und diese benötigt der Wellensittich ständig aufgrund seines laufenden Grundumsatzes.

*Deshalb geht Traubenzucker (Glukose) auch sofort ins Blut, weil er nicht erst in Einfachzucker also Glukose umgewandelt werden muss.

Fette sind lebenswichtige Energielieferanten, aber in weitaus höherer Konzentration als die Kohlenhydrate. Sie haben eine doppelt so hohe Energiedichte wie die Kohlenhydrate und somit doppelt so viele Kalorien. 1 Gramm Fett enthält 9 Kilokalorien (kcal). Zum Vergleich: 1 Gramm Kohlenhydrate oder Eiweiß enthält 4 Kilokalorien. Fette sind aus Glycerin und Fettsäuren aufgebaut.

Wichtig sind die essentiellen Fettsäuren, - die Linolsäure ist besonders hervor zu heben - welche nach Umwandlung in mehrfach ungesättigte Fettsäuren für die Zellintegrität und als Bausteine für Hormone und interne Prozesse benötigt werden. Zum Beispiel das Hormon Prostaglandin, welches eine wichtige Rolle bei der Reproduktion sowie bei Entzündungsprozessen des Körpers spielt.

Aufgaben, kurz zusammengefasst:

  • Energielieferant (Energiespeicher)
  • Baustein für zelluläre Membrane (Aufbau der Zellen)
  • verschiedene Stoffwechselvorgänge
  • Senkung eines erhöhten Cholesterinspiegels
  • Trägermechanismus für die Aufnahme von fettlöslichen Vitaminen (Vitamine A, D, E und K)
  • Schutzbarriere der Haut
  • Isolationsfunktion (Wärmeschutz)
  • Sättigungsfunktion (fettreiche Nahrung sättigt schneller)
  • Nierenschutz (Nierenfett, diese kleine Fettschicht um die Nieren schützt vor äußeren Einflüssen)

Der Fettstoffwechsel

Ja, der Fettstoffwechsel ist eine komplizierte Baustelle im Körper. Lässt sich schwer erklären. Ich versuche es mal grob umrissen.

Fette in der Nahrung sind Träger sogenannter Fettsäuren.

Fettsäuren auch Lipide genannt, werden in den Mitochondrien in Energie umgewandelt, die Mitochondrien sind die Kraftwerke einer Zelle. Bevor sie dorthin gelangen, haben sie bereits einen langen Weg hinter sich gebracht: Magen, Darm, Lymphe, Blut. Von dort aus gelangen sie in den Citratzyklus. Die Nahrungs-Fette werden sozusagen über den sogenannten Fettstoffwechsel mehrfach "umgebaut", bevor sie vom Körper als Energiequelle genutzt werden können.

Fette als Energielieferant und als Depot

Fette liefern zwar Energie, aber keine schnelle Energie, sondern werden hauptsächlich für die Reserve gebraucht.

Fett ist generell wichtig für Wellensittiche, da sie eine höhere Körpertemperatur und einen schnelleren Metabolismus haben. Besonders gilt das für geschwächte Vögel, denn sie verlieren noch schneller Körperwärme, man merkt das auch daran, dass sie im kranken Zustand oft ihre Federn stark aufplustern. Generell sollte man in Freivolieren gehaltene Vögeln die Möglichkeit geben, sich ein Fettpolster zuzulegen.

Das überschüssige Fett wird beim Wellensittich meistens in der Brustregion gespeichert, davon kann er in schweren Zeiten etwas zehren. Wichtig ist aber auch, dass diese Fettdepots regelmäßig abgebaut werden. Das gelegentliche Abbauen dieser Fettschicht dient dazu, auch Giftstoffe loszuwerden, da diese ebenfalls gerne in Fettschichten eingelagert werden. Sollte ein vormals übergewichtiger Wellensittich aufgrund einer Krankheit plötzlich stark abnehmen, werden auch diese Giftstoffe beim Abbau der Fettschicht in den Körper geschwemmt und belasten diesen zusätzlich.

Fazit: Eine kleine Fettschicht ist okay, besonders für die kältere Jahreszeit, aber es ist darauf zu achten, dass diese regelmäßig auch wieder abgebaut wird.

Fette können im Körper gespeichert werden und müssen deshalb nicht täglich mit der Nahrung aufgenommen werden. Kohlenhydrate dagegen schon, diese müssen täglich zugeführt werden, können aber in Fett umgewandelt werden, wenn die Aufnahme höher als der Verbrauch ist.

Durch einen konstanten Fettmangel können auch Gesundheitsstörungen entstehen, da Fette auch Träger der fettlöslichen Vitamine A, D, E und K sind und Kohlenhydrat- und Proteinbestandteile nicht effizient verwendet werden.

Obwohl Fette lebenswichtig sind, benötigt der Wellensittich nur einen ganz geringen Anteil Fett in der Nahrung. Da Wellensittiche zu Übergewicht neigen, ist auf den Fettgehalt der Samen zu achten. Eine Körnermischung sollte nicht mehr als 3 - 5% öl- oder ölhaltige Samen enthalten.

Nährwert-Tabelle

Pflanzliche Fette sind natürlich auch in einigen Sämereien in mehr oder weniger hohem Anteil enthalten. Zu tierischen Fetten hat der Wellensittich so gut wie keinen Zugang, selbst in der Wildnis Australien nicht und deshalb spielen diese Fette auch keine Rolle in der Ernährung der Wellensittiche.

Es folgt eine Tabelle mit der Auflistung der einzelnen Saaten, inklusive Fett-, Kohlenhydrat- und Protein-Gehalt, nach Fettgehalt absteigend geordnet. Mit diesem Wissen lässt sich die Futterzusammenstellung auch gut den aktuellen Anforderungen des Wellensittichs anpassen.

Nährwert-Tabelle - mehlhaltige Samen
Samen Kohlenhydrate Fette Proteine
Haferkerne 64,2 8,0 13,4
Nackthafer 59,8 7,1 11,7
Amaranth 65,0 7,0 14,0
Quinoa 67,6 6,4 12,5
Kanariensaat 56,0 6,0 15,0
Grassamen 73,0 4,5 14,5
Knaulgras 72,2 4,3 13,8
Grüne Hirse 72,2 4,0 12,0
Plata Hirse* 72,5 4,0 12,0
rote Hirse 60,0 3,8 11,6
Gelbe Hirse* 69,8 3,7 9,5
weiße Hirse 59,8 3,7 11,1
Japanhirse 59,8 3,7 12,8
Dari 71,0 3,4 12,0
Buchweizen 71,0 1,8 9,5
Foniopaddy 75,0 1,8 9,0

Sämtliche andere Hirsesorten wie Mannahirse, Senegalhirse etc. bewegen sich ungefähr in einem ähnlichen Bereich wie unter weiße Hirse / rote Hirse angegeben. Kanariensaat enthält einen etwas größeren Prozentsatz an Fetten und Proteine als Hirse Samen. Hirse enthält mehr Kohlenhydrate. Mehlsaaten sind stärkehaltier als Ölsaaten. Ölsaaten dagegen besitzen einen höheren Fettgehalt.

*Die gelbe Hirse wird manchmal mit der Plata-Hirse in einem Zug genannt. Bei der echten (la)Plata-Hirse handelt es sich um Hirse mit ovalem Korn und weicher Schale und stammt aus Argentinien. Die gelbe Hirse ist dagegen eine Rispenhirse mit kleinen runden Körnern.

Nährwert-Tabelle - ölhaltige Samen
Samen Kohlenhydrate Fette Proteine
Sesam 14,0 50,0 21,0
Mohn 4,0 44,0 21,0
Negersaat 13,1 41,0 19,5
Leinsaat 22,3 34,2 21,5
Chiasamen 37,5 31,4 21,2
Hanf 19,5 31,0 22,6
Fenchelsamen 36,2 14,0 17,2

Kohlenhydrate und Fette - Ihre Hauptaufgabe ist, die Körperenergie zu liefern. Im Winter, wenn Wellensittiche mehr Energie und mehr Nahrung verbrauchen, ist ihre Ernährung notwendigerweise reicher an Fetten und Kohlenhydraten.

Nichtverdauliche Kohlenhydrate erfüllen ebenfalls eine wichtige Funktion als Ballaststoffe.

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